Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 47 (15.11.1852)
- Date
- 1852-11-15
- Page
- Seite 558 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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558 * UnS selbst aber dürfen wir dergleichen nicht weiß machen, dürfen nicht die Hand zu solchem Betrüge leihen. Wir wissen recht gut, daß, wenn heute der leibhaftige'MessiaS auf einem auserlesenen Esel-mit Drommeten und Posaunen durch alle Straßen Berlins, oder Frankfurts, oder Hamburgs, oder Preßburgs, ja Warschaus und Wilna'S reiten sollte, von allen diesen Frommen Niemand, der Etwas zu verlieren hat, und sei eS nur die süße Gewohnheit deS SchnurrenS, weiter mit ihm ginge als etwa nach dem nächsten Bahnhofe, und kaum Einer ihm mehr Geld zutragen würde, als etwa ein guter Palmzweig nebst Paradiesapfel kostet. . Wenn in einer Zeit, wo im Süden Menschen, die protestantisch werden, auf die Galeere kommen, wahrend man im Norden aus seiHem Vaterlande verbannt wird, wenn man katholisch wird, so wäre es ein Wunder, wenn der Fanatismus gegen uns nicht ebenfalls wach würde — — und die Beleidigung gegen das.Christenthum, die darin liegt, daß man eS faktisch daS.Bekenntniß ablegen läßt, eS könne selbst nach fast zweitausendjährigem Bestände nicht die agressive Stellung aufgeben, diese Beleidigung zu widerlegen, liegt ja uns nicht ob. Allein, in mehr als heiliger Einfalt noch selbst Holz zu unserm Scheiterhaufen zu. tragen, unseren ehrlichen sowol als unehrlichen Feinden selbst noch neue Waffen in die Hände zu geben, das kann uns deutschen Juden doch wahrlich nicht zugemuthet werden! Also insofern in Palästina eine Anzahl von Juden sich befindet, die in Ermangelung anderer Hilfe auf die unsrige angewiesen sind, da dürfen wir uns ihnen nicht entziehen, und wenn gewissenhafte Männer, die das Terrän kennen, die Hinleitung dieser Leute zum Ackerbau für . möglich halten, so sollen wir diesen Zweck zu fördern suchen. Da wir jedoch UNS nicht berufen fühlen, ein Brütenest von theils blinden, theils sich blind stellenden Bettlern zu begünstigen, auS denen Einzelne wiederkehren und unter dem schwachsinnigen Theile der europäischen Judenschast die verrücktesten Ideen verbreiten, so wird die Vorbedingung sein, daß der weitern Einwanderung in Palästina gleichzeitig ein kräftiger Riegel vorgeschoben wird, der hauptsächlich darin bestehen muß, daß unsere jetzigen orthodoren Komödianten genöthigt werden, dem Beispiel ihrer Vorbilder, der ehemaligen wirklich religiösen Rabbiner, folgen, die allerdings dem hochgetriebenen religiösen Asketiker die Auswanderung in das Land Israels" empfahlen, aber das übrige Volk kräftig von dieser Schwärmerei abmahnten. Wir werden zu diesen Betrachtungen auch durch die Zeitungsente geleitet, der alte Rothschild sei deswegen nicht animirt gegen die noble Passion der frankfurter Reaktion, „weil er zu den Strenggläubigen gehöre". Also wieder dieselbe Lüge, die wir hier bekämpften! Fragt einmal den Rothschild, ob ihm sein Baronsadel, seine Ordenskreuze oder seine Konsulatswürde rc. gleichgiltig sind, die er ja auch nicht mehr gebrauchen kann, wenn der Messias kommt! Damit soll aber nicht geleugnet sein, daß wir freidenkenderen Juden in diesem Augenblick nicht ein größeres Interesse haben, jene gleißnerischen Vorspiegelungen zu bekämpfen, als unsere Brüder von der striktem Observanz, so wie unS auch bei dem gegenwärtigen Religionskampfe unsere Parteinahme trotz alledem und alledem aufgedrangt ist. Denn wir können nicht so blind sein zu glauben, daß nach Unterdrückung deS christlichen Protestantismus man den unfrigen unbelästigt lassen werde. Jene werden sich immerhin zu helfen wissen, da eS ihnen nie an Zuhörern fehlen wird, die ihnen ihre Historien gern abnehmen. WaS die hiesigen Verhältnisse betrifft, so ist ungeachtet der Zeitungsberichte noch immer nichts Reaktionäres in Bezug auf uns Juden auf das Tapet gebracht.- ES ist mir gelungen, den deutschen Ursprung deS jüdisch-deutschen Wortes Schalend- oder Scholen-Essen mit ziemlicher Sicherheit herauszubringen. Schor heißt nämlich auf altdeutsch Heerd, Ofen, Kamin, wovon Schor-stein, schüren u. s. w. Mithin ist Schorlein, Schorlin, Scholin ein Oefchen, und ganz richtig sagt man z. B. Erbsen in Scholin setzen, d. h. in's Oefchen setzen, eine Redeweise, die gar nicht erklärlich ist, wenn Scholin nicht ein Substantiv wäre. Daß in der Reb' Henoch'schen Zeit auS Scholin Schalen und Schalet gemacht wurde, wird man ganz natürlich finden. UebrigenS sagen die Juden in einigen südlichen Gegenden Schorsuppe. Aus dem Großherzogthum Mecklenlenburg-Schwerin, 4. November. (Privatmitth.) Zur Rabbinerwahl wirb jetzt kräftig geschritten. Herr %