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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-11-22 · Heft 48 (22.11.1852) · p. Seite 575

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 48 (22.11.1852)
Date
1852-11-22
Page
Seite 575 (sequence 7)
Language
German
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575 armer Schulkinder der jüdischen Gemeinde mit vollständiger Bekleidung (resp. Sommer- und Winterkleidung) zu versorgen. Findet dieses Unternehmen die ihm gebührende Unterstützung, fo wird es hoffentlich segensreichen Erfolg haben. - Vor der Kriminalabtheilung des Kreisgerichts zu Posen ist am 3. d. M. ein Prozeß verhandelt worden, in welchem der dort allgemein geachtete jüdische Talmudgelehrte MoseS Landsberger auf der Anklagebank erschien, beschuldigt, durch einen Fehler in der BeschneidungSoperation, die derselbe im Frühjahr d. I. an einem Kinde im dortigen Hebammeninstitute vollzogen hatte, den Tod dieses Kindes — der noch an dem nämlichen Tage erfolgt war — herbeigeführt zu haben. Erwähntes Kind war nämlich einige Stunden nach der Beschneidung an Verblutung gestorben, und hatten damals die Herren KreisphysikuS vr. KeSler und KreiSchirurguS Gronwald, welche mit der Sektion der Leiche betraut gewesen waren, ihr Gutachten dahin abgegeben, daß der Tod des Kindes durch nichts Anderes als eine Unvorsichtigkeit bei der Beschneidung hervorgerufen worden. In Folge dieses Gutachtens war der Beschneider M. Landsberger Seitens der Staatsanwaltschaft unter die Anklage der fahrlässigen Tödtung eines Menschen gestellt worden. Bei der Prozeßverhandlung (am 3. d. M.) stellte es sich herausdaß Herr Landsberger bereits 20 Jahre in Po, sen als Beschneider fungire, daß er zu diesem Zwecke vor dem KreisphysikuS Di*. Arnold eine Prüfung abgelegt und bestanden, daß er bereits über 1500 Beschneidungen ohne irgend welches Versehen vollzogen habe, und daß er nicht nur für seine Bemühung niemals eine Entschädigung erhalten, sondern sogar oft auch aus eigener Tasche Geld rc. gegeben, um nur das Gott wohlgefällige Werk der Beschneidung an einem israelitischen Kinde ausüben zu können. Der Angeklagte behauptet, auch diesmal streng nach den Vorschriften des Talmuds verfahren zu sein und keinen Fehler gemacht zu haben. Die Verteidigung führt Herr I. R. Tschuschke. Die Zeugen, welche bei dem Beschneidungsakte zugegen gewesen, bekunden, daß Herr Landsberger hierbei mit der größten Vorsicht zu Werke gegangen, worauf derselbe vom Gerichtshöfe von der-Anklage gänzlich frei gesprochen wird. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 15. November. (Privatmitth.) Wir sind in vollem Wahlkampfe und heute Nachmittags soll die große Schlacht geschlagen werden. Es hat diese Angelegenheit sehr viel Erfreuliches; es ist doch wenigstens Leben und Bewegung. Es kam übrigens auch da eine allgemeine Erscheinung vor> daß gewisse Persönlichkeiten sich vordrängen wollten; aber auch der Frühling bringt so manches Geschmeiß und Gezüchte an's Tageslicht. Ich gestehe eS Ihnen offen, es waren das Momente, die jeden vernünftigen Menschen besorgt machen mußten. Die wiener Gemeinde ist in letzter Zeit zu dieser Ausdehnung gelangte Ein großer Theil ist erst seit kurzer Zeit im Gemeindeverband und diese kennen die Verhältnisse und Bedürfnisse der Gemeinde nicht in dem Maße, wie es sein sollte, um bei der Leitung derselben sich zu betheiligen. Obschon heute aller Wahrscheinlichkeit nach kein bestimmtes' Resultat hervorgehen wird, weil nach den Statuten zwei Drittheile der Wähler zUr Wahl erscheinen müssen, was keinesfalls anzunehmen ist/ so wird doch daraus eine Kandidatenliste hervorgehen, die ich Ihnen auch beiläufig angeben kann. Es fand nämlich dieser Tage eine Vorversammlung statt und da wurden folgende Herren zu Vertretern bestimmt: Herrn Heinrich SichrovSky, demselben wurde zugleich eine Dankadresse votirt. Er gehört zu den befähigtesten Kapazitäten. Er hat daS nicht nur als Generalsekretär der Nordbahn bewiesen, sondern auch auf dem Kommunalgebiete. Derselbe war entschlossen zurückzutreten, dürfte sich aber jetzt dem allgemeinen Wunsche fügen; ferner Herr Josef Wertheimer, Herr Moritz Goldschmibt, Prokuraführ'er-eS Hauses Rothschild, Salomon Brandeis und Josef Biederman jun. Zu/Beiräthen sind für jetzt bestimmt die Herren Emanuel Edler v. HofmanSthal, Dr. M. Engel, Albert Strauß, Dr. Mosenthaj. Wir haben dabei nur Einen Wunsch, sie mögen bald die Zügel ergreifen und das was in letzter Zeit versäumt wurde nachholen. Die Verzögerung des, Tempelbaues hat bereits den Nachtheil gebracht, die polnische Gemeinde hat schon einen Platz gekauft mit 40,000 fl. und wird zu bauen anfangen. Sie würden somit einen Vorsprunghaben. Noch muß ich Ihnen sagen, daß ich aus zuver-

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