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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-12-20 · Heft 52 (20.12.1852) · p. Seite 624

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 52 (20.12.1852)
Date
1852-12-20
Page
Seite 624 (sequence 6)
Language
German
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m Partei daselbst wirkt nun dahin, daß die Zahl der jüdischen Schüler am Friedrich-WilhelmS-Gymnasium, welche die Hälfte sämmtlicher ausmacht, auf dies Verhältniß reduzirt werde. Bei den jüngst stattgehabten GemeinderathSwahlen wußten die jüdischen Wähler Posens ein derartiges Bestreben gehörig zu würdigen, indem ste die, welche ste im Jahre 1848 „deutsche Brüder" nannten, nicht unterstützten. Mit Hilfe der polnischen Wähler wollten ste die ihrer Zahl nach ihnen gebührende Anzahl Gemeindevertreter durchbringen. (Die deutsche Partei wollte sie auf 2 beschränken.) ES war interessant zu sehen, wie orthodoxe Juden für einen katholischen Prälaten stimmten, und diese für fromme Juden. Der Wahlkampf ist noch nicht zu Ende, da eine engere Wahl nöthig ist, die am 9. d. M. stattfindet. Z. Frankreich. Paris, im Dezember. (Nach den Arcli. isr. de Fr.) Die „Gesellschaft für moralische und religiöse Bücher", die sich jüngst hier gebildet, und über die wir in No. 49 berichteten, hat einen ersten Konkurs für den Monat September 1853 ausgeschrieben. Preis: 1200 Frks. (320 Thlr.), die Schrift muß in französischer Sprache bis zum 31. September im Büreau der Gesellschaft (rue'Grange-Baleliere No. 1) franko einlaufen, versehen mit versiegeltem Namen und Devise. Thema: die Moral nach Bibel und Talmud; die Schrift soll keine wissenschaftliche sein, sondern für die Jugend und Weltleute, fähig zu gleicher Zeit zu interessiren und zu unterrichten, klar, bestimmt, einfach. Sie soll sich zuerst über die Natur der Gottheit, namentlich von moralischer.Seite auslaffen-, dann über die Stellung, welche das Juden- 'thum dem Menschen angewiesen, von da ab den ganzen Pflichtenkoder, und schließlich einige Betrachtungen über die Unsterblichkeit der Seele. Zu den Texten der Bibel und des Talmuds kann man auch in bescheidnem Maße Midraschim und schöne Sentenzen aus dem Talmud hinzufügen. Das gekrönte Werk ist Eigenthum der Gesellschaft. — Die Umstände, unter denen der Großrabbine von Bordeaux, Marx, die Ehrenlegion empfangen hat (s. No. 44), machen die Sache von noch allgemeinerm Werthe. Er war zum Frühstücke eingeladen worden, und nach dem Frühstücke überreichte der Prinz-Präsident (jetzt Kaiser) dem Großrabbinen den Orden in Gegenwart aller ihn begleitenden Würdenträger, der Stadtbehörden u. s. w. In seinen Dankworten sprach der Großrabbine geradezu: „eS ist dies eine neue Weihe der Freiheit der Kulte, deren Aufrechterhaltung und Verteidigung Ew. Hoheit unS schon verheißen hat"'— „Sie können darauf rechnen", antwortete der Prinz. Bei den Glückwünschen legte namentlich der General d'Hautpoul, Großreferendär des Senats, den Ton darauf, daß die Rechte und Freiheiten der Israeliten niemals angetastet werden würden, weil ste ebenso in den Prinzipien des Prinzen wie des Jahrhunderts lägen; und dann hätten die Israeliten sich all dieser Wohlthaten würdig gemacht. Alle Bewohner von Bordeaux bezeugten dem Großrabbinen ihre Theilnahme, selbst der Kardinal-Erzbischof von Bordeaux kam selbst bei Herrn Marx vorgefahren, und brachte ihm seine herzlichen Glückwünsche. — Das HauS Fould hat dem WohlthätigkeitSkomite des israelitischen Konsistoriums 5 Aktien der banque mobiliere gesandt, die den Armen 2600 Frks. eingebracht. — Im „Pays“ macht ein Kaufmann zu VincenneS bekannt, daß er jüngst in Paris 4560 Frks. in einem öffentlichen Wagen habe liegen lassen. Alle polizeilichen Nachforschungen seien vergeblich gewesen. Da habe sich nach einiger Zeit der Großrabbine von Paris auf der Präfektur eingestellt, und das verlorene Geld gebracht, indem auf eine TagS vorher von ihm gehaltene Predigt ein ihm unbekannter Jude eS zur Rückgabe ihm überbracht habe. — In Metz ist das Gebäude der Rabbinerschule niedergeriffen worden, und wird durch ein viel größeres, neues ersetzt. *) - Rußland. Aus Litthauerr, im November. (Privatmitth.) (Die Rabbinerkommission in Petersburg.) Wie schon gemeldet, ist die Rabbinerkommission nach Petersburg zusammenberufen worden, aber nur vier Mitglieder, nämlich: auS Wolhynien ein dortiger orthodor-chasidischer Rabbi, auS Weißrußland ein Rabbiner, der Talmud, auch ChafidismuS, studiert, aus *) Der Rcdakt. der Arch. weiß auf unsere Nachweisungen Nichts zu antworten, als zu — schimpfen. Dieses Feld überlassen wir ihm ganz allein. Neda kt.

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