Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 45 (1.11.1852)
- Date
- 1852-11-01
- Page
- Seite 536 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeitimgsnachrichten. Deutschland. . Frankfurt am Main, 21. Oktober. (Privatmitth.) Sie wissen, der . Schlag ist gefallen, und die Wirkungen — wir müssen sie tragen. Zwar grollt eS tief in den Gemächern, und macht sich auf allerhand Weife Luft, aber das ist eben Nichts als eine Erleichterung des ÄthemS, und wird bald dahin fein. Der Vorstand hat protestirt; 456 Bürger unftrs Glaubens haben protestirt"; Viele der.Reichen drohen fortzuziehen; Mehrere haben gewissen Handwerkern, die besonders agitirt haben, ihre Kundschaft entzogen; gegenseitig droht man mit demselben Verfahren. Kurz, erbittert ist man — aber die faktische und praktische Tragweite ist nicht sehr groß, man ergiebt sich. Und was soll eS auch? Unter solchen Scharmützeln leiden die Einzelnen — aber das Ganze bleibt davon unberührt, und darum sind jene nutzlos. Die Frage beschäftigt Viele: hat es der Senat gern oder ungern gethan? So lassen Sie mich unverhohlen sagen: von selbst gethan hatte es Niemand, aber zwingen ließ man sich gern, und darum — leicht. Wenn dieser Vorgang nur nicht ein so gewaltiges Präjudiz wäre! Darum ist eS nicht schwer zu prophezeien, daß man, was hier, den Juden geschehen, noch schmerzlich selbst in größeren deutschen Staaten auch in ganz anderen Dingen empfinden wird! Bemerkenswerth bleibt es immer, daß sowol berliner als wiener Zeitungen sich so eigenthümlich über diesen Gegenstand ausgesprochen haben; so hat die Voss. Ztg. dem Bundestage geradezu das Recht abgesprochen, und die wiener Zeitungen drücken ihr Bedauern aus, daß der jüdischen Bevölkerung entzogen wird, waS sie so geraume Zeit schon besessen. Beweis: daß, wenn der Senat gewollt, er noch lange hatte widerstehen können. Deffau, 13. Oktober. Um die mehrfach entstandenen Zweifel über die den Bekennern des Judenthums obliegenden Gemeindeverpflichtungen zu heben, hat das Gesammtministerium verordnet, daß jeder Landesangehörige, welcher sich zur jüdischen Religion bekennt, abgesehen davon, auf welchem Standpunkt der religiösen Anschauung er sich sonst befinden möge, selbstredendes Mitglied der bestehenden israelitischen Kultusgemeinde seines Wohnorts und als Solches 836 verpflichtet ist/- die zur Erhaltung derselben und ihrer Anstalten erforderlichen Lasten und Abgaben zu tragen, auch, - sich der bei der Gemeinde herkömmlichen ^Einrichtung und -gesetzlichen Ordnung zu fügen. Oester re i ch i sche r K a i s er st a ü t. Sambor (Galizien), 17. Oktober. (Privatmitth.) Bis an'das Jahr -1849 war die Lage der Israeliten in Galizien sehr prekär,- so zu sagen hart bedrängt. In einigen Städten waren unsere Glaubensgenossen jn einen eigens bestimmten isolirten Bezirk verbannt, wo sie eingeschloffen sich kaum bewegen konnten — anderer Orten der Aufenthalt ganz verboten, endlich in anderen Städten ihnen der Ankauf von Grundstücken, so auch in unserer Stadt Sambor, gänzlich versagt. Auf dem Lande aber erreichte die Noch der dahin vom Schicksal verschlagenen Israeliten den höchsten Grad — der Jude war nach dem Patente nicht geduldet vom Ortsrichter, Mandatar, Aktuar, Kanzlisten u. s. w., nach Bauer Willkür, oder auch aus pekuniären Rücksichten bedroht, gepreßt oder auch fammt Familie oft im strengsten Winter kaum mit dem Hemd bedeckt nach der Kreisstadt, resp.'zu der Hauptgemeinde verschoben, daselbst natürlich ohne Obdach dem drückendsten Mangel geopfert worden. Um allen diesem Elende zu entgehen, trachtete Jeder mit aller Anstrengung diese Katastrophe von sich abzuleiten, es mochte kosten waS es wolle — unberücksichtigend, ob seine Familie dadurch entblößt werde. Mit dem Jahre 1849 ging auch bei uns ein schönes Morgenroth auf. Unser huldvoller Kaiser, dem die Beglückung der Völker so sehr am Herzen liegt, sprach daS große Wort der Gleichberechtigung oder Gleichstellung aller Konfessionen vor dem Gesetze aus. Da erloschen alle Privilegien, «und der Jude durfte sich unter seinem christlichen Bruder frei bewegen. Gebildete und aufgeklärte Christen, edle Seelen, dem Fortschritte und der Menschenliebe huldigend, boten dem bis dahin verachteten Israel die friedliche Hand offen und'willig. Der Gemeine — eigentlich Professionist und die Hefe des Pöbels vermeint ihre Rechte und Privilegien geschmälert zu sehen,! pocht auf ihre mittelalterlichen Rechte, und versuchte schnell, bevor irgend eine Erfahrung gesammelt wor-