Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 51 (13.12.1852)
- Date
- 1852-12-13
- Page
- Seite 609 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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609 Du lächelst?'— Nein, Du bist nicht lodt, Du schwebst, ein leuchtend schönes Morgenroch, An meines Lebens Himmel tröstend hin, Dank' Dir ja Alles, was ich Hab' und bin! Du starbst ja nicht! — Du wechselst nur den Ort. ES lebt in Aller Herzen unvergänglich fort, Wer muchig, liebend stets, wie Du gerungen, Bis leis' die letzte Saite war verklungen. Nur einen Wunsch küff' ich auf Deinen Mund Im heil'gen Schau'r der bitt'ren Trennungsstund', Daß sanft mein Ende, wie daS Deine sei, Wenn einst des Lebens Lust und Leid vorbei. Brilon, den 27. November 1852. —r — Deutschland. Magdeburg, im Dezember. (Privatmitth.) Die israelitische Oberkirchenbehörde des Königreichs Württembergs zeigt uns an, daß sie allen größeren Gemeinden deS Königreichs die Anschaffung unsers Bibelwerks aus Gemeinde- oder Schulmitteln "empfohlen, und sie selbst die Erwerbung desselben für ihre Bibliothek verordnet habe. Wir können derselben für diese Anerkennung nur den tiefgefühltesten Dank sagen! Dr. PH. Hamburg, im November. (Privatmitth.) Die Reaktion zunächst auf religiösem Gebiete wird gegenwärtig in höchster Instanz von den berühmten und geschickten Händen geleitet, die die reichen Erfahrungen der Neuzeit aus das Beste zu benutzen wissen, von den Köpfen, die Nichts vergessen und dabei immerfort zulernen. Vortrefflich wissen sie zu individualisiren: sie geben-Milch dem der nach Milch, Wein dem der nach Wein, Opium dem der nach Opium, und Blut dem der nach Blute dürstet. Der Uebergang von der einen dieser Flüssigkeiten zu der andern muß aber, wie Alles in unsrer raschlebenden Zeit, diesmal kürzer sein als früherhin. Der Orkan geht jedoch in Epizykeln und wer ihn herannahen sieht und . seinen Gang berechnet, der kann sich seinem Bereich, wenn auch mit Aufopferung einiger Seitenornamente, entziehen. Und daö ist die momentane Aufgabe der Juden. Vor Allem gilt es indeß, fest auf den eigenen Beinen stehen! Die strengreligiösen Juden müssen sich an ihren religiösen Schätzen, an der Liebe zu dem ewigen göttlichen Gesetze und zu den lautredenden Symbolen begeistern, und die sreidenkenden an dem Bewußtsein, daß das Judenthum der'Gewissensfreiheit' ein unerschütterliches, unzerstörbares Asyl gewährt, in daS der Arm keiner Klerisei reichen kann, weil daS Judenthum keine Klerisei besitzt. Sodann: weg'mit dem Vergrößerungsglas! Europa ist nicht die Welt, Deutschland ist nicht Europa, Hessen, oder Baiern, oder Preußen ist nicht Deutschland, daS heutige Preußen ist nicht das morgige, ebenso wenig als eS das gestrige ist. Ferner: wenn uns die höchsten Staffeln der politischen Leiter versagt sind, so vergessen wir nicht, daß wir auch auf den allerniedrigsten Stufen fehlen. Kein Jude ist Hofbaumeister, aber auch unter den Maurerbandlangern ist kein Jude. Unter den deutschen Regierungschefs kein Jude, aber auch keiner unter den Kommunistenhäuptlingen. Kein Jude Professor und Mitglied der Akademie, aber auch fast kein Jude, der nicht* lesen und schreiben kann, keiner, der seine Kinder dem Schulunterricht absichtlich entzieht. Und nun: was sollen wir thun? Zuerst: Zutrauen zu uns selber haben. Nicht zu unserer kurzdarmigen Schacherklugheit, die uns bei den meisten großartigen und langwierigen Aufgaben — selbst der Industrie —v im Stich laßt; sondern zu dem richtigen Instinkte, zu dem gesunoen Menschenverstände, deren Quelle in unseren gradlinigen Grunvanschauungen.liegt. Dieser Instinkt hat uns unter Anderm in dem Sturm der letzten Jahre sehr wohl erkennen lassen, auf welcher Seite wir unsere Feinde zu suchen haben, und die Zeit hat uns glänzend gerechtfertigt, und doch: wie wenig Anhalt haben wir ihnen gegeben anders als mit verbissener tollgeberdiger Wuth, etwa wegen unsers „Jnwendigräsonnirens" gegen uns. auszutreten. Schlagen ist nicht beweisen^ können wir ihnen mit jenem Griechen fortwährend zurufen. Zweitens: vorläufig allen religiösen Kampf in unserer Mitte vertagen, mit Ausnahme der Vorsorge gegen das Aufkommen irgend welcher jüdisch-klerikalisch er Macht. Gott sei Dank! in Deutschland wird fast noch kein jüdischer Geistlicher direkt vom Staate besoldet und dabei wird es noch-lange bleiben. Die Kultur wird aber auch bei uns ihren unaufhaltsamen Gang gehen, dafür haben.Guttenberg und Newton