Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 49 (29.11.1852)
- Date
- 1852-11-29
- Page
- Seite 582 (sequence 2)
- Language
- German
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nett heraus zu abstrahiren suchten, vergaßen deS Stoffes, und, wollten die ganze, unendliche Natur auf die Leisten einiger philosophischen Thesen und Formen schlagen. Um so sehr ist Ms Arik, diese getrennten W?ge zu verlassen/ und auf dem Piave der wahren und unbefangnen Anschauung zu einer höher« Ueberzeugung zu gelangen. Folgen Sie mir, g. H., hierin, so weit ich Sie zu führen vermag, und betrachten wir daher' heute zunächst: w > e der allgemeine Geist sich in der ganzenNatur maniiestirt; es liegt darin zugleich die Beantwortung' der Frage: ob in derselben sich ein solcher allgemeiner Geist manttestirt, ob er in ihr vorhanden ist? — Jedermann weiß, m. H., daß der Stoff für uns in unendlicher Fülle vorhanden ist. Mögen seine Grenzen für eine höhere Erkenmniß wahrnehmbar sein, für unS ist der Stoff unendlich, und keine denkbare Zahlenmässe vermag nur annähernd genügende Maße darzubieten.. Jndeß versuchen wir, unS von Vieser unendlichen Stoffmasse wenigstens einige anschauliche Bilder zu entwerfen, damit der bloße Begriff Leben und Gestalt für uns erhalte, und beginnen wir mit unserm Erdkörper. Sie wissen, daß wir an demselben den Stoff in drei» fächern Zustande gewahren, gas- oder luftförmig, tropfbar flüssig und fest. Ich hebe heute, um mich nicht zu verlieren, blos den zweiten, das Wasser, hervor. Es ist bekannt, daß von der Oberfläche der Erde fast 3/4 mit Wasser bedeckt ist; der Boden des Meeres ist aber ganz wie eine Landschaft auf dem festen Lande, und denken wir uns daö Wasser hinweg, so würden wir Berge und Thäler, Hochland und Niederung sehen, wie droben „am rosigen Lichte des Tages"; deshalb hat auch daS Meer sebr verschiedene Tiefe, von der Sandbank an, die kaum die Fluth bedeckt, bis zu der, welche Kapitän Roß bisweilen mit 27,600 Fuß Senkblei noch nicht ergründen konnte, eine Tiefe, welche unsere höchsten Bergspitzen übertrifft. so daß erst der Montblanc auf den Montblanc gethürmt über das Wasser hervorragen würde. Nimmt man nun daS Meer zu 12,000 Fuß mittlerer Tiefe an, so enthält es 21/* Billionen Kubikmeilen Wasser, und wenn eS auSgeschöpft wäre, müßten alle Ströme der Erde 40,000 Jahre lang ihre Wasser hineinschüttcn, um das leere Becken wieder zu füllen'. So unendlich ^dieser Wasserschwall, diese flüssige Stoffmasse ist, so unendlich auch ihr Inhalt. In diesem Meereswasser sind (nach Professor Schakhäutl) 4^4 Millionen Kubikmeilen Salze enthalten, eine Massenausdehnung, die mehr als 5 mal so viel beträgt als die ganze Masse der Alpen; und dabei nimmt Schafhautl nur 900 Fuß mittlere Tiefe des Meeres nach Humbold an, bei .3000 Fuß nach Laplace würden circa 14, bei 12,000 F, nach den neuesten.Schätzungen circa 56 Millionen Kubikmeilen Salze im MeerkMsithalten sein. — Welche ungeheure Kraft in dieser Wässcrmasse lieget, können Sie an einem Beispiel erkennen. Der Niagara ist nur Mn bescheidener Mittelfluß. Es stürzen an den Wasserfällen dieses Stromes in jeder Minute 1402.500,000 Wasser über den 160 F. hohen Felsen. Die Technik nimmt an, daß hei Anwendung von Wasserkraft ein Drittel der Kraft verloren geht. Die wirkliche Kraft des Niagarafalles entspricht daher 4,533,334 Pferdekräften. Im Jahre 1843 war die gesammte Kraft der ganzen englischen Industrie gleich 233,000 Pferdekräften, welche 6 Tage der Woche 11 Stunden täglich arbeiten: der einzige Niagarafall entwickelt also 40 mal mehr Kraft, als die gesammte englische Industrie. — Anerkannt ist eS aber jetzt, daß das Meer an Reichthum der Bewohner das feste Land weit übertrifft. So schon die Pflanzenwelt des Meeres, obgleich diese fast ausschließlich nur von einer einzigen großen Pflanzenklasse, den Algen oder Tangarten, gebildet wird. Aber die neuere Forschung hat bereits 2000 Arten dieser submarinen Vegetation kennen gelehrt, sie hat die ungeheure Größe unS gezeigt, welche die Riesen der unterseeischen Wälder erreichen, und die bis zu 1500 F. Länge wachsen. Obgleich unser Schiller vor jedem Besuche „dadrunten, wo es fürchterlich", warnt, statten Sie dennoch einen kurzen Besuch auf dem Grunde des Meeres ab. Da überziehen (sagt Schleiden) die kleinen Konserven und Ektokarpeen den Boden mit einem grünen Sammetteppich, aus dem der Meersalat mit seinem breiten Laube die größeren Kräuter pertritt; dazwischen glänzen die mächtigen Blätter tiii mautelförmkg gefalteten Jridcen in prachtvollem Rosenroth oder Scharlach; mannigfaltige Tangarten bekleiden die Klippen mit dunkler Olivenfarbe, zwischen denen dann wieder die prachtvolle Meerrose hervorleuchtet; gelb, grün und roth schillernd, bald als Riesenfächer sich ausbreitend, bald als mehrere Fuß lange und breite Blätter im Strome schwankend, bilden die seltsam netzförmig durchbrochenen Thalassiophyllen und Agaren die größeren Büsche dieses. Waldes; als dessen Bäume erscheinen dann die oft 30 Fuß langen, breiten Bändern gleich wallenden Laminarien, wechselnd mit den buschig verzweigten MakrozystiSarten mit ihren birnengroßen Blasen, die langgestielten Alanen, über Alles die merkwürdigen Nereozysten, deren faden-, dünner Stiel auf 70 F. Länge zu einer mächtigen Blase