Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 48 (22.11.1852)
- Date
- 1852-11-22
- Page
- Seite 574 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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574 allein in ein cp Stadt gemacht worden — in Posen. Sie haben darüber bereits in voriger Nummer berichtet. Es liegt uns auch ein Eremplar einer, „gedruckten Rede eines Urwählers, gehalten vor den Gemeindeverordneten der Stadt Posen, betreffend die Wahl des Herrn Moritz Mamroth als Abgeordneten, für die Erste Kammer" vor. Die Rede ist sehr wacker abgefaßt, und geistreich. Aber ihren Zweck hat sie nicht erreicht. Es ist jetzt eine Zeit, wo es sich die Stadt Posen wahrscheinlich zur Unehre rechnen würde, durch einen Juden in der Ersten Kammer vertreten zu sein, und wir können Nichts sagen, als: die Zeiten andern sich. — Daß auch Herr vr. jur. Jacobson sein Ziel nicht erreichte, als er in der letzten Stunde vor der Wahl zum Deutschkatholizismus (!) übertrat, und dies in einer phrasenreichen Anrede seinen Mitbürgern, den Wählern kund that, wird Ihnen nicht entgangen sein. Der neue Apostel deS DeutschkatholiziSmuS ist nicht gewählt worden. Anfangs zollte ich eine Kritik seines Machwerks geben, und her Phrase die MaSke abreißen — allein genaueres Ueberdenken zeigte mir, daß daS Ding der Mühe nicht perth sei, und daß eS — in diesem Augenblicke schon Vergessen ist. Dem wollen auch wir eS überlaffen! Aus der Provinz Posen, im November. (Privatmitth.) Ueberall in der ganzen Provinz, wo pur Juden wohnen, sind auch Solche bei den am 25. v. M. stattgehabten Wahlmännerwahlen mitgewählt worden. In vielen Städten ist die Zahl der jüdischen Wahlmänner gleich der der christlichen, in manchen sogar noch größer als diese gewesen. In Posen aber hat es unter mehr denn 150 Wahlmännern nur etliche und dreißig jüdische gegeben. Dieselben haben bei der am 31. v. M. stattgehabten Wahlmännerversammlung (resp. Berathung über die Wahl der Deputirten) durch den Stadtrath Moritz Mamroth erklären lassen, „daß sie nur solch en Männern ihre Stimme geben würden, von welchen sie voraussetzen könnten, daß sie in der Kammer für die volle Aufrechterhaltung des bekannten §. 12 der Verfassung bemüht sein werde." Bei der an demselben Abend noch vorgenommenen V orwah l hatte vr. Veit in Berlin einige über 20 Stimmen erhalten. Derselbe ist jedoch am eigentlichen Wahltage (3. November) nicht als Kandidat aufgestellt worden, und haben die bei dem Wahlakt anwesend gewesenen jüdischen Wahlmänner ihre Stimmen dem Oberpräsidenien v' Puttkammer und dem Bürgermeister Guderian gegeben (welche auch Beide für Posen gewählt worden). — In der Provinz Posen ist kein Jude in die H. Kammer gewählt worden. — und in den Wahllisten, welche die Zeitungen, die ich lese, bringen, habe ich bis jetzt auch aus den anderen Provinzen des preußischen Staats noch keinen jüdischen Deputirten für die II. Kammer wahrgenommen. Was die Wahlen zur I. Kammer anlangt, so habe ich aus der in No. *263 der Pos. Ztg. mitgetheilten Liste der 300 Wähler der Provinz Posen nicht mehr als 8 Israeliten (5 Kaufleute und 3 Gutsbesitzer) herausfinden können. — Bei der am 10. d. M. durch den Gemeinderath von Posen vollzogenen Wahl eines Deputirten zur I. Kammer hatte im ersten wie im zweiten Skrutinium von 2'8 abgegebenen Stimmen auch der Stadtrath Moritz Mamroth 8 erhalten — die anderen beiden Kandidaten hatten Jeder 10 Stimmen. Im dritten Skrutinium, wv sich 6 Gemeinderathsmitglieder der Stimmabgebung enthielten, hatte Stadtrath M, M. gar keine, von den anderen beiden Kandidaten aber Jeder 11 Stimmen. DaS Loos mußte nun entscheiden, welches zu Gunsten des K. G. R. Pilaski ausfiel. Derselbe wird also die Stadt Posen in der I. Kammer vertreten. In der vorigen Session ist Vr. Klee (der bekannte Feind-des §. 12 der Verfassung) ihr Vertreter gewesen, Aus der Provinz Posen, 11. November. (Privatmitth.) Lehrer Simon Kuttner in Wreschen hat die Rede, welche er am 15. Oktober bei Gelegenheit der Feier des Geburtstags unsers Königs im jüdischen Schullokale gehalten, nunmehr in einigen hundert Eremplaren durch den Druck veröffentlicht, um deren Ertrag (ä 5 Sgr:) den Cholerawaisen deS wreschner Kreises zufließen zu lassen. In Wittkowo sind am 30. September e. auS dem Ertrage einer „Ausspielung weiblicher Handarbeiten" — welche der dortige Lehrer Louis Weyl veranstaltet hatte — achtzehn arme Schulkinder der jüdischen Gemeinde (13 Knaben und 5 Mädchen) vollständig bekleidet worden. An dem nämlichen Tage ist daselbst auch durch den Genannten ein Verein in's Leben gerufen worden, der eS sich zur Aufgabe machen wird, alle halbe Jahre (Ostern und Michaelis) eine Anzahl