Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 45 (1.11.1852)
- Date
- 1852-11-01
- Page
- Seite 535 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225768-3225814--12735-3242930- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
585 nachlässtgung alleg.Religiösen tut Hause, Sabbat und Festtag in den allgemeinen Schulen zubringend, zum Gottesdienst nicht angehalten, höchstens einen spärlichen, der Jugend lästigen «Privatunterricht' 4t- „Stunden" — -erhaltend — o die Seifenblasen, o der bloße Name, o die Spreu, die^ de^ Wmd^verweht^ö die trockenen Reiser, die bei der ersten Berührung abfallen!! . . . Nein, es giebt nur ein wesentliches. Mittel! — die jüdische Schule. Diese Mahnung richten wir heute insonders an die Rabbinen. Sowol an die modernen, als auch an die alten als die gewissermaßen in der Mitte stehen. - . Die . modernen Rabbinen —^ man sehe dem Worte nach, wir wollen ja nur die Richtling bezeichnen -—haben den Fehler begangen, daß sie die Menschen zu sehr für Prinzipienmenschen hielten. Es. ist so viel von den Fehlern der alten Rabbinen gesprochen worden, daß es Zeit ist, auch die Irrungen der modernen Rabbinen offen zu bekennen, denn es ist an der Zeit, allen Prunk und Schein abzulegen,..und den Dingen auf den Leib zu rücken. In der Meinung,! dass die durch die Predigt verkündeten höheren religiösen Grundlehren und Grundsätze genügten, die Menschen an die Religion zu fesselnin der Hoffnung, daß der gebildete und geschmackvollere Gottesdienst hinlänglich Nahrung für den religiösen Geist darbieten werde, ist das spezifische Judenthum vernachlässigt worden, und übersah man, daß alle diese Mittel erst dann wirksam wären, wenn die Jugend dafür erzogen worden, und daß ohne religiöse Erziehung der Jugend alle diese Mittel erfolglos sind, oder doch bei Weitem geringer an Erfolg, als sie angeschlagen worden. Die modernen Rabbinen haben sehr häufig die Schule hintenangesetzt, und waren zum Theil prinzipiell der jüdischen Schule abgeneigt: Während aber viele der modernen Rabbinen gleichgiltig gegen die Schule waren, und sie nicht pflegten, wie sie sollten — waren die orthodoxen Rabbinen mit sehr wenigen Ausnahmen fein b f e I ig gegen die Schule, und weit entfernt sie mit ihrer Autorität zu sanktioniren, suchten sie meist sie?u erdrücken, zu, beseitigen. Hierin zeigten sie eine Beschränktheit, wie sie in keinem Klerus jemals vorgekommen. Für ihre Personen verachteten sie .die Schule, und glaubten sich hoch erhaben über jede Mitwirkung am Untenichte der. Jugend,, für ihre Partei haßten sie die Schule, indem sie sie für die Mutter der Neologie hielten. Die Kurzsichtigen! Unterdeß ging das Leben mit Siebenmeilenstiefeln vorwärts- und riß die Jugend von. Hannen. 4. . Es ist doch Zeit/ldaß sich die Herreneinmal d.ie Frage vorlegten, was soll daraus werden? Auf. welche Weife wirken wir dagegen ein? - Auf welche Weise können wir hoffen, noch irgend Was zu erhalten? Es ist Zeit, daß -sie jenen türkischen Fatalismus aufgeben, mit welchem sie die Hände in den Schooß legenum es gehen zu - lassen / wie es geht4 stll4 Mittel aber, dieirgendwiewirksamsein könnten, vernachlässigen, und da sie' ihre' Heerde irr den 'alten Hürden und Zäunen ’(jpd!) nicht halten könnensie lieber auf's freie Feld nach allen Wellgegenden auseinanderlaufen lassen! Allerdings giebt es noch große Länderstriche wo die orthodoxen Rabbinen im Stande sind, das Schulwesen zu ruiniren- und da, wo es emporblüht, eS im Keime zu stechen, daß es welkt und vergeht. Und wie anders könnten sie wirken.' welcher Einfluß auf die Gestaltung der Schule bliebeihnen Vorbehalten/ wie würde ihre bloße Zustimmung, ihre bloß äußerliche Billigung beleben! Statt dessen -' wollen sie lieber Alles oder -gar Nichts, und dies ist für viele Gegenden ein großes Unglück. ... ' Aber die modernen Rabbinen ’sind meist alt geworden, und der orthodoxest werden immer wenigere. Dafür treten immer -öfter solche jüngere Männer ein, welche bei moderner Bildung den' Charakter der Orthodoxie sorgfältig vor sich hertragen. Gut. Es ist nicht unsre Sache, ihre Aufrichtigkeit zu bezweifeln. Aber sie müssen sie bewähren. Und dies können diese im eigentlichen Sinne nur und allein in der Schule. Sie, die ihre Bildung in der Schule erlangten, und dem spezifischen Judenthume anhangen, sie, die den Kultus höchstens äußerlich ordnen, im Uebrigen Alles im Alten erhalten wollen, ihnen bietet sich nur der einzige Weg: die spezifisch jüdische Schule. Wollet Ihr also die Meinung, sagen wir vielmehr den Verdacht vermeidenals ob eS Euch nur um Autorität und gute Stellen für Eure Personen zu thun sei: so müsset Ihr Euch'ganz und gar der Schule widmen,, sie ist.Eure Arena, sie Euer Beruf! Wir haben genug gesagt. Es wäre Anmaßung unsererseitswenn wir glaubten, die Herren belehren zu wollen — nicht belehren, nur aufforderu, anspornen.Pollton wir, und dies ist für Jedermann von Zeit zu Zeit nothwendig, wenigstens^ nützlich. Und wenn unser Wort im Ganzen erfolglos verhallen, und höchstens hier und dort Erwägung wecken sollte — so hätte eS schon genug gethan. Dixi et salvavi animam meam.