Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 51 (13.12.1852)
- Date
- 1852-12-13
- Page
- Seite 617 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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617 vermag ihn nur eine Sekunde zu halten, aber nachmachen kannst Du ihn, und Reb Ephraim wird damit zufrieden sein, denn auch das Abbild wird wunderbare Kräfte haben...." Noch ein Schlag, und die Erscheinung war verschwunden, und ich — erwachte. Keine Rühe bei Tag und Nacht, bis ich daS grvße Werk vollbracht. Meine letzten Ersparnisse verwandte ich, einen großen neuen goldnen Ring zu erkaufen, und einen schönen Topas, in welchen ich das Wappen jenes Ringes, den ich gesehen, fein säuberlich eingraben wollte. Ich bereitete mich abermals durch Fasten, Mikwe und Psalmen vor, endlich erhob ich den Stichel. Bald prangte daS „Magen David" (zwei verschränkte Dreiecke), bald die beiden aufrrchtstehenden Löwen, bald die Krone mit acht Zacken auf dein TopaS; da begann ich in den Reif um die Krone den vierbuchstabigen Namen Gottes, als bei dem ersten Stiä) mein Topas in tausend Stücke zerbrach. Ich fing das Werk von Neuem mit einem ausgesuchten Opal an, ich gelangte abermals so weit, aber bei dem ersten Buchstaben deS heiligen NamenS zersprang der Stein wie Glas in Splitter; und so erging es mir mit allen Edelsteinen, die ich versuchte, und die ich mit den größten Aufopferungen erwarb. Welche Qualen! Das Bild des Ringes im Geiste, Alles gelingend bis auf den geheimnißvollen Namen, daß ich mich gar nicht mehr an ihn getrauete. Ich war in Verzweiflung.... Ich hatte mich unter all diesen Versuchen schon der Heimath genähert; jetzt wußte ich mir keinen andern Rath, als ich kehrte bettelnd zu dem frommen Juden in jenem Dorfe zurück, der mich so väterlich gepfiegt, um ihm mein Leid zu klagen. Mit'zerrissenen Kleidern, mit blutenden Füßen, und mit zerriffenenr und blutendem Herzen gelangte ich bei ihm an, und berichtete ihm meinen Kummer. „Bleibt hier," sprach er, „vielleicht kann ich Euch rathen." Am andern Morgen sagte er: „Sprecht, habt Ihr denn damals den Ring mir einem Edelstein gesehen, vielleicht war das Wappen in ein Golvplättchen gegraben?" Ha, rief ich aus, und schlug mir vor die Stirn, daß ich daran noch nicht dachte!... Im Hause meines Wohlthäters selbst vollbrachte ich nun mein Werk, unter Fasten und Beten gelang es mir, das Goldplättchen zerstob nicht, eS faßte die Krone und das „Magen David", die Löwen und den heiligen Gottesnamen; ich senkte daS Plättchen in den Ring, eine dreifache Schnur schlang ich durch denselben und um meinen Hals, und so mein Kleinod auf dem Herzen, daS Bild Hannens im Herzen, kehrte ich nach Hause zurück; aber es kostete Eile, schon sank, die Sonne deö letzten TageS des dritten JahreS, als ich das Thor erreichte, schon funkelten die Sterne, als ich die Schwelle des Reb Ephraim überschritt. Dieser hatte getreulich gewartet, und Hanne -auch, .die von dem ganzen Handel Nichts gewußt, und unterdeß noch größer, stärker und schöner geworden. Mein ehemaliger Herr sprang freudig aut, als er mich erblickte. „Bringst Du ihn?" schrie er mir entgegen. Ja, ich bringe ihn! lautete meine Antwort. „Nun, so sei gesegnet Dein Eingang!" Alsbald führte er mich in seine Stube, verriegelte die Thüre, und sprach: „Zeig' ihn mir!" Alsbald holte ich den Ring aus dem Busen heraus, da rief er begeistert: „Ja, das ist er, das Geschenk Gottes, der strahlende „Ring des Königs Salomo", zwar nur im Abbild, aber wer möchte ihn anders, den furchtbaren!" Er beschaute ihn wieder und wieder. „Ja, so sah ich ihn in meiner Jugend," begann er von Neuem, „aber er ward mir schnell entrissen, und mein Mund versiegelt, daß ich ihn nicht beschreiben durfte.... Nun, mein Michel," fügte er endlich hinzu, als er sich Etwas erholt hatte, „gieb ihn mir, und auch ich will mein Versprechen halten." Ich weiß nicht, wie es kam, aber die vielen Erfahrungen, die ich auf meiner Wanderung gemacht, hatten mich doch etwas mißtrauischer zurückkehren lassen; und wie ich es mir schon unterwegs vorgenommen, antwortete ich: „Gern, Reb Ephraim, an meinem Hochzeitstage mit Hanne bekommt Ihr ihn, so wie die Chuppa (Trauung) vorbei ist." Reb Ephraim machte große Augen, ich blieb aber dabei, und so' mußte er einwilligen. Ich übergehe alles Andere, und sage Dir, daß es noch keinen Glücklichern jemals gegeben, als ich am Tage meiner Hochzeit mit meiner geliebten Hanne, die auch nicht daS Geringste -eingewendet hatte. Alles zeigte, oder stellte sich entzückt über daS schöne Paar. Die Chuppa war vorbei, und mein Schwiegervater zog mich und seine Tochter, denn getrennt hätte ich mich von ihr an diesem Tage nicht, in sein Zimmer, schloß zu, und sagte: „Nun, Michel, den Ring!", Ich zog ihn hervor, durchschnitt die Schnur und überreichte ihn ihm, indem ich sprach: „Ich habe mein Gelübde gelöst." Mein Schwiegervater eilte zu seinem Bücherschrank, holte einen alten Folianten hervor, schlug ihn auf, sprach eine, uns unverständliche Segensformel, wandte" den Ring mit der Platte neunmal nach rechts, links, oben und unten, und fuhr noch eine Weile mit seinen Beschwörungen fort. Plötzlich fuhr wie