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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-11-29 · Heft 49 (29.11.1852) · p. Seite 583

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 49 (29.11.1852)
Date
1852-11-29
Page
Seite 583 (sequence 3)
Language
German
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583 anschwillt, auf der ein Büschel schmaler, bis 30 F. langer Blätter schwankt, die Palmen deS Meeres. Den Boden dieser Wälder beleben die Seesterne, an den Stämmen haften die Muscheln und Balanen, zwischen dem Laube jagen die gefräßigen Raubfische. Das ist die Landschaft für die spielenden Wallfische, die Heerden der Wallroffe und Seehunde, die Myriaden der Kabliaue, Häringe, Lachse und Thunfische. Noch zauberhafter ist das indische Meer, geschmückt, wo die Pflanzen im märchenhaften Kolorit vom lebhaftesten Grün mit Braun oder Gelb, mit reichen Purpurschatten bis zum tiefsten Blau gemischt, wechseln, hie Seeanemonen als riesengroße Kaktusblüthen auf den Felsenabsätzen ihre Kränze von Fühlern auSbreiten, als die Kolibri's des Meeres kleine Fische bald in rothem oder blauem metallischen Schimmer, bald mit goldnem Grün, bald im hellsten Silberglanz funkelnd, spielen, ja die stngenden Muscheln, vom Strande her ihre sauftklagende Stimme vernehmen lassend, auch das Leben der Tonwelt zu Hilfe rufen. — Wie mannigfaltig, so zahllos.sind aber auch die Geschöpfe des Meeres. In ^>er Nähe deS Tajo befindet sich eine Fläche von 60 Millionen Quadratmeter scharlachroth gefärbten Wassers; die Ursache eine kleine Pflanze, von welcher 40.000 erst einen Quadratmillimeter bedecken, also etwa 40,000 Millionen die Fläche eines Quadratmeters. Nun erstreckt sich die Färbung in beträchtliche Tiefe! Ganze Berge von Seepflanzenmassen häuft jeder Sturm am Strande auf, z. V. an den Küsten deS westlichen Europa's große Tanghügel, die sehr werthvollen Dünger abgeben, und auS deren Asche man die wichtige Jodine gewinnt. Aber ebenso reich an thierischem Leben. In Tiefen, welche die Höhe unserer mächtigsten Gebirgsketten übersteigen, wo auf dem Festlande also längst alles Leben aufgehört hat, ist jede der auf einander gelagerten Wasserschichten mit polygastrischem Seegewürm, Zyklidien und Ophrydinen belebt. An den Küsten von Grönland zeigen sich häufig Streifen von 10 —15 englischen Meilen Breite und 150 —200 Meilen Länge, die durch eine kleine gefleckte Meduse dunkelbraun gefärbt sind; ein einziger Kubikfuß enthält schon 110,592 solcher Thiere; ein solcher Streifen also 1600 Billionen lebender Wesen, und was will dieser gegen das unermeßliche Weltmeer sagen! Die Zeugungskraft der Wafferthiere ist riesenhaft: die Eier der Fische zählen alle nur nach Hunderttausenden; der Wallfisch verschluckt auf jeden Bissen TausenDe der Clio borealis, fast seine einzige Nahrung. So ist auch das Wachsthum der Fische weit stärker als das der Landthiere, und die Größe des Wallfischeö übertrifft 5 mal die des größten'Elcphanten. Dies ist das Meer mit seiner unermeßlichen Stoffmasse an Wasser, an Salzen, an Pflanzen und Thieren. Aber was ist daö Meer gegen die' Stoffmasse der E>dkugel selbst, von der jenes zwar 3k der Oberfläche, aber nur in einer Tiefe bedeckt, die in ihrem Mittel höchstens •/mm des Durchmessers der Erde einnimmt. Aber waS ist nun die ganze Erde, dieser Punkt Int Universum? Vergleichen wir sie mit der Stoffmasse der Sonne, mit der Gesammtmasse der Planeten und Monde, und erwägen dabei jene räthselvollen Weltkörper, die man Kometen nennt. Deren giebt es, was man gewöhnlich nicht vermuthet, eine ungezählte Schaar, so daß schon Kepler sagte: es gebe in . den Welträumen mehr Kometen als Fische in den Tjefen des Meeres. Obschon wir kaum erst 150 berechnete Bahnen haben, die Zahl derer, über die wir Andeutungen besitzen, 6—700 ist. Allerdings hat ein Komet nur eine geringe Massenhaftigkeit, so daß man durch seinen Kern die Sterne, die sie in ihrem Laufe uns bedecken, schimmern sicht, aber sie nehmen den größten Raum ein, mit ihren, oft bis auf 15 Millionen Meilen langen und weit auSgebreiteten Schweifen. Welch' einen Raum durcheilen diese dünnen, und außer ihrem reflektirten Sonnenlichte auch selbstständig Licht entwickelnden Weltkörpern, da es wol einige von einem 3 ^jährigen Umlauf um die Sonne giebt, aber auch solche, welche Tausende von Jahren mm Umlauf brauchen, wie der schöne Komet von 1811: 3065, der furchtbar große von 1680 über 8800 Jahre; welcher Letztere sich 17,600 Millionen Meilen von der Sonne entfernt, aber auch da noch von der Anziehungskraft der Sonne geleitet wird — so unermeßlich ist der Raum unsers Sonnensystems; denn der nächste Fixstern, also der .Zentralkörper des nächsten Sonnensystems ist noch volle 250 mal weiter von unsrer Sonne entfernt, als der getackte Komet in seiner Sonnenferne. Und wie immer mehr schrumpft unsre Erde, von der wir ausgingen, zusammen, wenn wir erwägen, daß Sir William Hcrschel in der Milchstraße allein 18 Millionen Fixsterne, also Sonnen sichtbar hielt, die alle wieder Mittelpunkte solcher unermeßlich großen Sonnensysteme mit Erden, und Monden sind. Und dies Alles ist doch nur was unserm, freilich bewaffneten Auge sichtbar wird. Wenn wir aber mit unbewaffnetem Auge kaum 58000 Fixsterne erhalten, wie groß werden die Zahlen der Weltkörper sein, die bei aller Ausbildung unserer Instrumente auch unserm bewaffneten Auge unsichtbar blei-

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