Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 49 (29.11.1852)
- Date
- 1852-11-29
- Page
- Seite 587 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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S87 Senate vorgelegt und sogleich einstimmig angenommen. Sie sehen, wie die Randglosse der lieben A. A. Zeitung, die sie neulichst machte, nicht treffend war, denn trotz dem, „daß die Juden Geld haben und die Pforte dessen nicht hat," so. hat sich doch der Sultan gewiß nicht vom Eigennutze leiten lassen, als er diese Sache, der Humanität in Anregung brachte. L. F... Rußland. Warschau, 5. November. (Pos. Z.) Die Zukunft gestaltet sich für die Juden im Königreich nicht gerade sehr erfreulich; denn außer den in neuester Zeit erlittenen, vielfachen Beschränkungen soll auch ein neues Rekrutirungssystem in Betreff der jüdischen Kantonisten eingeführt werden, dessen HauptpaffuS der ist, daß für jeden Militärpflichtigen, der sich dem Dienste durch die Flucht zu entziehen gewußt, der nächstfolgende oder sogar unter Umständen vorhergehende Sohn derselben Familie eingestellt, und das gegenwärtige und dereinstige Vermögen des Entwichenen konfiSzirt werden soll. Für die zur Einstellung untauglichen Individuen soll eine nach einem Verhältniß der Steuern geregelte Summe in Zukunft gezahlt werden. Bemerkungen. Wongrowitz, 12. Oktober. Meinem Dafürhalten hieß das Wort Scholent eigentlich „Schulend" und wurde mit der Länge der Zeit in Scholent oder Scholend verstümmelt. Und zwar aus dem Grunde.. Nach dem Schulchan Aruch ■ja'ö 286 darf am Sabbat vor dem Musaphgebet kein eigentliches Mahl gehalten werden; ferner r-nir'v tnpöa ivinp ‘pK rc. jc. Mit dem Ende des Musaphgebetes begann bei' der Zuhausekunft das eigentliche Mahl, und man nannte solches daher: Schulend. M. L. Koppenhagen, Lehrer. Czernrgewo, 15. November. In einem Städtchen am W.-Fluß kam bei Gelegenheit einer Wahl die Frage vor: Warum die Juden für ihre Synagogen doch lieber den Ausdruck Schule gebrauchen? Darüber angefragt.,und Um Auskunft zu geben ersucht ,: gab ich Rächstehendes zur Antwort: .... DaS Wort „Schule" stammt aus dem Griechischen und bedeutet ursprünglich so viel als Muße, Feier von körperlicher. Arbeit, und die freisinnigen Athener chatten ein Gesetz, welches dem die Todesstrafe zuerkannte, der durch frechen, unberufenen Eintritt eine. Schule störte oder entweihetei *) Wir Juden haben daher den Nämett Schule auf unsere Synagogen übertragen, um beim EiMtitt in dieselbe eingedenk zu sein , daß wir geistiger Natur, find und somit daS alltägliche Treiben der Außenwelt vor der Schulthüre zurückzulassen und in Andacht und gottinniger Sabbatruhe-in derselben zu verweilen. Jadesohn, Rabbiner. : Literarische Nachrichten. Mngdeb»urg, im November, kross israelitiche di Lelio della Torre da Cuneo, Rabbino, Professore nell’ Istituto convitto Rabbinido e Socio corrispondente dell’ I. R. Academia di scienze, leltere ed arii di Padova. Vol. I.. Venezia, 1852. Auch unter dem hefondern Titel: Orazioni per ordinazwni . rabbiniche di Lelio della Torre etc. — Der ehrenwerthe Verfasser wollte eine periodische Sammlung von Abhandlungen, Versuchen, Reden und Aufsätzen, welche die israelitische Literatur betreffen, veranstalten. Aber verschiedene Ursachen ließen ihn diesen Plan aufgcben, und will er dafür mehrfache Publikationen unter dem gemeinsamen Titel Prose israeliiiche herausgeben. Er beginnt mit einer Reihe von Reden, welche er bei der Ordination der Zöglinge des Rabbinerinstituts zu Rabbinen gehalten. UnserS Wissens sind diese Reden die ersten dieser Art, und verdienen daher um so mehr die Beachtung,: Welche sie auch durch ihren Werth, durch ihre warme Auffassung deS Rabbiner* amteS und seiner Pflichten, durch die Klarheit der Gedanken über den israelitischen Beruf im Allgemeinen, so wie über den Lehrerberuf in Israel, durch die reine, fließende, harmonische und elegante Sprache beanspruchen können. Stellen wir den Inhalt dieser Reden her. I. Gesetz, Gottesdienst, Wohlthätigkeit, die Pflichten deS Dieners der Religion ('-di by), vom 8. Marz^ » *) S. Pädagogik der Volksschule in Aphorismen von L. Kellner. Essen, 1851.