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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-11-22 · Heft 48 (22.11.1852) · p. Seite 573

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 48 (22.11.1852)
Date
1852-11-22
Page
Seite 573 (sequence 5)
Language
German
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573 sack klopft. Berufstätigkeit um GotteSwillen, wahre Frömmigkeit und Gehorsam, der zu echter Freiheit führt, sind die besten Mittel, daß die äußere Lage der Lehrer sich auch bessert. Lieben wir das Lehramt um Gotteswillen und halten wir es für einen Gottesdienst, -das ist sein Feuer, kein Strohfeuer, sondern eS erwärmt und beseelt bis zum Grabe und wirkt in den Kindern daS Himmelreich. Sondershausen, im November. (Privatmitth.) Unser durchlauchtigster Fürst, der auch unsrer Gemeinde seit seinem Regierungsantritt sein besonderes Wohlwollen erwiesen, hat unfern Rabbiner Heidenheim, der bis jetzt als Kollaborator und Ordinarius der 2. Klaffe an der hiesigen fürstlichen Realschule gewirkt, zum Oberlehrer an dieser Anstalt zu ernennen geruht. ES ist dies gegenwärtig umso erfreulicher, da man leider anderöwo wiederum solche bedauerliche Rückschritte zu machen scheint. In dem darüber zugefertigten Dekret heißt eS: „Wir haben uns bewogen gefunden, den Kollaborator Philipp Heidenheim in Anerkennung feineS pflichtmäßigen Verhaltens und seiner rühmlichen Leistungen bei der hiesigen Realschule zum Oberlehrer an dieser Anstalt zu ernennen. Wir hegen das Vertrauen zu ihm, daß er sich dieser Auszeichnung durch fernere gewissenhafte Erfüllung seiner Dienstpflichten würdig zeigen werde/? ' ' - Der Oberlehrer Heidenheim lehrt in der 1. und 2. Klaffe Mathematik, iw der 1. Geschichte und Geographie und in der 2. Deutsch. Auch die israelitischen Religionöstunden werden theils von ihm,' theils vom Religionslehrer Goldschmidt im öffentlichen Realschulgebäude ertheilt. Letzterer ist gleichfalls seit mehreren Jahren an der Realschule definitiv angestellt und lehrt in der 3. und X Klasse Französisch, in der 4., 5. und Kalligraphie und in der 6. Deutsch. Aus der Stellung beider Männer ergiebt sich schon zur Genüge, daß in den hiesigen Schulen — wir haben auch ein wohlorganisirteS Gymnasium — ein freier, lichter Geist, fern v o n j ede r U nd u ldsamkeit, vorwalten muß, weöhalb es vornämlich jüdischen Eltern anzurathen wäre, ihre Kinder den hiesigen Anstalten zu übergeben. Sowol Heidenheim, als auch Goldschmidt, nehmen Pensionäre an. Unsere Gemeindeangelegenheiten werden, wie früher, durch daS energische' Wirken ihres Vorstehers, des Herrn Hofagenten M. Czarnikow, im Verein mit mehreren wackeren Männern, trefflich vertreten. Er hat sich um die Gemeinde vielfach und seit vielen Jahren verdient gemacht. Unser Leichenwagen ist ein Geschenk von ihm, und bei der Restauration unserer Synagoge schenkte er ein paffendes Instrument zur Begleitung der Gesänge. Seinen unablässigen ' Bemühungen verdanken wir eS auch zumeist, daß der mittelalterliche Eid more judaico endlich aus unserer Gesetzgebung geschwunden ist, und jeder Eid an Gerichtsstätte geleistet wird. DaS betreffende Gesetz lautet: : : ■> §• 1. Die Formel des von Juden abzuleistenden EideS lautet: „So wahr mir Gott helfe!" . §> 2. ' - Derselbe ist ihnen vor der zuständigen Behörde durch einen Rabbiner oder dessen Stellvertreter äbzunehmen, wobei es genügt, daß der Schwörende den Eid unter Bedeckung seines Hauptes und unter Auflegung deö Daumenballens der rechten Hand auf einen hebräischen Pentateuch und zwar auf die Stelle des 2. V. M. Kap. 20, V. 7, welche vom Eide handelt, ablegt. Beiläufig sei noch erwähnt, - daß der Herr Hofagent Czarnikow auch Mitglied des hiesigen Gemeinderaths und Geschworner für die nächste Sitzungsperiode ist. Preußen. Berlin, 14. November. (Privatmitth.) Nach den bisher eingelaufenen Nachrichten wird diesmal weder in der ersten, noch in der zweiten Kammer ein Jude sitzen. Es ist dies auch sehr natürlich; je mehr die Wahlberechtigung und die Theitnahme an den Wahlen sich in die höchsten Schichten zurückziehen — wie dies für die erste Kammer, welche-lediglich von den Höchstbesteuerten und den Gemeinderäthen gewählt wird, schon überhaupt der Fall ist/ desto weniger wird jemals eine Wahl auf einen Juden fallen. Unter diesen Umständen brauchten unsre Gegner an eine prinzipielle Ausschließung gar nicht zu denken. AnstrengUngen von Seiten der Juden, einen Gtaubenegenoffen, oder auch nur unsrer Gleichberechtigung günstige Männer in die Kammer zu bringen, sind

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