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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-12-20 · Heft 52 (20.12.1852) · p. Seite 622

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 52 (20.12.1852)
Date
1852-12-20
Page
Seite 622 (sequence 4)
Language
German
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622 gegenkommen, aber der bloße Glaube ist noch nicht die Erkenntniß, denn er hält nur fest, was ihm gesagt worden, aber, erkennt eS nicht; auch in der Erfüllung des Gebots zeigt sich die Erkenntniß, denn sie soll nicht bloßes Wort fein, aber die gedanken- und inhaltlose Erfüllung der einmal geschriebenen Satzung ist es nicht, denn sie thuet ja nur, was und weil es geschrieben ist, aber erkennt eS nicht. Aus was für Zeiten ist denn die jetzige hervorgegangen? Aus mehreren Jahrhunderten, in welchen Nichts thätig war, als daS unbedingte AuSübcn der überkommenen Gebräuche, drei Jahrhunderte, wo im Judenthume der Geist schwieg, die Erkenntniß tief gesunken war, und nur diegläubige Uebung der Form Platz hatte, nur die Streitfragen über diese Formen die Geister in Besitz hatten. Die da Herumschweifen, sind die Söhne derer, welche mit eiserner Festigkeit an Len Satzungen hielten. Darum ist es auch allein die. wachsende Erkenntniß, welche daS Judenthum retten kann und retten wird. Ueberzeugung muß wieder in die Geister Israels kommen, das Bewußtsein geweckt werden in den Gemüthern, über den Beruf Israels und über das große Gut, daS in seine Hände gelegt ist, und diese Ueberzeugung eine felsenfeste, und dieses Bewußtsein ein sonnenhelles werden. Fürwahr, die Erkenntniß Gottes, wie Israel sie trägt, nicht durch Spitzfindigkeiten wird sie erschüttert, und nicht durch Spitzfindigkeiten gerettet undvertheidigt! Sie ist der allgemeine Verstand und das allgemeine Herz der Menschheit. Aber sie muß. erworben und immerfort erweitert werden von jedem Einzelnen. Und wodurch? durch Lesen und Forschen der heil, Schrift, durch Kennenlernen der Geschichte Israels, durch Umschauen und Begreifen der göttliches Schöpfung, worauf sich die heil. Schrift so oft deruft, durch Hinblick auf die großen und tugendhaften Männer unsrer und aller Nationen. So erworben — und befestigt muß sie werden, indem wir aufrichtig daS ewige Gesetz deS Herrn, nicht Menschensatzung erfüllen, und Recht thun, und Liebe üben, und Heiligung anftreben!... Dann — wächst die Erkenntniß! Zettnugsnachrichteu. Deutschland. Speier, im Dezember. (Sp. Z.) Der Gemeinderath der Stadt Speier hatte auf Ansuchen der israelitischen Gemeinde beschlossen, das Gehalt deS israelitischen Schullehrers, zu dessen Deckung er bisher blos einen jährlichen Beitrag leistete, vollständig zu übernehmen. Durch Verfügung der k. Kreisregierung ist jedoch diesem Beschlüsse die Kuratelgenehmigung verweigert. . Schwerin (Mecklenburg), im Dezember. (Privatmitth.) Rückblickend auf. die Zustände der hiesigen 'Synagogengemeinde, kommt mir stets jenes prophetische Lamento in den Sinn: 212 y>*n vibwb mp rnni nsma rtfb Hoffe nur auf Frieden — es kommt nichts Gutes, auf eine Zeit der Heilung — aber nur Schreckenvolles! Die Kämpfe und Wirren, die bis zu dem Abgänge unsers verehrten, in unserer Erinnerung noch ungetrübr lebenden Dr. Einhorn hier ihren Spielraum fanden, sind ihrer Zeit in d. Bl. bereits skizzirt zur Mittheilung gebracht. Um das Maaß voll zu machen, trat noch der eigenthümliche Zwischenfall mit dem Lehrer Kunreiter ein, wodurch, -wie bekannt, neben der verwaiseten Kanzel auch die Religionsschule nur ein kümmerliches Dasein fristete. Ein volles Jahr ist uns heute unter dem Wechsel von Täuschungen und Mißlichkeiten, wie sie ein anarchischer Zustand im Gefolge hat, vergangen, und jetzt, wo wir die Zeit der Heilung erhoffen und nahe glauben, nämlich die Wiederbesetzung unserS Landeörabbinats, wozu die behufigen Schritte bereits geschehen sind, ergiebt sich, daß auch unser israelitischer Oberrath durch das Ausscheiden einiger seiner besten und schwer zu ersetzenden Mitglieder in sich zerfallen und der Auflösung, nahe ist. Wir sind so gezwungen, gewissermaßen ob ovo wieder anzufangen und gleichsam erst den Boden zu bilden für das darauf zu gründende Werk. Ungeachtet die Aussichten solcher Gestalt wenig Verlockendes für etwaige Aspiranten auf das mecklenburger Rabbinatsamt haben, so sahen wir doch in jüngster Zeit ihrer einige in unserer Mitte, von denen die Herren Dr. Meisel aus Stettin und Dr. Wiener aus Hannover Kanzelvorträge hielten. Ersterer gewann durch seinen anziehenden, begeisternden, von trefflichen Mitteln unterstützten Vortrag. ES war allerdings nur eine Homilie, die unS für dessen rhetorische Kapazität noch kein Kriterium sein kann; jedoch wußte der Redner mit Talent sein unsrer Stimmung und unseren Wünschen'angemessenes Glaubens-

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