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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-11-15 · Heft 47 (15.11.1852) · p. Seite 559

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 47 (15.11.1852)
Date
1852-11-15
Page
Seite 559 (sequence 3)
Language
German
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559 Dr. Meisel auS Stettin hat vor vierzehn Tagen in der Synagoge zu Schwerin gepredigt. Auch Herr Dr. Enoch aus Altona soll dem Vernehmen nach mit der hiesigen Regierung in Unterhandlung stehen. Das. Resultat ist aber noch nicht da. Aus Baiern, Ende Oktober. (Privatmitth.) Nach dem neuestes statistisch-geographisch-historischen Handbuch herausgegeben von dem Landtagsarchivar H. P. Stumpf befinden fich in Baiern 59,292 Menschen jüdischen Glaubens. — Von dem Verfasser der freien Zeit auch in diesen Blättern besprochenen gekrönten Preisschrift: ,,Historisch-dogmatische Darstellung der rechtlichen Stellung der Juden in Baiern", Herrn I. Gotthelf, erschien bei G. Franz in München kürzlich eine aüS tiefem Quellenstudium hervorgegangene Schrift, welche in objektiver Darstellung „die rechtlichen Verhältnisse der Juden in Baiern auf Grundlage der neuesten baierfchen Gesetze" zum Gegenstand hat. Bei der verschiedenartig beurtheilien Tragweite dieser Gesetze dürfte diese Schrift nicht nur Seitens des Juristen, sondern auch des Geschäftsmannes alle Seachtung verdienen. — Wenn wahr ist, was die sonst gut gesinnte „Volksbötin" aus München berichtet, als beabsichtigen viele Israeliten dort eine Demonstration gegen die augsburger „Allgemeine", ursächlich ihrer dargelegten Judenfeindlichkeit, so müßte man dies sehr mißbilligen. Eine solche Minorität, wie wir bilden, vermag nichts Erhebliches auszuführen. Wenn aber auch ja, müssen wir denn gleich jedes Parteimanöver nachäffen? Wir glauben übrigens nicht daran, weil wir den Münchner Israeliten einen richtigem Takt zutrauen. Der Leser d. Bl. erinnert sich vielleicht noch der berichteten Bemühungen der mittelfränkischen ReligionSlehrer, eine Unterstützung auS Staatsmitteln herauszuwirken, wie aber ihre Sache erfolglos blieb. Der Landrath von Mittelfranken hat nun bei seinen letzten Verhandlungen auf den Bericht seines Referenten des III. Ausschusses, Herrn Dekan Götz aus Ansbach, die Summe von 500 fl. „zur Unterstützung israelitischer Religionslehrer" auSgeworfen. An der allerhöchsten Genehmigung im Landrathsabschied wollew wir nicht zweifeln. — Herr Rabbiner Dr. Aub in Baireuth erhalt das Rabbinat in Mainz, wodurch Baiern einen seiner intelligentesten Rabbinen verliert. Dem sichern Vernehmen nach beabsichtigt die Gemeinde Baireuth, die ReligionSschullehrerstelle mit der deS RabbinatS zu verbinden, was in solchen Gemeinden, welche keinen eignen deutsch-israelitischen Lehrer besolden können oder mögen, Nachahmung verdient. Von dem Ertrag beider Stellen vermag doch eine Familie auskömmlich zu leben, und die Klagen über die „Beschäftigungslosigkeit" der Rabbinen und die Belastung der Gemeinden mit „Brcdlingen" hat ein Ende. Ein Doppeltes aber möchten wir hierbei zu bedenken geben. Einmal: die Pädagogik ist eine Wissenschaft und ihre Ausübung eine Kunst, was man Alles nicht vom Zusehen, noch weniger als Inspektor einer Schule lernt, und wenn auch Einzelne ohne berufliche Vorbereitung Alles leisten, wie denn auch die Leistungen des Herrn Dr. Aub während seiner Verwesung der dortigen Schule das Motiv zu der projektirten Vereinigung wurden, so möchte es doch gerechten Bedenken unterliegen, Theologen so drevi manu zu Jugendlehrern zu machen. Zum Andern möchte noch zu erwägen sein, daß ein solcher Rabbiner-Lehrer zugleich sein eigner Schulinspektor wäre, wie er auch als Rabbiner keinen Vorgesetzten hat. In der Gemeinde Thalmessingen grassirt der Schar lach bösartig unter den Kindern. Der zuftändige- Rabbiner, Herr De. Löwenmaier in Sulzbürg, soll deshalb ein dreitägiges Fasten und zweimaliges Pfatmensagen deS TageS angeordnet haben. Wie gut ist'S doch, daß so viele Rabbinen Doktoren sind. — DaS Handelsministerium soll in neuester Zeit wiederholt erklärt haben, daß der Lumpenhanbel den Juden, weil Nothhandel, nicht zu gestatten sei. Die in Mittelfranken bestandene LandjudenschaftSkorporation ist nunmehr definitiv aufgelöst. ,.Das vorhandene Stockvermögen ist an die einzelnen Gemeinden pro rata der Einzahlung vertheilt worden. Die fammtlichen Stiftungen, 20 an der Zahl, deren Grunbrefp. Stiftuugskapital20,25.7fl. beträgt, wurden.den einzelnen Gemeinden übertragen, in welchen die Stifter gelebt halten, 'so daß einzelne Gemeinden Stiftungen zur Verwaltung erhielten, deren Angehörige auf den Genuß der Stiftung keinerlei Anspruch haben. Schwabach empfing 9 l 50 fl. Fundirungskapital und über 2000 fl. an Baarschast und StaatSobligationen als Zinsvorrathe. Von der Ellingen zugetbeilten Roth'scherr Stiftung empfängt kein Gemeindegehöriger Etwas und die Interessenten leben weithin

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