Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 51 (13.12.1852)
- Date
- 1852-12-13
- Page
- Seite 616 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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616 Den Siegelring des Königs Salomo! sprach noch einmal stark betonend Reb Epraim, sonst niemals meine Tochter-— Aber wie? auf welche Weise? wo?... DaS ist Deine Sache , antwortete der Vater meiner Geliebten mit fast höhnischem. Tone. Geh' in's Reich hinunter, frag' an bei allen Gelehrten und Weisen, Geld soll Dir nicht fehlen, das will ich Dir gern geben, such' die Spur auf, verfolge sie, bring' ihn mir, und zur selbigen Stunde wirst Du der Gatte meiner Tochter... . Ich taumelte hinaus, denn, halt' ich in meiner Jugend, wie alle Petschaftstecher viel vom „Ring des Königs Salomo" gehört, doch niemals, wo er sich befinde, und am Wenigsten wie man ihn erlangen könne. Ich ging träumerisch viele Tage umher, Reb Ephraim ließ mich gewähren — endlich eines Nachts stand ich auf, schnürte, mein Bündel, und mit dem ersten Grauen des Tages war ich vor.dem Thore. An. meinen Herrn ließ ich ein Briefchen zurück, worin ich ihn um drei Jahre Frist bat, kehrte ich dann nicht wieder, so sei Alles zwischen uns aus. Ich will Dich nicht langweilen mit der Erzählung von meinen Wanderungen durch's Reich, die Kreuz und Omer; weniger Mangel und Mühsal, als Hohn und Spott halt' ich zu ertragen, bald zaghafte Hoffnung, bald bittre Täuschung; hier und da hatte man mich bei meinen Nachforschungen nach dem „Ring des Königs Salomo" zu .Narren, hier und da nahm man mir mein sauer erworbenes Geld ab, und spiegelte mir Etwas vor. Ja, über hohe, gewaltige Berge mit ewigen Schnee- und Eisfeldern ging ich nach dem Lande Italien, weil man mich endlich dahin gewiesen an einen weisen Mann in Padua, der wüßte mir Nachricht zu geben; Gott schützte mich vor den größte Gefahren, und das Bild meiner Hanne erleichterte mir die schwersten Mühsale. Aber vergebens, der weise Mann in Padua ließ mich hart an, und verwies mir mein freveles Streben, und da ich nicht abließ ihn fußfällig zu bitten, brachte er mich in ein Irrenhaus, aus dem ich nur mit großer Noth und ohne meinen Bündel entwischte. So waren fast die drei Jahre vorüber, Verzweiflung im Herzen wandte ich meine Schritte der Heimath zu. Da erlag ich in einem Dorfe den Gemüthsbewegungen und Leiden, und fiel auf der Straße nieder. Ein Jude, denn im Dorfe wohnte eine ansehnliche Gemeinde, /hob mich auf, schaffte mich in sein Haus, pflegte und bewachte mich, während ein heftiges Fieber meine Sinne umflort hielt. Als ich wieder in der Genesung, frug mich eines? Tages mein Wirth: Sagt mir 'mal, Michel, waS hat daS für eine Bewandtniß mit dem „Ring des Königs Salomo", von dem Ihr beständig im Fieber geschwatzt habt; es kann doch nicht Alles aus der Luft gegriffen sein, da Ihr immer wieder und wieder darauf zurückkamet.... Ich seufzte schwer auf, und gab ihm darnach vollen und treuen Bericht. Lange schwieg mein Wirth still; endlich hob er an: Ich kann Euch zwar^den Weg zu dem Kleinode nicht zeigen, das Ihr suchet, aber es giebt doch viele Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen die gewöhnlichen Menschen sich Nichts träumen lassen, und so vermag ich Euch wenigstens die Mittel anzugeben, durch welche, wenn irgendwie, Ihr einige Kunde erhalten könnet. Wartet Eure Gesundheit ab, und Ihr sollt mehr erfahren. Wer war ungeduldiger als ich? Endlich erklärte sich mein Wirth geneigt. Ich mußte drei Tage fasten, jeden Tag zweimal in die Mikwe (Bad) gehen, jeden Tag zweimal sämmtliche Psalmen durchbeten, die Nacht wachen und meine Gedanken lediglich auf den „Ring des Königs Salomo" gerichtet halten. Als ich Alles getreulich befolgt, gab er mir am Abend des dritten Tages einen sonderbar schmeckenden Thee zu trinken, und befahl mir, mich dem Schlafe zu überlassen, was meine gänzlich erschlafften Kräfte sehr gern thaten. Kaum war ich entschlafen, als sich wunderbare Gestalten, bald groß, bald klein, bald rund, bald eckig, um mich erboben, um mich, über mir, unter mir tanzten, nach mir stachen und hieben, ohne mich zu treffen, kurz ein langes und wilbeS Spiel mit mir trieben. Aber im Hindergrunde stand Hanne und lächelte mir zu, und da ertrug ich Alles, ohne auch nur zu zucken. Endlich hörte ich einen furchtbaren Schlag das ganze Haus durchzucken, als ob es zusammenstürzte, krachte es, alle Lichter verloschen, es war die dichteste Finsterniß, selbst Hanne und ihr Lächeln waren verschwunden. Noch einmal und noch einmal drünte eS durch die Hütte, und es war mir, als ob das Ende der Welt, gekommen — da fiel eine bläulichte Flamme plötzlich von oben herab, und eine schwefelgelbe Flamme loderte aus dem Boden herauf, und mitten in den beiden Flammen stand ein himmelhoher Riese, und hielt zwischen zwei Fingern einen großen Goldring, rings um diesen Ring hatten die beiden Flammen in einem Kreise sich zurückgezogen, und der.Ring strahlte ein zauberhaft erquickendes, weißes Licht aus, daß daS Auge sich nicht satt sehen konnte. Da hob der Riese mit Donnerstimme an: „Dies, kleiner Michel, ist der „Ring DeS Königs Salomo" — sieh ihn Dir genau an, Du kannst ihn selbst nicht bekommen, denn kein Sterblicher