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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-11-22 · Heft 48 (22.11.1852) · p. Seite 572

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 48 (22.11.1852)
Date
1852-11-22
Page
Seite 572 (sequence 4)
Language
German
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m emanzipiren, der christliche Staat emanzipirt uns doch nicht. Halten wir darum fest an alter Vätersitte und konzentriren uns wieder im religiösen Leben, der Glaube ist die Burg', um die. wir uns zu schaaren haben, wenn die Unduldsamkeit ihr barbarisches Haupt gegen uns erhobt. — Die Schule ist. die Stätte, in der daS Judenthum wieder Kraft erlangen kann. Die Worte, die der geschätzte Redakteur d. Bl. über die Schule sprach, sind Heischemittel unserer Zeit. In Württemberg ist die israelitische Schule wohl beaufsichtigt, sie ist aber faktisch von der jüdischen Kirche emanzipirt, der christliche Geistliche beaufsichtigt die Schule, die evangelische.Synode, der katholische Kirchenrath sind die Oberschulbehörden für jüdische Schulen. Haben nun die jüdischen Lehrer, und am Allerwenigsten der Schreiber dieses, sich über dieses Aufsichtswesen nicht zu beklagen, so ist es doch eine Anomalie, daß die jüdische Schule nicht von jüdischen Geistlichen und von der israelitischen Oberkirchenbehörde beaufsichtigt wird. Die Schule ist ein Glied der Kirche, Kirchen- und Schulzucht sind untrennbar. Wenn nun die anderen Kirchen die Schulen nicht loslassen, warum soll die Synagoge nicht ihr Recht an der Schule haben? — Es ist zwar wahr, daß noch nicht alle Rabbinen Befähigung und Beruf für das Schulwesen und dessen Beaufsichtigung haben und ihr Zwitteramt als Geistlicher und israelitischer Gemeindevorsteher, dem zugleich die Finanznoth der Gemeinde am Herzen liegt, bringt sie oft in Konflikt mit den Lehrern, aber das würde sich auch auSgleichen, wenn einmal das israelitische Schul- und Kirchenwesen unter einen Hut gebracht wären. Die israelitische Oberkirchenbehörde, die für die finanzielle Besserstellung der israelitischen Lehrer viel gethan, sollte auch, wie andere Kirchenbehörden, durch Preisertheilungen die besseren Lehrer aufmuntern und anerkennen. Die Synagoge wird nie zur Befriedigung des religiösen Gefühls gereichen, wenn nicht die Schule schon die Basis der Religion'wird. Ein bekannter württembergischer Geistlicher, der der pietistischen Richtung angehört, ist in den Besitz eines TheileS einer Torarolle gekommen, die in Pompeji aufgesunden wurde. Dieselbe wurde in einem egyptischen Tempel daselbst vorgefunden und wahrscheinlich von Jerusalem aus dorthin gebracht, weil die Römer das Judenthum als von den Egyptern überkommen betrachteten. ES ist zu hoffen, daß die Bruchstücke ergänzt werden. Jedenfalls ist der Fund ergiebig für die Bibelforschung. — Der Unterricht in der Bibel würde den Lehrern sehr erleichtert, wenn die Philippson'schen Bibel für die Schulen in die Hand deS Lehrers geschafft würde. Der Herausgeber sollte sich deshalb an die königl. israelitische Ober-' kirchenbehörde wenden, die gewiß die Anschaffung aus dem Schulfonds empfehlen würde. - Die Hochschule in Tübingen ist gegenwärtig stark von Israeliten frequenlirt, doch interessiren sich dieselben weniger für das Judenthum, als die früheren. Die Promotion aus den Jahren 1837 bis 1842 hat jüngst eine Zusammenkunft gehabt, bei der besonders die Tagesfragen des Judenthums zur Sprache kamen. Es ist eine erfreuliche Erscheinung/daß die gelehrten Israeliten von Beruf in Württemberg sich lebhaft an der Gestaltung der Synagoge betheiligen. Im Rainen deS israelitischen Waisenvereins veröffentlicht Herr Adolph Levi auS Stuttgart, daß der russische Thronfolger der israelitischen Wilhelmspflege ein Geldgeschenk hat zufließen lassen. .Der Rechenschaftsbericht deS israelitischen Waisenvereins für 1850/52 ist nun auch ausgegeben. 25 Pfleglinge find in der Anstatt ausgenommen, die dort Kost, Wohnung, Verpflegung und Unterricht empfangen. Die Prüfungszeugnisse, die dem Rechenschaftsberichte beigedruckt sind,' geben Kunde von dem trefflichen Stand der Schule, der sich bei dem achtbaren Charakter deS Waisenvaters, Herrn Lehrer Liebenaus, nicht anders erwarten läßt- Am 31. Mai 1852 hat sich das Gesammtvermögen deS israelitischen Waisenvereins auf 27,252 fl. 38 kr. belaufen.- Besonders hat die königliche Familie das israelitische Waisenhaus mit huldvollen Geschenken bedacht. Seit 20 Jahren wirkt der Waisenverein segensreich und seit 10 Jahren werden die Waisen in der Wilhelmspflege zu Eßlingen verpflegt. Edle Frauen nehmen sich beim Austritt der weiblichen Zöglinge an und bringen sie in geordneten Häusern unter. Möge Gott, der Vater der Waisen, ferner diesem edeln Streben seinen Segen nicht entziehen. Der.Mangel an jüdischen Lehrern macht sich in Württemberg immer fühlbarer und es werden wol Ausländer beigezogen werden -müssen'. Man muß mit Bedauern eS beklagen, daß nicht die rechte Berufssreudigkeit unter den Lehrern herrscht, der Lehrerstand schabet sich dadurch, daß er immer aus seinen Bettel-

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