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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-11-22 · Heft 48 (22.11.1852) · p. Seite 577

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 48 (22.11.1852)
Date
1852-11-22
Page
Seite 577 (sequence 9)
Language
German
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577 Herschreiben zwischen dem ErziehungSrathe und Sir Moses Montefiore Baronet wurde dem Gesuche auch entsprochen. Die Bedingungen, die dabei feftgestellt wurden, sind unter anderen folgende: Die jüdischen Schulen, die einer solchen Unterstützung theilhastig werden, müssen unter der Aufsicht eines Konnte stehen, mit welchem die Regierung kommuniziren könne *). Ferner, daß die benannten Schulen einer Inspektion offen stehen, und zwar den Inspektoren Ihrer königl. Majestät, die nicht Geistliche sein sollen, und daß die Inspektoren über die in den Schulen zu unterrichtenden weltlichen Fache? Bericht zu erstatten haben. Der ErziehungSrath überließ es nun den jüdischen Abgeordneten (Loorö of vepulies, Schulkomite.möchten wir's nennen, obschon ihre Vollmachten weiter gehen), die Sache unter sich auszumachen und den Staatsbeitrag, gemäß der Population und der Umstände an die resp. Schulen zu vertheilen. Aber siehe! ES ward beschlossen, daß nur diejenigen jüdischen Schulen von dieser Unterstützung genießen sollen, in welchen der Religionsunterricht unter der Aufsicht der jüdischen geistlichen Autorität steht. Also der strikte Gegensatz von dem was das Parlamentsgesetz beabsichtigt. Warum wol eine solche Klausel ausgenommen worden ist, kann denjenigen, der die hiesigen Verhältnisse auch nur ein Wenig kennt, nicht befremden. Glaubt Ihr etwa auS Furcht, eS möchte in den hiesigen Schulen nicht orthodox genug gelehrt werden? Weit gefehlt! Die Elemente fester Orthodoxie sind so tief gewurzeltx, daß eS arger als Gespensterseherei wäre, daran ernstlich zu denken. Es lag auch gar nicht im Sinne der Herren, die diese Klausel fabrizirten. Sollte der Grund aber darin zu suchen sein, daß die Autorität des Rev. Dr. Adler nicht darunter leide und derselbe seinen Einfluß nicht verliere in der Überwachung des Religionsunterrichtes? Keine Rede davon! Solche Kleinigkeiten wie das Schulwesen, schwächen die allen Stürmen trotzende geistliche Autorität deS Herrn Dr. Adler noch lange nicht. Da müßten andere Angelegenheiten, z. B. Abschaffen einiger Piu- *) Sir M. Montefiore ist Präsident dieses Konnte und die Mittelsperson zwischen der Regierung und den englischen Juden. tim, der Mi-Scheberach oder Geldangelegenheiten und Sachen von solcher Wichtigkeit auf's Tapet kommen, bevor nur an so etwas gedacht werden dürfte. Wir haben uns übrigens die Mühe gegeben zu erfragen, ob es sich denn Herr Dr. Adler so sehr angelegen sein lasse, um die jüdischen Schulen zu überwachen und den Religionsunterricht zu leiten, und böse Zungen sagen, es sei durchaus nicht der Fall. Ihr Berichterstatter' glaubt auch nicht, daß dies dem Herrn Chief- Rabbi zuzumuthen sei, er hat sonst alle Hände voll zu thun (was?). Was konnte aber denn sonst für ein Grund obwalten? Lassen Sie mich denselben offen sagen, es war: um die Schulen der Reformgemeinde von der Wohlthat dieser Unterstützung auszuschließen! Diese Gemeinde hat nämlich 2 gute Schulen gegründet, eine für Knaben, und eine für Mädchen, Beide auf solch liberalem Fuße, daß eS auch dem Unbemittelten ein Leichtes wird, seine Kinder dorthin zu senden. Und in der That, es kommen Kinder polnischer Eltern mehr denn eine Stunde Weges jeden Tag (mit Ausnahme von Samstag und Sonntag) aus dem Herzen des JudenquartierS, der Pedicot- Lane, in diese Schulen. Was that aber der Vorstand der Reformgemeinde? Lieber Leser! was eine zartfühlende, echt jüdische Behörde unter solchen Umständen thun soll, nämlich lieber Schaden und Unrecht erleiden, als ViVtt tKüh machen, er schwieg. Denn welchen Eindruck müßte es auf die Staatsbehörde gemacht haben, daß die Juden, die gerade jetzt die völlige polinsche Gleichheit mit den Christen anstreben, jetzt, wo es eine Frage für die Juden allerwärts ist, ob Baron Lionel seinen Sitz im Parlamente einnehme oder nicht, daß gerade diese Juden, die den besprochenen Kampf jetzt kämpfen, jeden, der nicht ganz gleich glaubt wie sie, jeden der nicht in denselben Formen zu seinem Gotte betet wie sie, von den Rechten und Genüssen, die ihnen gewährt sind, ausschließen? Die Reformgemeinde überließ es dem Gerechtigkeitsgefühl der Orthodoxen und siehe! es hat sich glänzend an den Tag gelegt und hat sich, erwiesen , daß nur, einige Wenige von solch finsterm Geiste der Ausschließung beseelt sind. Eine Proteftation lief ein von Baron Lionel Rothschild und Alderman Salomon. (Sic!) Letzterer wollte seine Stelle, als Mitglied der Schulbehörde, von der New-Synagoge gewählt, in die Hände dieser Ge- 48*

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