Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 47 (15.11.1852)
- Date
- 1852-11-15
- Page
- Seite 560 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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560 zerstreut in Gunzenhausen k., Frankfurt a. M. rc., Amerika. Möge es nur nicht an strenger Kontrolle schien! In dem Zuchthaus zu Lichten au befinden sich dermalen sieben Sträflinge jüdischen Glaubens und zwar drei Zuchthaus- und vier Arbeitshausfträflinge, die ersten wegen Todtschlags, KindeömordS und öffentlicher Urkundenfälschung, letztere wegen Betrugs und einer wegen Meineids. Das wäre nach der BevölkerungSzahl kein ungünstiges Ergebniß. Ein richtiger Schluß vermag jedoch hieraus nicht gezogen zu werden, weil in neuerer Zeit die Konfessionsausscheidung nicht mehr streng eingehalten wird und geringer Bestrafte auch in anderen Anstalten untergebracht werden. Die weiblichen Sträflinge jüdischen Glaubens kommen ohnedies nach Würzburg. Um nicht nach altjüdischer Sitte mit etwas Schlimmen, dem Zuchthaus, zu schließen,* theile ich nachstehend aus einem neuern Werke die Ansicht Napoleons, des Großen nämlich, über die Judenfrage mit, zumal das Urtheil über dessen Gesinnung gegen Juden noch nicht übereinstimmend gefällt wird. „Ein andres religiöses Jntereffe," sagt nämlich General Montholon' in den ihm diktirten kaiserlichen Ansichten (1846), „ein anderes Interesse hatte meine besondere Aufmerksamkeit erregt, weil es benutzt werden konnte, um einen Einfluß zur Vermehrung des NationalreichthumS auSzuüben. Millionen Juden lebten über die Erde zerstreut; ihre Reichthümer übersteigen jede Berechnung; man durfte hoffen, sie nach Frankreich zu ziehen, indem man den Juden gleiche Rechte mit den Katholiken und Protestanten gab und sie dadurch zu guten Bürgern machte. Denn, die Rabbinen lehren, daß die Juden nicht gegen ihr eignes Volk, sondern nur gegen Christen Wucher auSüben dürfen; von dem Augenblick an, wo sie an Rechten meinen übrigen Unterthanen gleich wurden, ryußten sie mich wie Salomo und HerodeS als das Oberhaupt ihrer Nation, und meine übrigen Unterthanen als ihre Brüder ansehen. Sie genossen alle Rechte, mußten eS daher auch gerecht finden, die Lasten zu theilen, Steuern zu bezahlen und sich der Konskription zu unterwerfen. Ich verwirklichte meine Pläne in diesem Betteff. Viele gute Soldaten wurden der französischen Armee erworben, große Reichthümer flössen nach Frankreich, und noch größere würden ohne die Ereignisse von 1814 geflossen sein, weil alle Juden nach und nach, gekommen wären, sich in einem Lande nieverzulassen, wo ihnen Gleichheit der Rechte gesichert war und die Pforte zu allen Ehrenstellen des Staates offen stand. Ich wollte alle Religionen dulden; ich wollte, daß. Jeder auf seine Weise glaube und denke, und daß alle meine Unterthanen, Protestanten, Katholiken, Juden, Mahomedaner, ja sogar Deisten gleich sein sollen, so daß die Religion eines Menschen nicht den geringsten Einfluß auf seine bürgerlichen und politischen Rechte haben sollte." . So weit der Kaiser. Daß sein Neffe ebenso denkt, sollte man aus der Stellung A. Foulds, und daß in allen Antworten im Süden immer nur von der Religion, nicht speziell vom Christenthume die Rede war, schließen dürfen. Allein die Neuzeit hat uns auö Frankreich schon so gar viel Unmöglichgeglaubtes gebracht, als daß wir nicht für unsre Sache eine hoffentlich ungegründete Besorgniß hegen dürften. K. Frankfurt am Main, 30. Oktober. Die Kassel. Ztg. spricht in einer hiesigen Korrespondenz davon, daß bei Berathung des Bundespreßgesetzeö der Wunsch gestellt werden dürfte, einen,Paragraphen einzuschalten, welcher von dem Redakteur jeder in Deutschland erscheinen oder wenigstens für Deutsche geschriebenen Zeitung verlangt, daß er ein Christ sei. (Die Kassel. Ztg. dient seit einiger Zeit, das, waS gewisse Leute wünschen, als geschehende Dorsch lä ge auszusprechen. Wundern sollte es uns nicht, nächstens von diesen Herren zu hören, daß sie den Juden verbieten wollen, deutsch lesen und schreiben zu lernen!) Preußen. Posen, 2. November. (D. A. Z.) In der auf vorgestern Abend angesetzt gewesenen Vorwahl zur Bezeichnung der Kandidaten für die zweite Kammer hat sich ein interessanter und wahrscheinlich folgenreicher Zwischenfall ereignet. .Die Gesammtzahl der Wahlmänner beträgt 148. Die Juden zählen 30 Vertreter. Versammelt hatten sich zu dem oben erwähnten Zweck, nur die deutschen Wahlmänner, wol überwiegend Konservative, mit Einschluß der.Juden. Bevor noch der Wahlakt begann, ließen diese 30 Juden durch ihren Führer, den Bankier und Stadtrath Mamroth, die Erklärung abgeben, daß sie sämmtlich