Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 51 (13.12.1852)
- Date
- 1852-12-13
- Page
- Seite 611 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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611 die entscheidend werden wird. Diese Stimmzettel müssen aber jetzt unterschrieben sein, da eS sonst an Kontrolle fehlen würde. Nach dem Skrutinium fielen von den 374 Stimmzetteln, die am 15. abgegeben wurden, 328 Stimmen auf Herrn Heinrich Sichrovsky, 263 auf Herrn Jos. Biedermann jun. (Es' haben sich insbesondere für diesen Mann so viele Stimmen gefunden, abgesehen von seinen persönlichen Eigenschaften, seiner wahrhaften Biederkeit, Rechtlichkeit und Redlichkeit, wegen der Verdienste seines seligen Vaters, des Herrn M. L. Biedermann, um die Gemeinde. Das Wort unserer Alten gilt nach wie vor in großen so wie in kleinen Verhältnissen ömSK mit ün5>“>oi.) 244 auf Herrn Josef Wertheimer, 163 auf Herrn Moritz Goldschmidt und 129 auf Herrn Leop. v. Wertheimftein. Diese Herren werden aller Wahrscheinlichkeit nach in der jetzigen Wahl auf's-Neue gewählt werden. Unter den Beiräthen finden wir neue Namen. So die Herren Ernst Wertheim und Eman. Edler v. HofmanSthal, die besondere Verdienste als Vorsteher des Handwerkervereins haben. Herr Jon. Königswarter, der außer seiner pekuniären Bedeutung, ttls eines der ersten Bankierhäuser, auch noch als geborner Frankfurter so zu sagen i-Hnp Traditionen hat. Und daS ist eine Eigenschaft, die sehr zu würdigen ist. Noch muß ich Ihnen mittheilen in Betreff der hiesigen polnischen Schule, daß sie vor Allem vom Lazzenhofe, der jetzt umgeba-ut wird, in ein anderes Haus verlegt wurde. ES ist daS ein unendlicher Vortheil, denn da war der Schmutz schon seit lange eingebürgert. Unter den Polen selbst ist aber eine Trennung entstanden, indem sich die Deutschen, die dem polnischen Ritus anhängen, von den Polen, die sich die bekannte Bewilligung vom hohen Ministerium verschafft haben, getrennt und ein eignes Hau6 gekauft haben. Sie bekamen es um einen billigen Preis und eS ist fraglich, ob das HauS umgebaut werden wird, wenn es sonst thunlich ist, darin geräumige Betstuben zu finden. Im Uebrjgen haben sich aber die Herren erklärt, als eine Tochtergemeinde zu gelten und in allen äußeren Fragen unter den Herren Vertretern stehen zu wollen. Prag, Ende November. (Privatmitth.) Die k. k. Kreisregierung hat mit Dekret vom 15. v. M. culf Einschreiten der Präger israelitischen Kultuögemeinderepräsentanz, resp. deS Präses derselben, Herrn E. Web li, bewilligt, daß die israelitische Domestikalkaffeverwaltung, insofern keine Theilung deS DomestikalvermögenS und Trennung der landesjüdischen von der Präger Domestikalkasse stattfindet, mit Ende Oktober 1852 aufgelöst, die Gehalte der mit der Verrechnung dieser Kasse betrauten Beamten von dem erwähnten Zeittermin eingestellt und Letztere angewiesen werden, die Liquidation auf den Schluß mit Ende Oktober 1852 zu legen; ferner, daß die in der Kaffe befindlichen Werthpapiere und Baarschaft bis. zur Entscheidung der definitiven Uebergabe als Depositum der Gemeindekaffe behandelt werden. — Dieser Erlaß hat allgemeine Freude erregt, weil man darin — und nicht mit Unrecht — eine Garantie für das endliche Zustandekommen des Anschlusses erblickt. — Als Religionslehrer an der josephstädter Hauptschule ist Pr. Grün Hut angeftellt worden. Derselbe stand mehrere Jahre an der Spitze der MartinoveS'schen Erziehungsanstalt in Schwartz-Kosteletz, wo er sich als tüchtiger Schulmann bewährte. Korrespondenz. Hoppstätten. Verhältnisse der Israeliten im Furstenthnm Birkenfeld. (Schluß aus No. 45. 47.) Im Allgemeinen ist die soziale Bildung im Steigen und gegen früher offenbar fortgeschritten, so daß gebildete Christen .behaupten, daß seit der Anstellung neuer Rabbinen die Juden sich nicht mehr gleich seien. Nicht minder ist der sittliche Zustand befriedigend. Will man bei Benrtheilung desselben die Zahl der vorkommenden Verbrechen und Vergehungen (zuchtpolizeigerichtliche Sachen) zum Maßstab nehmen, so lieferte dies ein höchst befriedigendes Resultat. Seit das Fürstenthum Birkenfeld unter olbenburgischer Herrschaft steht, ist noch kein Individuum in Zwangarbeitsanstalten verwiesen worden. Auch andere Umstände werfen auf den sittlichen Zustand der hierländischeu Israeliten kein ungünstiges Licht, z. D. Ehescheidungen find unerhörte Seltenheiten und uneheliche