Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 50 (6.12.1852)
- Date
- 1852-12-06
- Page
- Seite 598 (sequence 6)
- Language
- German
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598 25. Oktober 1852. In Absein deS k. k. pesth-ofener Distrikts - ObergespanS der k. k. Statthaltereirath Friedrich. Die Sperrung des Tempels der Reformgenoffenschaft ist nunmehr vollendete Thatsache geworden. Nichtsdestoweniger sollen die Reformer die Hoffnung auf abermalige Eröffnung deffelben noch nicht aufgegeben haben, und im Begriffe stehen, in einem Immediatgesuche an Se. Maj. den Kaiser um die Konzession ihres Fortbestandes zu petitioniren. Sie erblicken einen für die Genossenschaft günstigen Umstand darin, daß in dem Ministerialerlasse die angeordnete Auflösung derselben nicht auf inneren, doktrinellen Gründen, sondern auf äußeren, administrativen Rücksichten begründet erscheint. Nach dem Wortlaute des Erlasses scheint eS nämlich nicht bezweifelt werden zu können, daß daS Kultusministerium die Einführung der Reformliturgie dort nicht beanstanden würde, wo die Gesammtheit einer Kultuögemeinde sich dazu entschlösse, oder die Muttergemeinde gegen den reformirenden Theil keinen Widerspruch erhöbe. Da nun der Ministerialerlass die Reform deS Synagogenkultus nicht unbedingt verbietet, — wie dies zum Beispiel einst in Preußen durch das Dekret vom 3. März 1829 geschah,— so ist eS erklärlich, daß die Reformgenossen noch den letzten Versuch machen wollen, ihr Institut aus dem Schiffbruche der Zeit zu retten. Im allgemeinen Interesse der ungarischen Judenschaft ist eS indeß sehr wünschenswerth, daß die Reformgenossenschaft ihre separatistische Tendenz aufgebe, und dafür in Pesth eine gemäßigte Reform fördern helfe, von welcher allein zu erwarten steht, daß sie auch in den Landgemeinden allmälig Eingang finden werde. Die Reformgenoffen mögen darin eine Beruhigung finden, daß ihr vierjähriger Bestand nicht ohne Nachwirkung geblieben sei. Denn ihr Verdienst ist eS vorzüglich, daß in dem stationär gewordenen „Chortempel" ein neues Leben erwachte, und Orgel und deutscher Gesang eingeführt wurden, Neuerungen, denen sich Mannheimer in Wien noch immer widersetzt. Auch daS ist ihr Verdienst, daß die Chorschule den Orthodoxen nicht mehr so verwerflich erscheint, seitdem sie in dem Tempel der Reformgenoffen „etwas Schlimmeres" erkannt haben. In der That ist bei der pesther Gemeinde bereits der Beschluß gefaßt worden, eine großartige Synagoge zu bauen, und dieselbe als Ehortempel einzurichten. Ein Beschluß, der noch vor wenigen Jahren den heftigsten Widerspruch gefunden. Unsere hiesigen Frommen sind auch über diesen Beschluß sehr ungehalten. Ihnen wäre eS viel erwünschter gewesen, die Regierung hätte der Reformgenossenschaft ihren Fortbestand gestattet, dafür aber die Chorschulen im ganzen Lande verboten! Die Genossenschaft hatte nur lokalen Einfluß, aber die Einführung des Chorgesanges und der Predigt könnte am Ende allgemein werden! —Vorläufig hat eS freilich damit noch keine Noth. Große und alte Gemeinden besetzen noch immer ihre Rabbinate mit Rabbinen von rein pilpulistischem Schrot und Korn. In Unghvär erbte der Sohn daS Rabbinat vom Vater, nach der Vorschrift deS Schulchan-Aruch, und die aufgeklärte Partei in Ujhely ist zufrieden, daß — ihr gegenwärtiger Rabbine gewichste Stiefeln und einen tuchenen Rock trägt. Preußen. Berlin, 28. November. (Privatmitth.) Es ist jetzt hinlänglich bekannt, daß die Revisionsvorschläge jenerMinisterialkommission, welche Stahl präsidirte, beim Staatsministerium keinen Anklang 'gefunden, und daß dasselbe, außer was die Zusammensetzung der ersten Kammer betrifft, keine Revisionsanträge vor die Kammern bringen wird. Wir glauben daher auch, daß hinsichtlich der Artikel 4 und 12 der Verfassung, also auch hinsichtlich der Stellung der Juden, in dieser Session Nichts Vorkommen wer.de. Deutschland. Aus Baieru, Ende November. (Privatmitth.) In Baireuth werden in den nachfolgenden drei Sabbaten die Herren DD. Guggenheimer und Schwarz, Söhne der Rabbinen von Kriegshaber und Hürben, und Herr Dr. Werner, Substitut in Adelsdors, Probepredigten halten. Letzterer war auch Bewerber um Kissingen, blieb aber mit 147 Stimmen in der Minorität gegen Herrn De. Lippmann, für welchen die „Frauen" ihre vielvermögende, mittelreiche Thätigkeit einsetzten. Die Wahl wird übrigens bedeutend angestritten. Gott gebe nur, daß wir nicht eine zweite Auflage der welbhäuser Rabbinatöwahl — bestechlichen Andenkens — erleben.^ Dr. Lippmann, dermalen im Auslände lebend, und, irren wir nicht, Her-