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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-11-22 · Heft 48 (22.11.1852) · p. Seite 571

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 48 (22.11.1852)
Date
1852-11-22
Page
Seite 571 (sequence 3)
Language
German
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571 Zeitungsnachrichten. Deutschland. Steinfurt in der Wetterau, 26. Oktober. (Didask.) Zn der dasigen kleinen Gemeinde meines Rabbinates, der großh. Provinz Oberheffen, hat am jüngsten Sabbat eine religiöse Doppelfeier stattgefunden, wie eine ähnliche vielleicht noch niemals innerhalb des Judenthums sich zugetragen und die auch noch in anderer Hinsicht verdient, in weiteren Kreisen bekannt zu werden. Eö wohnen dahier 4, sage vier jüdische Familien, die nicht alle zu den Vermöglichen oder Reichen des Landes gehören. Diese vier Familien nun haben nicht bloS für sich allein eine neue schöne Synagoge gebaut, die sie 2000 ff. kostet, sondern gleichzeitig mit derselben auch drei, sage drei neue kostbare Torarollen, im Werthe von weiteren 600 fl., schreiben und einweihen lassen. Eine solche Glaubcnstreue und religiöse Aufopferungsfähigkeit dürfte, besonders in unseren Tagen, sobald nicht wieder gefunden werden, weshalb ich auch nicht unterlassen wollte, sie hier öffentlich als preis- und nachahmungSwürdig zu rühmen. Dr. Levi, großh. Hess. Rabbiner zu Gießen. München, 10. November. (Privätmitth.) Der Verfasser des vor einigen Monaten in Frankfurt bei I. Kaufmann erschienenen Werkes: „Das heilige Land von Rabbi Joseph Schwarz aus Jerusalem rc., deutsch bearbeitet von vr. Israel Schwarz" erhielt von Sr. königl. Hoheit dem Herrn Herzog Marimilian, in Begleitung einer silbernen Medaille, folgendes rühmliche Schreiben, das ich Ihnen wortgetreu abkopire. . „Mein Herr Schwarz! Ich habe die Mir von Ihnen zugesendeten Eremplare des von Jhnew herausgegebenen Buches über das heilige Land erhalten. Ich freue Mich sehr, dieses umfassende Werk zu lesen, was für Mich um so mehr interessant ist, da Ich dieses Land selbst bereist habe. Es wird Mir Ihr Werk nicht nur eine erneuerte angenehme Erinnerung an. die dort verlebten Tage bieten, sondern auch stets eine solche an Ihre werthe Person sein. Indem Ich Ihnen für diese Zusendung Meinen verbindlichen Dank erstatte, übersende Ich Ihnen, zum Zeichen der Anerkennung beifolgende Medaille mit Meinem Bildnisse, und verbleibe Ihnen zu Erweisung angenehmer Gefälligkeiten stets bereitwillig. Schloß Wittelsbach, den 6. November 1852. Maximilian, Herzog in Baiern." Aus Württemberg, im November. (Privatmitth.) Es läßt sich vom kirchlichen und politischen Leben der Israeliten Württembergs gegenwärtig wenig Erhebliches berichten. In der politischen Stellung der Israeliten des Landes hat sich Nichts verändert, die bürgerlichen Rechte sind noch ungeschmälert, mit Ausnahme des Wahlrechts zur Ständekammer. Die Freizügigkeit ist noch nicht beschränkt und die Israeliten machen davon umfassenden Gebrauch. Die jüdische Bevölkerung der Städte nimmt täglich zu, während die Landgemeinden sich entvölkern. Für das spezifische Judenthum ist diese Wanderlust kein Gewinn. Stuttgart zählt jetzt nahezu an 100 jüdische Familien, aber die Räume des Gotteshauses stehen meistens leer, die wenigen Besucher sind Fremde, die der religiöse Drang hintreibt und Maiers meisterhafte Vorträge anziehen. An den hohen Festtagen „sieht man zuweilen den Alten gerne", dann ist der Betsaal überfüllt und faßt nicht die Gemeinde. - Aus dem Grunde wünscht die Minorität der Gemeinde den Bau einer'neuen würdigen Synagoge und. hofft von ihr die Regeneration des kirchlichen Leben, aber der Nervus rerum gerenctsl-um giebt den Ausschlag, und wir haben keinen Rothschild, der 70,000 fl. zu einem Synagogenbau zeichnetz freilich halten die Gegner des Synagogenbauö mit Recht das entgegen, daß das religiöse Element überhaupt brach liege, denn der Religionsunterricht liege im Argen. Wenn auch Kirchenrath Maier die vorgeschriebenen Unterrichtsstunden ertheilt, das reicht nicht hin. Für's Land ist ein Reglement zur Ertheilung des jüdischen Unterrichts erschienen, da sollen die Schüler die heilige Ursprache der Schrift und der Gebete verstehen, aber in der Residenz sei der religiöse Jndifferentismus patentisirt. Das eifert auch der stuttgarttr Geistliche in seinen Predigten, das hat er besonders am Versöhnungsfeste gepredigt, und wurde deshalb von den Blastrten angegriffen. Die Israeliten auf dem Lande wollen sich deshalb auch die strengere Kirchen- und Schulzucht nicht gefallen lassen, weil sie in der Residenz so. flau geübt wird. Wir haben schon gesehen, wenn wir uns auch von den Gesetzten Mosts und der Propheten

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