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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-12-06 · Heft 50 (6.12.1852) · p. Seite 604

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 50 (6.12.1852)
Date
1852-12-06
Page
Seite 604 (sequence 12)
Language
German
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604 welche sie aber sehr verpfuschen, und bei den Aschkenäzim die deutsche Sprache, freilich jenes widerliche Judendeutsch. Aeußerst merkwürdig ist es, daß die Juden, selbst in Jerusalem, an ihren früheren, wenn auch verdorbenen fränkischen Nationalsprachen, .. wie die Sephardim an dem Spanischen, und die Aschkenäzim, nämlich die Juden aus Rußlands Polen und Deutschland, an dem Deutschen hangen. Es hat mich, trotz der Verdorbenheit der Sprache, ungemein angesprochen, wenn ich aus dem Munde eines hier gebornen ^Kindes das Deutsch vernahm. Die Juden, wahrscheinlich über tausend , gebrauchen ihr Deutsch als die tägliche Umgangssprache., Gewöhnlich sprechen die Juden, wenigstens die Männer, daS Hebräische nicht einmal in Anschlag gebracht, zwei, wo nicht mehr Sprachen, die Sephardim spanisch und arabisch, die AschkenLzim deutsch und arabisch; aber überall behaupten sie das Recht, Verderbniß oder Mischung in die Sprachen zu bringen, und so trifft man selten einen Juden, der ein gutes, reines Arabisch spricht, wenn ihm diese Sprache auch ganz geläufig ist. Die zwei genannten fränkischen Sprachen wurzeln so stark im jüdischen Volke, daß auch in beiden gepredigt wird. Um dem Abendländer ein Bild von der jüdisch-deutschen Sprache in Jerusalem zu geben, will ich hier fragmentweise einen deutschen jerusalemer Juden redend einführen. Geht man mit einem Solchen nach; Bethanien, so findet er die „Boumer schon" (Baume schön); steigen wir den Wady el-Chot hinab, zeigt er bald den „Quall" (Quell). Im Heraufgehen treffen wir, wenn wir durch das Säulenthor wollen, vielleicht einen Jäger, daS ist einer, der „fangt mit Voglen" (mit Schießen Vögel fängt). Siehe da, auf der Gaffe spricht uns eine russtsche Jüdin an: „Gnädiger Herr, ich Hab guten Wen (Wein), gar wohlfelen und guten". Ich gehe durch eine „langen Gassen" und einen dunkeln Gang, der halb „verschotten" (verschüttet) ist. Die Thüre öffnet stch in einen kleinen Hof mit einer armseligen Zisterne; zwei Würfel, einander diagonal gegenüber, sind die Paläste zweier Familien. Der Keller mit Wein, welchen die Frau „verköust", liegt dazwischen Ln einem knappen Raum, gut genug für einen Traum. Der edle Saft der Rebe wird aus einem Kruge oder Topfe geleert. Giebt es keine Fässer, die „rundig" find, wie eine „Russen"? Nicht. Nun verlangt die Weinhändlerin die Bezahlung in „Thaolem" (Piastern), und sie ' steckt daS Geld, mit beiden Augen auf daS Genaueste gemessen, und zur Probe auf den Boden geworfen, ob es einen Hellen Klang habe, zu stch, und verwahrt es gut, damit kein „Stöhler" (Dieb) eS erhasche. So weit die Probe, die^ noch zu verdauen ist; wenn ich aber zwei Frauen zusammen sprechen hörte, so verstand ich wunderselten ein'Wort; denn nicht bloS die Beimischung fremdartiger Wörter, die Verschiebung der Selbstlaute, die Mißhandlung der Endsilben verunstalten daS Judendeutsch, sondern auch der Akzent (Melodie) und das rasche Uebersprudeln. (Fortsetzung folgt.) Kleine Berichte ans den Gemeinden. BockenheLw, 22, November. Die hiesige, an 90 Familien zählende Synagogengemeinde besitzt zur Abhaltung veS Gottesdienstes eines jener engen, ungesunden, im Aenßern wie im Innern aller Aesthelik hohnsprechenden Lokale, wie Solche uns von Snseren Urgroßvätern als trauriges Erbe in so vielen Gemeinden hinterlaffen wurden. Ein bei Hellem Tage dunkler Eingang führt zu einer faulholzigen Stiege, die erklommen werden muß, um in das Heiligthum zu gelangen, welches kaum für die Hälfte der Gemeinde den nöthigen Raum bietet. Längst fühlte die Gemeinde das Bedürfniß nach einem räumlichen, würdigen Bethause, und sehr war es ihr zum Bewußtsein gekommen, daß daS eigene Haus beschäme das Haus deS Einig-Einzigen. Leider aber gestattete die Mittellosigkeit der Gemeinde nicht, dieses Bedürfniß, sei es auch nur durch eine Erweiterung der bestehenden Synagoge, zu. befriedigen, in der, je heher der Festtag, desto zahlreicher der Besuch, der Anblick einer wie Schaafe im Pferch zusammengedrängten, fast erstickenden Gemeinde der Gläubigen, in seiner Andacht gestört, tief betrübte. — Da fügte es der Allgütige, daß im September d. I. Herr B. Le ja auS Stockholm in hiesige Stadt kam, seine Verwandten zu besuchen. Bei dieser Gelegenheit ließ Herr Leja sich unsere Synagoge zeigen, deren Anblick den edeln Mann der Art entrüstete, daß derselbe allsogleich zum Vorstand sich verfügte, welchem er eine Summe von 500 fl. als Fonds zu einer neuen Synagoge einhändigte. Doch damit war der edle Mann noch nicht zufrieden; er begab sich noch selbigen Tages zu dem Baron A, v. Roth-

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