Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 45 (1.11.1852)
- Date
- 1852-11-01
- Page
- Seite 534 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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den höchsten Segen über den Menschen aus — wer zweifelt noch hieranUnd als - Er zu Israel: sprach-: geh in die^Ver^annung,zerstreue dich über die Erde, mnd erfahre überall Ausschließung 'üüd Drück —' da "sprach fremde Fanatiker sagen einen Fluch, wir aber — den höchsten Segen über Israel aus, denn da erst weihete Er es zu Seinem rechten Diener und Sendling, .zu Seinem. rechten Priester und Leviten. Und jetzt, wo wir Juden längst nicht mehr im dumpfen Ghetto brüten, wo Licht und Luft des Lebens uns treffen und durchdringen, wie jeden Andern, wo' alles menschliche Streben unseren Geistern und Herzen so nahe liegt, wie irgend Einem, jetzt, wenn wir, im vollen Bewußtsein deS Menschenthüms, nicht zagen und anstehen, zu nehmen und zu tragen was über uns kommt um der Religion willen, um der Erkenntniß willen, die sie uns bietet, und um des Berufes willen, den sie uns ertheklt, um der viertausendjährigen Geschichte willen, die sich an uns vollendet, oder doch fortbaut — jetzt bewähren wir uns erst recht als die Söhne jenes Juda, das. noch niemals zurückgewichen vor den. Dornen an seinem religiösen- Ehrenkranze, das der Welt sich niemals beugte, wenn diese es bedrängte um seines Glaubens willen! Wer ist ein Mann? Der sich, in dem wachsenden Geschicke des Lebens standhaft, ausharrend, sich selbst getreu erwies. Sie kommt theuer zu stehen, diese Würde eines rechten Mannes, er bostet viele Mühsale, dieser Charakter eines festen Mannes — aber nicht zu viel, denn der Lohn lieget in ihm selbst. .. . Dies für und auf Euch, ihr Männer und Frauen Israels. Niemand glaubet, daß wir hiermit gesagt haben, daß wir Israeliten aufhören müßten, nach der Gleichstellung zu streben, und für ihre Erlangung zu thun, was uns vergönnt ist. Nimmermehr. Es ist Vieles in der Menschheit, wonach diese strebet immerfort, und sie erlangt es nicht heute und nicht morgen, und sie darf nicht aufhören danach zu ringen. Es gehört dies zu ihrem Wesen und zu ihrer Bestimmung. Ob wir sie erreichen, dies ist eine andre Frage — aber in unserm Wesen und unsrer Bestimmung liegt es, unaufhörlich für sie zu arbeiten. Dadurch erhält auch unser Opfer den rechten Werth. Wir fühlen uns ihrer würdig,' wir erstreben sie, aber sie wird unö versagt. Und daß sie unS versagt wird, sollen wir erkennen, und gerade darum uns nur inniger an unsre Religion anschließen; dies ist unsre Gedankenfolge. Ein Hauptmotiv liegt aber auch in Folgendem. Was uns an der Gleichstellung versagt wird, ist weder an allen Orten noch in allen Zeiten gleich; zu einer. Zeit Pieles, zur andernAWnkges, hierDieMdoptHeneS. D-DurchHunser Strehew ..nach. .^Gleichstellung; ^durch' die innerhalb der Schranken oer Landesgesetzgebung gehaltene VertheidigÜng unserer Rechte können wir wenigstens erreichen, daß die Ausschließung nicht zu trübselig, die Bürde nicht zu schwer - sei, daß sie doch irgendwie; das Maß der Zeit und Verhältnisse inne halte — schon ein großer Gewinn. Also: welche auch die Erfahrungen sind, die wir machen — lassen wir uns nichtüberraschen und nicht überwältigen, verstehen wir sie in der Ganzheit der Geschichte, und ziehen wir Nichts daraus als eine immer innigere Liebe zu'unsrer Religion, in ihr Aufrichtung und Lohn zu finden für Alles! Die jüdische Schule. IV. . . An die Nabbinen. ... Die Auflösung und Zersetzung im Religiösen findet heut zu Tage nicht mehr bloS in den feineren, gebildeteren, begüterten Kreisen statt, sie hat auch die untere Masse ergriffen- und geht hier einen schnellen Gang. Und gerade in der Masse, wo mit der Satzung auch Glaube und Bekenntniß zu schwinden pflegt, wo viel weniger Lehre und Ueberzeugung als die anerzogcne und an gewohnte religiöse Haltung wirksam ist, ist diese Entfremdung am Gefährlichsten. - Führen wir dieses Thema nicht aus, sondern fragen wir vielmehr: wodurch'treten wir Dem entgegen? Die einzig mögliche Antwort ist: die jüdische Schule — als halbes.Mittel die jüdische Religionsschule, als ganzes Mittel die jüdische Schule. Je mehr sich aus den Häusern der Juden die Religiosität entfernt (die zeremonielle und die geistig innerliche), bleibt die einzige Pflege für die Jugend in der Schule übrig. Die Eindrücke, die sie da erhält, die Lehre, die sie in sich aufnimmt, der Unterricht, den sie empfängt, die Selbstständigkeit, in der sie ihre Religion erscheinen steht —- all dies ist von unschätzbarem Wenhe und bildet allein die zukünftige Grundlage des religiösen Lebens. - :'- Ihr zuckt die-Achseln- und meinet: aus den bestehenden jüdischen Schulen haben wir genug junge Leute ' hervorgehen sehen, welche gegen das Judenthum sehr gleichgiltig wurden. Sehr wahr. Aber wie wäre eö 7 ohne diese Schulen? Aufwachsend mit halber oder ganzer Ver-