Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 48 (22.11.1852)
- Date
- 1852-11-22
- Page
- Seite 578 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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578 meinde niederlegen. Mehrere freisinnige Mitglieder der Verwaltung der Dukes-Place-Gemeinde wollten dasselbe thun. Die New-Synagoge, die Free-School und die Jews-Hospital-Gemeinde, alle hielten Meetings und proteftirten gegen solch intolerantes Beginnen. Darauf hin wurde doch allgemein eingesehen, daß es Zeit sei den Rückzug einzuschlagen, und ist, wie wir bereits erfahren haben, die Sache so viel als geordnet. Korrespondenz. London, im November. Daß die Geschichte der Juden bis heute noch keine abgeschlossene ist weiß Jeder, der sich auch nur oberflächlich damit beschäftigt hat, und sind am Meisten unsere Geschichtsforscher, wie Jost u. A. davon überzeugt, welche trotz. deS .mangelhaft vorhandenen Materials so Treffliches geleistet-haben, sich aber auch wegen der bedeutenden Lücken vielmehr abmühen mußten. Auf die Gründe der mangelhaften Quellen einzugehen ist hier der Ort nicht. Jeder Beitrag zu unserer Geschichte, jedes Licht, daS auf bedeutende und hervorragende Männer geworfen wird, Muß uns daher willkommen sein, und begrüßen wir deshalb auch ein soeben im Druck erscheinendes höchst interessantes Geschichtswerkchen von dem literarisch bekannten und in diesen Blättern oft schon rühmlich erwähnten Rabbi Hirsch Edelmann, über die Geschichte Schau! Wahl'S und dessen Geschlechtsfolge nur mit Dank und Freude. Wir sind über daS, was wir als Referat geben wollen, in Verlegenheit, um dem geneigten Leser einen Begriff zu geben, was alles Wichtiges und Interessantes in diesem Büchlein enthalten ist. Sicher haben viele Leser dieses Blattes schon einmal gehört, daß in Polen einmal ein Jude König gewesen sei für einen Tag. Referent erinnert sich noch recht gut, es in seiner Kindheit aus dem Munde seiner sel. Mutter gehört zu haben, die eS als Ueberlieferung von ihrem Großvater hatte, welcher ein großer Rabbi und aus Polen stammend eS ebenfalls überliefert bekommen habe. In reiferen Jahren versetzten wir diese Erzählung in's Reich der Mythen, zu so manchem andern Ueberlieferten, bis wir wieder durch Andeutungen in rabbinischen Schriften baräuf aufmerksam wurden. Doch wir wollen, unsere Täuschungen und Enttäuschungen übergehen und wieder zur Sache kommen. Die Sage erscheint sonderbar genug, wenn wir bedenken, in. welch gedrückter Lage seit hundert und hundert Jahren die Juden in Europa und besonders: in Polen lebten. Herr Edelmann, der Mann der mit kühnem Auge. und scharfem Geiste die große Bodleian-Bibliothek in Orford benutzt, giebt uns endlich klares Licht über dieses Faktum, in einem Merkchen „Gedulath Schaul" *), hebräisch, welches später in's Englische übersetzt werden soll und voll intereffanter geschichtlicher Thatsachen ist, um so intereffanter erscheinen, als die Nachkommen und Verwandten des gewesenen Königs sowol durch direkte Abstammung, als auch durch Verheirathungen, heute zu den hervorragendsten Juden unserer Zeit gehören, wie wir nur mit Begierde erfahren. Ein Urenkel Schaul Mahls, Rabbi Pinchas,-Rabbiner in Mähren (?), erzählt im Äamen seines Vaters, folgende Geschichte, nach einem in Orford liegenden Manuskripte, betitelt: yV’W» tö\ Schaul Mahl ist geboren in Padua in Italien, Sohn deS dortigen Rabbi Samuel Juda Katzenellenbogen, lebte aber in Brisk im Lithauischen in Polen. Dieser Schaul Mahl soll nicht nur.sehr reich, sondern auch sehr gelehrt gewesen sein und datirt sich seine Größe folgender Art. Fürst Radsvill aus Lithauen bereiste einst viele Länder 2) und kam auch nach Padua. Auf der langen Reise ging dem Fürsten daS Geld aus. Da er ein gelehrter und vielerfahrener Mann war, so wußte er, daß die großen Rabbinen Polens in gelehrtem Briefwechsel mit dem von Padua stehen. Er wandte sich deshalb an den Rabbi Samuel Juda, nm Geld von ihm zu borgen. Dieser willigte ein und behandelte den Fürsten mit großer Aufmerksamkeit und zu dessen Zufriedenheit. Der Fürst wollte sich dem Rabbi auch gefällig und dankbar zeigen, allein der Rabbi wies jeden Dank von sich und bat den Fürsten, dafür seinem Sohne Schaul in Brisk erkenntlich zu sein. Der Fürst suchte diesen auf und fand in ihm einen tiefen Gelehrten und edeln Mann. Er zeigte sich ihm nVm oder auch Wtbn mb rnd. Die Bedeutung des letzter» Titels wird dem Leser erst klar werden, wenn er den Namen Denis Samuel erfährt und weiß daß Denis so viel als David im Englischen heißt. .R.ef.e-r. Nach einigen Angaben machte er eine Wallfahrt nach dem heiligen Grab in Jerusalem.