Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 47 (15.11.1852)
- Date
- 1852-11-15
- Page
- Seite 563 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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863 Vertretern und Repräsentanten gewählt wurde, entschieden worden, ein Gesuch bei der löblichen Landesschulbehörde einzubringen, daß bestimmt werde, israelitische Mädchen, die kacholische Schulen besuchen, müssen die israelitische Religionsschuke besuchen. In dieser Beziehung taucht auch jetzt eine neue Erscheinung auf. Es sind jetzt nämlich mehrere jüdische Präparandinnen hier. Ich habe dabei keinen andern Wunsch, als daß sie dazu beitragen mögen die Sittlichkeit zu fördern und das gläubige Gemüth zu stärken. Denn leider ist eS nicht zu leugnen, daß auch in/dieser Beziehung der Geist deS Materialismus eingezogen ist, und nur zu häufig finden wir das -isnb avrip. Hier wird übrigens jetzt strenge darauf gesehen, daß Winkelinstitute keinen Spielraum haben, und-hat auch die Polizeibehörde die hierüber nöthigen Aufträge erhalten. Wien, 8. November. (Privatmitth.) Wir befinden uns mitten in der Walfibewegung. Soeben sind die Einladungen an die Mitglieder der israelitischen Kultusgemeinde ergangen, sich zur Wahl am 15. d. M. einzufinden. ES werden 5 Vertreter und 15 Beiräthe gewählt und zwar ist das zunächst auf 5 Jahre. Wer irgend welchen Blick in die Zeit und die Verhältnisse hat, der wird gern zugeben, daß dies eine wichtige Periode sein wird. Es wird Vieles nach innen zu thun geben. Denn leugnen wir es nicht, es sind ihrer in religiöser Beziehung alle Meinungen und Ansichten, von der grassesten Orthodorie biS zum Nihilismus vertreten. Es gehören weise Lenker dazu, um das Schifflein über alle diese Gefahren glücklich zu führen. Auch auf dem Gebiete der Schule gebe eS Manches zu thun. Die Gemeinde hat sehr zugenommen und es muß jetzt auch schärfer und kräftiger angegriffen werden, wenn etwaS Durchgreifendes geleistet werden soll. Wir führen hier nur diese zwei Punkte an, eS gäbe aber auch außer diesen so Manches zu schlichten. Wir wollen nur noch berühren, daß wir jedenfalls eine Vertretung nach außen bedürfen werden; und da müssen eben Männer dastehen, Männer des Wortes, Männer deS Geistes, Männer der Thatkraft. Möge es sich schicken und fügen, daß die, durch ihre pekuniären Verhältnisse erste Gemeinde deS Reiches, auch die erste sei in ihrer vorzüglichen Vertretung nach außen wie nach innen. Wir haben auch die feste Ueberzeugung, daß der größte Theil der Männer wieder im Amte verbleiben wird. Es dürften auch selten solche Kapazitäten wie die Herren Josef Wertheimer, Redakteur deS „Geschäftsberichtes", Heinrich Sichrovsky, Generalsekretär der Nordbahn, und Leopold v. Wertheimstein, Prokuraführer deS Rothschildfchen Hauses, vorsinden. Tief zu bedauern wär? eS, wenn letztere Herren ihrer massenhaften Beschäftigung wegen die Neuwahl nicht annehmen sollten. Von vielen Seiten wird die Wahl deS Herrn Mosenthal, k. k. Offizial im Unterrichtsministerium, gewünscht, um dadurch die Schulkommission zu verstärken und nach oben eine Persönlichkeit zu haben, die stets au fait ist. Noch erlaube ich mir anzuführen, daß das Verzeichniß der Mitglieder der Kultusgemeinde an 7H0 beträgt. Da finden sich beinahe alle Klaffen der Gesellschaft vertreten. Darunter sind drei Handwerker, die hier ihr Geschäft ausüben, 1 Professor, 1 Dozent und 1 k.. k. Rath. , Auch drei Zeitungsredakteure sind genannt. Herr Jos. Wertheimer, Herr Dr. Landsteiner von der „Morgenpost", Herr Dr. Wittelshofer von der „medizinischen Zeitschrift". — Wenn sich das bestätigen sollte, daß Juden keine Zektungsredakteure in dem heiligen deutschen Reiche sein dürfen, so wird man nur einen Betrug mehr haben. ES wird nur nominelle Redakteure, oder wie man sie hier nennt „Einsperr- Redakteure" geben. Mir würden einen solchen Vorgang bedauern des unsittlichen Prinzips wegen. Hervorragende Geister, die sich der Journalistik zuwenden, werden immer eine Präponderanz auSüben, ob sie nun den Namen Redakteur führen oder nicht. Literarische Nachrichten. Leipzig, im November. Soeben ist die 21ste Lieferung des Ulten Bandes des Philippson'scheu Bibelwerkö versandt worden, sie enthält die erste Hälfte des Buches Danijel, den erzählenden Theil, die 6 ersten Kapitel. Die zweite Halste jeneS überaus schwierigen Buches befindet sich unter der Presse, und wird in wenigen Wochen ausgegeben. (Auf mehrfache Anfragen bemerken wir, daß die Verlagsbuchhandlung keine einzelnen Theile dieses Werkes — also auch nicht die 5 BB. Mos. abläßt).