Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 46 (8.11.1852)
- Date
- 1852-11-08
- Page
- Seite 549 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ten. :Wie> rigoros/manche?unftrerl Mabbinew^gegen - Lehrerverfahren, können -Sie daraus versetzen, kdaß der Rabbinerzu Mattersdorf im.ödenburger Komitate,' Simon- Sofer, — Sohn des alten preßburger?Sofers — gegen die Anstellung meines Lehrers feierlich protestirte, welcher sichvoriges Jahr in seinem Anmeldungsschreiben bei der mattersdorfer Gemeinde bei Angabe des Tages und Wahres der allgemein üblichen Zeitrechnung bediente! Was die Brust unserer Altkonservativen ferner beengte, war die naheliegende Besorgniß, daß die künftige Organisation des jüdischen Kultus- und Gemeindewcsens von den neu anzustellenden Rabbinen wissenschaftliche Bildung und. regelmäßige Studien fordern konnte., So ungern es auch Ihre Romantiker in Deutschland hören mögen, so muß eS doch gesagt und konstatirt werden, haß der vollblütige, sich seiner selbst bewußte Rabbinism der Kulturv'erbreitüng mit allem Nachdrucke ' Widerstand leistet. ES hält derselbe jede nichttalmüdische, wissenschaftliche Beschäftigung für' eine Verletzung der babilönischen Gemarch die ja Alles in Allem enthalte/ und eS fühlt derselbe instinktmäßig ein unüberwindliches Mißtrauen gegen den Talmudglauben der Jünger der Wissenschaft. ' Dir gesammte Orthodoxie in Ungarn kann nicht einen einzigen Rabbiner aufweisen, der nur einen einigermäßen korrektem deutschen Brief schreiben könnte. Dagegen ist die Zahl' der exklusiven Pilpulisten bedeutend/ die äuf Rabbinäte aspiriren. 'Hieraus erklärt sich der Umstand, daß bedeutende Gemeinden — wie Altofen, Großwardein, Papa — nicht im Stande sind, zu einer Rabbinerwahl zu schreiten. Die gebildeten Gemeindeglieder wollen Nichts von einem pilpulistischen, die? populistischen Nichts von einem gebildeten Rabbiner wissen. Schulen und Lehrer, stuöirte Rabbinem und Predigten! — gegen diese vielgefürchteten Nebel -wollten sich unsere Frommen vor Allem -verwahren. Auf welchem Wege? Zunächst schlossen sie ein Bündniß, Kraft dessen sie.sich feierlich - verpflichteten,, keinem Kandidatendie Hattara zu verleihenvon dem vorausgesetzt werden könnte, er würde deutsche Predigten oder Deraschot halten. ■» Und um solchen Kandidaten die Erlangung einer Hattara auch -im Auslande unmöglich zu machen, entsendeten.sie den Rabbiner zu Szenitz/ Juda Aßod, nach Nikolsburg, um Hirsch in diesem- Sinne zu bearbeiten. - Letzterer war schwach genug/nmHie? Liga? zu treten-und-das verlangte Versprechen zu geben. Seltsame Heuchelei!. 'Hirsch-selbst hielt in Nikolöburg deutsche, - oratorische Kanzelvorträge. Seine Schüler hielt eran, sich in derlei Vorträgen fleißig zu üben. Und doch verweigerte er denselben die Hattara, wenn sie ungarische Landeskinder waren! ■' : Da indeß den Kandidaten noch der Ausweg blieb, sich in Prag oder Pesth ihre Rabbinatsdiplöme zu Holen, und da eS auch Gemeinden gab', welchen diese Diplome vollkommen genügten, so mußte auf ein anderes Mittel gedacht werden, um den „Neuerungen" zu steuern. Auch lag den Frommen noch ein Drittes am Herzen, welches sie durchsetzen zu müssen glaubten. Was dieses Dritte war, und welcher Weg eingeschlagen wurde, um zum Ziele zu gelangen — davon im folgenden Briefe. Kleine Berichte ans den Gemeinden. Aus Kurhefsen. Vorbemerkung der Re. d a kt i o n.," Von guter Hand sind uns „Reiseskizzen" ju» gekommen, die eine Wanderung durch Kurhessen beschreiben. Mangel an Raum verhindert uns, dieselben in ihrem ganzen Umfange zu geben/ und heben 'wir nur die Stellen hervor, /welche?deN Zweck d^W —.In A bt erode am Fuße - des MeiSner traf ich eine vw an, vielleicht noch Trümmer einet ^27«^, die in früheren Zeiten hier geblüht haben soll. Ueberhaupt wird in dieser Gegend noch ein. Wenig „gelernt", so. leben auch in dem benachbarten Frankershausen einige sehr talmudisch gebildete Männer. Abterode, aus dessen Mitte vielleicht mehr jüdische Lehrer stammen, als aus irgend einer andern Gemeinde KurhessenS, besitzt in der Person deS ebendaher gebürtigen Herrn Westheim einen ausgezeichneten Lehrer. Seine Methoden erweisen sich, so sehr praktisch und bewährt, daß der- Schulinspektor des SprengelS häufig feine ihm untergebenen Lehrer veranlaßt, die Schule des Herrn Westheim zu besuchen und sich dieselben ebenfalls anzueignen..*) UebrigenS findet - *) An merk., für L ehr er. Den Leseunterricht ertheilt er ganz L ls Jacotot, er -bedient sich hierbei selbstgeschriebener/ großer, beweglicher Buchstaben, die er ihrer