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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-12-13 · Heft 51 (13.12.1852) · p. Seite 610

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 51 (13.12.1852)
Date
1852-12-13
Page
Seite 610 (sequence 4)
Language
German
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610 und Herschel und Humbold gesorgt. Ja, sollte die Kenntniß der Natur in dem allgemeinen Unterricht verkümmert und verdrängt werden, so kann sie bei unS eine Statte sinden, denn uns ist sie vorgeschrieben, wie unser Jehuda Ha-Levi in dem Morgenliede (övj-iöD sPn HSb n^ma) singt: ■pbWD -»iipn vba nVi)n. b« «min Drittens lasset uns — eS bedarf freilich keiner besondern Aufforderung dazu — dabei beharren, recht viel Geld zu erwerben. DaS ist der Götze, vor dem alle unsere Feinde sich überall beugen. Mit dieser Speise werden wir zu jeder Zeit die drei, bekannten Larven unserS Cerberus besänftigen und in ihr Gegentheil verwandeln. Die Larve deS Religionshaffes geht dann in die Larve der Toleranz, die des AutochthonenstolzeS in die der Humanität und die des industriellen Betriebes in die des freundlichen Affoziationswesens über. Warum sollten wir unS scheuen eS einzügestehen? Ist etwa die übrige Welt so jüngferlich schamhaft gegen unS? Je mehr man uns zeigt, daß Geld unser einziger-Werthnenner sein soll, je mehr müssen wir es in unfern Besitz bringen: selbst auf die Gefahr hin, gelegentlich einmal den auSgequetschten Schwamm darzustellen. Viertens. Erwerben wir uns recht viele Wissenschaften und Kenntnisse, aber reelle, erakte, keine nebelhafte. Keine Metaphysik, keine höhere klassische Philologie, keine höhere Mathematik, kurz keine Wissenschaft, die ihr Objekt nur in sich selber sucht. Die lange Periode der eleganten jüdischen Seiltänzerbildung ist größtentheils überstanden, so möge denn auch hier die Schule vom Leben lernen. Und ist uns der erklusiv sich so nennende Staatsdienst (als ob nicht Handel und Industrie Staatsdienst wäre!) in einigen Ländern verschlossen, so erinnern wir uns der alten Erzählung aus den Kinderbüchern. ES kann dermaleinst sehr heilsam für uns sein, daß der Baum, unter dem wir unS lagern, nur Eicheln und keine Kürbisse trägt! — — Endlich bleibt unS die Auswanderung, welche gegen alle Erwartung unter den deutschen Juden — außer wo sie vertrieben werden, wie in Baiern — noch lange nicht so allgemein ist, wie sie eigentlich sein müßte. In allen großen und. alten Gemeinden, wie Frankfurt, Prag, Hamburg, Altona, Breslau, Mainz u. s. w. finden wir im Verhaltniß weit mehr als unter den Christen Familien,, die ihre Ortsansasstgkeit nach Jahrhunderten zählen. Das rührt freilich von den früheren Zuständen her, wo ein Jude nicht auswandern konnte, weil ihn kein anderer Ort aufnahm. Aber jetzt? — Noch lange nicht genug wird unter den wohlhabenden Familien an Börne'S 'Wort gedacht: Gottlob, das Loch ist größer als der ganze Kerker! ES wäre überflüssig, noch die Regel hinzuzufügen, daß wir uns durchaus nicht wieder auf die früheren Wortkämpfe in derselben Weise einlaffen. Cs ist möglich, daß man den Judenhaß hier zu Lande wieder zur Sache der Mode und des Tons macht, aber so viel Geschmack dürfte doch wol noch vorläufig herrschen, daß Angriffe, wie die von Hundt-Radowski, Hartmann, Marquardt, und Vertheidigungen wie die von Robert HaaS u. s. w. bei den auScangirten Dingen modern werden. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 2. Dezember. Dem „Lloyd" wird aus Lemberg berichtet, daß auf mehrfache Anfragen deS galizischen LanbesprästdiumS bezüglich der politischen und bürgerlichen Gleichstellung der Juden vor einiger Zeit ein Ministerialreskript erging, daS die Frage im Allgemeinen als eine noch unentschiedene erkennt, deren definitive Entscheidung aber durch ein bald zu erfolgendes Gesetz erfolgen wird. Der Ankauf von Ruftikalgründen bleibt ihnen ganz ungeschmälert. Von einer verläßlichen Quelle vernimmt dasselbe Blatt, daß den Juden nicht wieder e.in Sonderstellung im Staate angewiesen werden wird, obgleich die völlige Gleichstellung nicht wahrscheinlich ist. Der Staatsdienst dürste ihnen nur insofern benommen werden, als er den Richterstand in sich begreift. Wien, 29. November. (Privatmitth.) Wie' ich eS Ihnen im Vorhinein angezeigt, so traf eS ein. Bei der am 15. d. M. stattgehabten Wahl fanden sich nicht, den Statuten gemäß, drei Viertel — 499 — der Wähler, und eö werden eben jetzt auf's Neue die Wahlzettel herumgeschickt zur nochmaligen Wahl, B

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