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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-12-13 · Heft 51 (13.12.1852) · p. Seite 608

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 51 (13.12.1852)
Date
1852-12-13
Page
Seite 608 (sequence 2)
Language
German
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608 Ihnen untenstehend zur Ausnahme ein Gedicht aus dem „Sauerländischen Anzeiger" und aus demselben Blatte die Leichenfeier mit. Ich füge nur noch hinzu , daß der Verstorbene seine Todtenkleider fertig hatte, theilS um sie an Arme zu verschenken, theils um, im Falle er am Freitag sterben sollte, keine Unbequemlichkeiten zu machen. Und wirklich ist er am Freitag an einem Nervenschlage gestorben. Vor einigen Jahren schon hatte er seinem einzigen Sohne letztwillig hinterlassen, alle Trauergebräuche zu unterlassen und Alles so zu halten, wie er eS theils in der Geigerschen Zeitschrift, theils in einer besonder« Broschüre niedergelegt habe. So besiegelt er in einer Lebensgefahr mit Konsequenz seine Grundsätze. — Wie uns mitgetheilt wird, hatte die Stadt vor, seinen hundertjährigen Geburtstag, der im kommenden März gefeiert worden wäre, festlich zu begehen, und Beamte hatten sich schon vereinigt, ihm einen Orden zu überreichen. — Auch seine Grabschrift hat er sich selbst verfertigt. — Doch wozu noch MehrereS; ich denke an die Worte, die der 0r. jur. Alexander Friedlänver am Grabe sprach: „Ein bewegtes Leben, daS zur Zeit des siebenjährigen Kriegs begonnen und heute erst geschlossen, laßt sich nicht in den engen Rahmen weniger Worte fassen!" Eine Broschüre mit Porträt und Faksimile, welche die Familie ediren wird, wird diese Größe vollständig schildern. Die Hiesige Gemeinde will zu seinem Andenken eine „Josephstiftung" gründen und nach vier Wochen in der Synagoge eine Gedächtnißseier veranstalten. „Brilon, 29. November. Heute fand die Beerdigung des sel. Herrn Landrabbiners Joseph Abraham Friedländer statt. Wenn schon drei Tage vorher sich Leute jedes Standes und jeder Konfession zu dem Sterbehause in großer Anzahl begaben, um den Greis noch einmal zu sehen, so zeigte sich diese Theilnahme in noch erhöhetem Maße bei der Bestattung. Mädchen mit Blumenkörbchen eröffnten den, Zug, ihnen folgte, getragen von-Schülern mit bereits grauem Haupte und von jüngeren Zöglingen des Heimgegangenen, der Sarg, auf welchen die Hand treuer Schülerinnen einen Jmmörtellenkranz gelegt, der die Amtsinstgnien umschloß. Es folgten der leidtragende Sohn, die Enkel und Urenkel des Verstorbenen, die Schuljugend, israelitische Gemeinde und eine, große Menschenmaffe aus Stadt und Umgegend, jeglicher Konfession, jeglichen Standes und Alters, der Herr Landrath, .Bürgermeister und die übrigen Behörden der Stadt.. Der Zug führte an der geöffneten Synagoge vorbei durch den Döselsberg, dessen Tannen von den durchbrechenden Sonnenstrahlen in dem Moment vergoldet wurden, als jener dort eintraf; eS war als wollte dem von ^Allen geehrten und geliebten Menschenfreunde auch die leblose Natur ihren Gruß entgegensenden! Am Grabe trug der hiesige Lehrer und.Kantor, Herr Weinstein, gedrängt und ergreifend die Biographie des Verstorbenen und ein deutsches und hebräisches Gebet vor; der ällestr Enkel des Verstorbenen widmete seinem Andenken einige Worte, und die jungen Mädchen bestreueten daS frische Grab mit Blumen. Eine kurze Andacht in der Synagoge schloß die Feier. — Eine demnächst erscheinende Broschüre wird es zur Genüge zeigen, daß hier ein vielbewegtes Leben geendet." Am Sarge des hochwm-digen Herrn La»,drabbiners Joseph Abraham Friedlander. „Moscs starb, von Gott geküßt." Talmudische Legende. Er-ist nicht todt, er schlummert blos — er lebt! Wie noch von Gottes Kuß die bleiche Lippe bebt! Wie auf dem Antlitz engelgleich und mild Sich.spiegelt ab der sanften Demuth Bild! Den treuen Priester hat der Herr geküßt, Den Patriarch der Väter Gott gegrüßt. Ein Gruß — ein Kuß — so schwebte er von dannen, Ein einz'ger Hauch — die Leiden all' zerrannen! O stille! — nur den Frieden nicht gestört, Daß heut' mein Herz nur keine Klage hört, O weckt ihn nicht kn seinem engen Schrein, Kein Laut bei dieser Kerzen Dämmerschein! Kein Laut,! Nur träumen will ich, träumen, Wo aus vergangener Tage Kelche schäumen, Erinn'rungsperlen, silbern wie das'Haar, Das mir entgegenglänzet.zaub'risch wunderbar! Wo an den hundertjähr'gen Lehrer ranken Wie Epheu sich wehmüthige Gedanken, Wo meines Strebens Lust und höchsten Stolz Umschließen ach,! vier Stäbe nur von Hol;!.

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