Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 52 (20.12.1852)
- Date
- 1852-12-20
- Page
- Seite 623 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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bekenntniß in seinen Tert (Gen. 3) zu verflechten und manche verwandte Saite anzuschtagen. — Ueber Letztem gestatten Sie mir zu schweigen, so wie über das taktlose Benehmen des Herrn En och aus Altona, der sich als Zionswächter gerirte und nichts'Geringeres beanspruchte als sich —7 oktroyiren zu laffen! Erfreulicheres können wir indeß über unsere Religionsschule mittheilen, die in der Person des Herrn Bonnheim seit dem Oktober d. I. einen tüchtigen und thätigen Lehrer erlangt hat. Herr B. hat an heiliger. Stätte über die .Wichtigkeit seines Berufes und den heiligen Ernst seines Willens am verwichenen Sabbat zu allgemeiner Zufriedenheit gesprochen und würde es uns nur willkommen sein, von Zeit zu Zeit aus dessen Munde das Wort Gottes zu vernehmen. In politischer. Beziehung haben wir bisher eben noch keine bedeutsame retrograde Bewegung wahrgenommen, was übrigens wol nicht mehr lange auf sich warten lassen wird, wie Frau Fama meint und unser eben eröffneter Landtag in Malchin prognostizirt. Kleine Schmälerüngen der uns 1848 gewordenen Rechte sind, in unseren Landstädten bereits zu wiederholten Malen vorgenommen, daß Juden keine Grundstücke mehr akquiriren dürfen rc. Unsere sogenannten Orthodoren halten dieses in ihrer Naivetät, aber mit RebHenoch zu reden, für „a scheinen -p^n", damit wir das Golis stets im Bewußtsein haben. Ich denke indeß, man wird von anderer Seite her schon für dieses edle Motiv bedacht sein. Preußen. Aus -er Provinz Posen, 5. Dezember. (Privatmitth.) Die liffaer Ablcsungsfrage — seit 1849 schwebend und auch in diesen Blättern von uns schon zu wiederholten Malen besprochen — ist endlich zur Entscheidung gekommen. DaS. königl'. Obertribunal zu Berlin, vor. dessen Forum der Rechtsstreit der Abgelöften mit der Gemeinde — nachdem derselbe bereits die unteren Instanzen alle durchgemacht hatte — endlich gebracht worden war, hat dekretirt, daß alle diejenigen, welche sich in den letzten Jahren (1849—51) von. der Gemeinde zu Lissa abgelöst, ihren Aufenthalt in'der Stadt L. aber .beibehalten haben, als von dem Gemeindeverbanb wirklich nicht abgelöst zu betrachten und demgemäß nach wie vor zu allen Gemeindelasten heranzuziehen seien. Dieses Erkenntniß ist der Gemeinde zu L. bereits bekannt gemacht und durch dasselbe dort — wie man sich leicht denken kann — nicht wenig Sensation erregt worden. Nach einer Korrespondenz aus Gostyn in der Posener Zeitung No. 273 sollen die im Großherzogthum Posen „von Missionären — mit Hilfe der londoner Gesellschaft — errichteten Schulen zur Bekehrung der Juden" (i.. e. Missionsschulen) bereits von circa 500 jüdischen Kindern besucht sein — und neben den bereits bestehenden derartigen Anstalten nächstens noch einige zu demselben Zweck errichtet werden. — Aus dem Städtchen Landberg meldet der nämliche Korrespondenzartikel, daß die dortige jüdische Gemeinde — „einsehend, welchen Vortheil (sie!) ihr eine Missionsschule gewahren würde" — vor einem Jahre schon ihren jüdischen Lehrer entfernt und an Stelle-desselben einen Missionslehrer requirirt hätte. Wir wissen nicht, wie diese Geschichte zusammenhängt; doch so viel glauben wir dreist behaupten zu können, daß — wenn sie anders wahr ist — der Vortheil, welchen die landberger Juden im Auge gehabt, höchstens nur ein rein materieller kann gewesen sein. Jedenfalls wäre es sehr wünschenswerth, wenn Einer, dem die Verhältnisse von Landberg näher bekannt, über das erwähnte Faktum in. diesen Blättern einen nähern Aufschluß geben wollte. Wir fügen nur noch zweierlei hinzu: erstlich, daß die jüdischen Elementarschulen in der Provinz — obschon an so manchen Mängeln und Mißbräuchen leidend — doch noch dreist mit allen ihren christlichen Mitschwestern in jeglicher Beziehung rivalisiren können — und dann, daß das Vorhandensein von Missionsschulen dem jüdischen Schulwesen im Großherzoglhume ebenso wenig als dem Judenthum überhaupt jemals Schaden bringen werde.' Die Argumentirung beider Punkte bleiben wir dem Leser schuldig.*) Posen, im Dezember. (Privatmitth.) Die Bevölkerung der jüdischen Einwohner PosenS verhält sich zu der der übrigen wie 1 zu 5. Die deutsche *) Wie wenig den Berichten in den MisstonSblättrrn, namentlich über die Erfolge der „Bekehrer" zu trauen ist, werden wir z. B. wieder auS dem Werke des vr. Tobler zu erweisen Gelegenheit haben. Redakt.