Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 52 (20.12.1852)
- Date
- 1852-12-20
- Page
- Seite 621 (sequence 3)
- Language
- German
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621 Als AntiochuS das Gräßlichste vollstreckte, daS ganze Volk beugte sich vor ihm, während nur 6000 Männer bei Judas Machabbi standen. Und fo noch oft. Als Ferdinand der Katholische unseren Vätern in Spanien freifiellte, entweder ihre Hekmath und ihren Besitz zu verlassen, oder abzusallen von Gott — 500,000 thaten seinen Willen, und nur 300,000 wandten dem geliebten Vaterlande den Rücken, Gott höher schätzend als die Erde. Nun, die Wenigen, die um die Propheten sich schaarten, die Wenigen, die mit Serubabel nach Jerusalem zurückkehrten, die Wenigen, die bei Juda Machabbi standen, die Wenigen, die mit Abarbanel Spanien verließen — sie siegten, sie bestanden, ihr Werk gelang, ihr Thun kam bis auf uns, wir feiern und preisen sie noch heute — während die Vielen untergingen im Strome des Lebens auf immer: aVi v-pr» atfj ihrer wird nicht gedacht und nicht erwähnt. Und was war und ist das ganze Israel gegen die gesummte Menschheit Anderes, als T172 eine sehr geringe Zahl, 5 oder 6 gegen 1000? Und doch bestand und besteht dieses kleine Häuflein, während alle Völker sich verloren und verlieren; und doch sind unsere heil. Schriften, die Denkmäler unsers Geistes, unvermindert, und verbreitet über alle Welt, übertragen in alle Sprachen, während die Weisheit aller Menschenvölker Trümmerstücke, von Tag zu Tag sich wandelnd, von Zeit zu Zeit vergessen! So unabhängig ist Wahrheit und Recht von aller Zahl, so daß wir wohl begreifen können, wie Viele, sehr Viele, die Meisten umherschwcifen können, und die Erkenntniß geht nicht unter, dieweil sie doch in Einigen, ja selbst in Wenigen ist. Und was hat denn eigentlich die Menschheit von Änfang an gethan, wenn nicht umhergeschweift? Von dem blöden Götzendienste an, der sich vor Blöcken und Thieren, vor selbstgegoffenen Gestalten niederwirft, bis zu jener noch blödem GotteSleugnung, die dem Auge das Sehen und dem Ohre das Hören abstreitet, ist die Menschheit bald dahin, bald dorthin gezogen, und immer verirrte sie sich, bald füllte die Religion, bald die Politik, bald der bloße Erwerb, bald in Wissenschaft des Denkens, bald die der Natur, bald die Mechanik, kurz immer ein Anderes sie an, das, eine Zeitlang als das Höchste erstrebt, dann wieder verlassen, mit Andrem vertauscht ward — die Geschichte der Menschheit ist die Geschichte ihrer Verirrungen! Nun, und mitten in diesem Umherschweifen ist nicht dennoch rtfirr die Erkenntniß gewachsen, wächst sie nicht täglich und bricht sich nicht gerade die Erkenntniß, die Israel trägt, mitten durch alle Gegensätze und deren Zusammenstoß immer mehr Bahn und gewinnt in den Geistern unbewußt immer mehr Raum? Ferner. Wenn ein allgemeiner Leichtsinn, wenn ein allgemeiner Taumel sich verbreitet, wenn Abfall und Leugnung und Zweideutigkeit die Meisten umherschweifen lassen: bringt dies nicht stets gerade die entgegengesetzte Wirkung bei den Anderen, seien es auch Wenige, hervor? stärken, befestigen, ereifern sich nicht gerade diese um so mehr in ihrer Treue und Liebe und Aufopferung? Und erlangten dadurch nicht die Wenigen den Sieg über die Vielen, die Schwachen über die Starken? — Endlich: Nur im Kampfe gedeiht die Erkenntniß; wenn die Gegensätze aufeinanderstoßen, kommt die Wahrheit zu Tage. Während eine allgemeine Ruhe, das gedankenlose Wandeln in den längst ausgetretenen Geleisen eine völlige Erschlaffung des Geistes hervorbringt, eine solche Erschlaffung aber Abfall und Zerstreuung zur leichtesten Folge hat, kräftigt der Kampf, ruft auf, weckt und führt durch alle Verirrungen hindurch zu den rechten Pfaden zurück. Ja, laßt sie nur irre gehen und kämpfen, um desto sichrer kehren sie wieder zurück, und bewahrheiten: nLNN rtnhn, ja, die Erkenntniß wächst!- Und so kommt es gerade in solchen Zeiten zu Tage: nyiin N2->!1 es wächst die Erkenntniß, weil Wenige, aber begeistert, aber energisch, Größeres nur und Höheres vollbringen! — . Aber noch eine bedeutsame Frage bleibet übrig: was ist das die Erkenntniß? Der Engel sagt dem Daniel nicht wiasn der Glaube, nicht pini rft Gesetze und Satzung, selbst nicht rrnntt die Lehre, ja nicht einmal Erkenntniß im Allgemeinen, sondern die Erkenntniß! Achten wir wohl darauf: also nicht der Glaube ist es, der bloße, blinde, unbedingte Glaube, worauf es hier ankömmt, nicht die bloße', blinde Befolgung alten überkommenen Gebrauchs und Festhalten an jedes, wenn auch noch so geistlose Herkommen, aber wiederum auch nicht die bloße Lehre, das Wort ohne That, ohne Leben, ohne Besiegelung durch Werk und Eifer — diese stellt der Engel „dem Umherschweifen" nicht gegenüber, darin verlegt er das Wachsen nicht und zeigt in deren Wachsthum nicht die Verherrlichung des Göttlichen — sondern die Erkenntniß, die der Engel meinet, die Erkenntniß des Einig-Einzigen, und des Rechtes, das er vorschreibt, und der Liebe, die er heischet, und der Heiligung, die er fordert, kann nicht ohne Glauben sein, mit gläubigem, glaubenbereitetem Gemüthe müssen wir ihr ent-