Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 50 (6.12.1852)
- Date
- 1852-12-06
- Page
- Seite 601 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- Minsk 1× ep/1000754
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601 Rubel Silber zur Bebauung und dergleichen Dingen von der Karobka geliefert werden; e) von je 30 Familien Ackersleuten soll nach Wunsch jedem Vater ein Zögling nach den im Reiche eristirenden Landschulen zum Studiren dahin geschickt werden, für dessen Unkosten 175 Rub. S. jährlich von der Karobka bezahlt werden sollen; d) um den Gang dieser Angelegenheiten zu beschleunigen, wird in jeder Gouvernementsstadt der Westprovinzen ein Komitö von christlichen Beamten, unter Vorsitz des Zivilgouverneurs, eingerichtet werden, und jede Ausschreibung von der Gemeinde, wie auch jede Angabe derer, die zum Ackerbau sich zu begeben wünschen, soll binnen 6 Wochen Beschluß haben; e) von jeder Gemeinde kann Jeder frei auf's Land sich begeben, wenn er 1) kein Schuldner dort ist, und 2) wenn er nicht unter Jemandes Gerichtsbarkeit stehet. Außerdem sollen keine Hindernisse für den, der zum Ackerbau übergeht, stattfinden." *) Mit diesem Bericht scheint also, die Frage um Toleranz etwas erörtert, aber wie spricht laut genug folgender UkaS selbst für den, der nur hören will, der wie eine Sturmglocke den russischen ohnmächtigen Juden aus seinem tausendjährigen lethargischen Schlafe erweckt. „Fortan sollen die Hebräer nicht wie die übrigen Unterthanen des Reichs 7, sondern zehn Rekruten vom Tausend während jeder im Reiche publizirten Rekrutirung geben"!! und so stehen jetzt hier die Juden trostlos verwirrt, wie auf stürmischer See, wo kein Strahl der Hoffnung erglänzt. Wie bereits im Jahre 1848 in diesen Blättern gemeldet worden, ist erst in diesem Jahre die Rabbinerkommisston in Petersburg zusammenberufen worden, nämlich 4 orthodoxe Rabbiner von verschiedenen Oertern unter Vorsitz eines gewissen Dr. Cherolson, gebürtig aus Litthauen, der vormals in einer wilnaer Klause den Talmud studirte, und soll dieser Herr jetzt in P. seine alte verrostete Frömmelei in den Händen der Rabbinen poliren lassen. *) Auch der Artikel des „Lloyd" unter Rubrik „Rußland^ in No. 19 der A. Z. d. I. ist falsch und unrichtig. „Es ist aber erstaunlich," entgegnen wir dem Verfasser des erwähnten Artikels mit seiner eignen Sprache, „wie reich die Leute an Erfindungen und Kniffen find, welche von dieser Maßregel betroffen als Judenfresser aufzutreten und sich selbst dadurch nur zur fünften oder niedrigsten Klasse stempeln lassen. Korresp. In der Rabbinerschule zu Wilna, für welche jede jüdische Gemeinde mit der schweren Abgabe der Lichtfteuer belastet ist, wird zwar studirt, aber noch ist nichts Erfreuliches von dort zum Wöhle der Juden geliefert worden. Die große jüdische Gemeinde zu Minsk hat vor Kurzem durch daS Ableben des überall in Litthauen gerühmten und geachteten Herrn I. M. Jeschurun, der auch in den ausländischen jüdischen Annalen oft genannt wurde, eine sehr merkliche Lücke erhalten. Außer seiner starken Gelehrsamkeit im Talmud wie auch in vielen jüdi/chen philosophischen Werken, war er in der hebräischen und deutschen Sprache sehr gelehrt. Um den elenden Juden seiner Gemeinde Hilfe zu leisten, sorgte derselbe immer neue Hilfsquellen aufzusuchen, die Jeder anerkannte, und er war auch der Gründer, der Chebra „Cheren Dalim", tpelche zu Gunsten der armen Glaubensgenossen schon viele Jahre in der minskischen jüdischen Gemeinde eristirt. Man kann es ihm zum Ruhme nachsagen, daß er mit Ruhe und Besonnenheit bei dem jetzigen religiösen und Gemeindewirren sein eifriges Bemühen dahin richtete, jede aufkeimende Spaltung durch seinen gründlichen und klugen Rath auszugleichen. Wo eö nur galt, seinen Mitmenschen Gutes zu thun, da war er der Erste, und wol Mancher weint ihm eine stille Thräne der Dankbarkeit nach. Noch einige Wochen bevor der selige I. zu einem höhern Leben entschlief, berührte ihn sehr schmerzlich der Verlust seines ihm verbündeten Freundes Z. I. Jalles, der in der Blüte seiner Jahre erfolgt war. Gebürtig aus Lemberg, besetzte sich dieser gebildete Mann durch Veranlassung deS seligen I. noch in seiner Jugend zu Minsk, wo er eines reichen jüdischen Kaufmanns Tochter heiräthete, der ihm auch einige tausend Rubel als Mitgift für feine ausgezeichneten Kenntnisse im Talmud, in der hebräischen Literatur*), Mathematik u. dgl. gab, und bis zu den *) Er war auch Mitarbeiter der ersten zwei Jahrgänge des „Zion"; daS erhabene Gedicht Win p*D, wie auch verschiedene Artikel und Briefe an den Herrn S. D. Luzato unter Rubrik find von ihm noch in seiner Jugend geschrieben worden, und wie man sagt, werden in Kurzem viele erhabene Werke aus den Handschriftei, des seligen JalleS als Produkte seiner Feder im Drucke erscheinen. Korresp. . 50*