Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 50 (6.12.1852)
- Date
- 1852-12-06
- Page
- Seite 602 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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letzten Tagen arbeitete derselbe unermüdlich im Felde -er Hebräischen und deutschen Wissenschaften. , Im vorigen Jahre reiste der selige Jalles nach London, um dort und während seiner Durchreise in Deutschland mit den dortigen gelehrten Männern unter seinen Glaubensgenossen Bekanntschaft zu machen. Er besuchte in London den Herrn Moses Montefiore, der ihn auch einige Mal zu Tische lud, und unterredete sich mit ihm auch viel in Angelegenheiten der russischen Juden. Nach, seiner Rückkehr in Rußland erkrankte Herr I. zu Hause in M. an einem Nervenfieber, und schon in seinem 38sten Lebensjahre gefiel es dem Allerhöchsten in seinem unerforschlichen Willen ihn, wie auch kurz nachher seinen unzertrennlichen Freund, Herrn Jeschurun, in einem Alter von circa 50 Jahren, von der irdischen Laufbahn zu sich zu rufen. *) Dm»m i-nea Nb N. Palästina. Jerusalem. Das ununterbrochene Interesse am heiligen Lande bewährt sich in der immerfort sich mehrenden Literatur, theils beschreibender Art, theils antiquarischer Forschung. Kaum daß das treffliche Werk von R. Joseph Schwarz in der guten deutschen Bearbeitung des Di’. Israel Schwarz mit mannigfacher Bereicherung erschienen ist, als sich schon wieder einige Monographien von bedeutsamstem Werthe angeschloffen haben. Dieselben sind vom praktischen Arzte in Horn am Bodensee, Dr. TituS Tobler, der mehrere Jahre im heiligen Lande, namentlich in Jerusalem zugebracht hat, und mit der eigenen Anschauung daS außerordentlichste Studium aller älteren und jüngeren Schriften über jene verbindet. Vor einem Monat erschien von ihm eine Monographie *) Als die Trauerbotschaft durch die Stadt ging, wurden alle Läden geschloffen. Eine große Menge versammelte sich auf dem Schulhofe', während man die Bahre in den großen Beß-Hamedrosch gegen den 'n zum Zeichen. daß der Verblichene hier die Lehre Gottes fleißig stlidirte, auf eine Welle hinsteUle; und eine unübersehbare Masse von Männern, Frauen und Kindern begleiteten die Leiche bis auf den Gottesacker, wo viele Trauerreden von verschiedenen Männern gehalten wurden, nnb die Beerdigung fand neben dem Grabe seines verewigten Freundes statt. Möge ihre Asche in Frieden ruhen! Korrefp. „die Siloahguelle uud der Oelberg" (326 S.), und jetzt: „Denkblätter aus Jerusalem" mit Ansichten und einer Karte (759 S.). Beide Schriften liegen uns vor, und indem wir zu Ersteren zurückzukommen uns Vorbehalten, bemerken wir, daß derselbe früher zwei Monographieen über Bethlehem und Golgatha veröffentlichte, und nun noch zwei Bücher Topographie von Jerusalem und seiner Umgebung, und endlich einen Beitrag zur medizinischen Topographie der h. Stadt ediren werde. Wir haben es heute mit den „Denkblättern aus Jerusalem" zu thun, in welchen die ausführlichsten Mittheilungen über die Stadt und ihre Bewohner gegeben sind. In jüngster Zeit haben unsere Glaubensgenossen in Jerusalem wieder die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Ein Ankömmling von dort hat in England viel Lärmen verursacht, das schwerlich weitere Folgen haben wird. Ein deutscher Gelehrter hat sich ebenfalls der Sache bemächtigt (s. den Art. Hamburg in No. 47 d. Ztg.) Um so näher liegt es uns, aus dem Werke des Dr. Tobler, der sich nirgends als judenfeindlich erweist, genauere Nachrichten über die Juden in Jerusalem zusammenzuftellen, so wie diese durch das weitläufige aber überall interessante und wichtige Werk zerstreut sind. Die Stadt wird nach den Konfessionen und Nationen in vier Viertel oder Höret eingetheilt, nämlich das armenische und das Christenviertel auf der Westhälfte, das Juden- (Hüretel-Jehud) und Mohammedanerviertel auf der Ofthälfte der Stadt. Jndeß wohnen Juden auch im ersten und letzten, aber nicht im Christenviertel, so wie im Judenviertel einige wenige Mohammedaner wohnen. Das Judenviertel nimmt den Mitteltheil im Süden der Stadt, etwa den 12ten Theil derselben ein. Im Ganzen ist die Lage desselben nicht unfreundlich. Die Juden, wenn auch der Talar etwas Gewöhnliches ist, tragen eine ziemlich verschiedene Kleidung, z. B. die polnischen eine Pelzmütze, die deutschen einen Hut u. dgl. Der Tarbusch *) der Sephardim ist von Tuch gemacht und blau oder,schwarz. Der Turban ist ein weißes Tuch mit blauen Blumenstreifen und vorn wird ein griechisches Delta (^) mit etwas ausgeschweiften Seitenlinien gebildet. Der Rabbi hat darüber noch eine Binde von verschiedener *) d. i. die wollene Mütze mit einer Troddel.