Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 44 (25.10.1852)
- Date
- 1852-10-25
- Page
- Seite 526 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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526 ausschließlich die christliche Einsegnung und die Erziehung: der Kinder solcher Ehen in der christlichen Religion verlangen. Allen Anzeichen; nach dürsten jene Vorstellungen nicht ohne Erfolg sein. Gmden, 8. Oktober. (Eingesandt.)^ Am 20. Tischri d. I. starb hier in seinem 83sten Lebensjahre der nbnpn. lyrrz und v Moses Saphrah, geboren zu Wreschna im Großherzogthum Posen. Im Jahre 5559 trat er hier sein Amt an , das er über ein halbes Jahrhundert mit Treue und Pünktlichkeit verwaltete. Mit unermüdeter Thätigkeit wirkte er in seinem Amte wie für die Seinen, fast bis zu den letzten Tagen seines Erdenlebens. Durch seine Bescheidenheit, durch sein schlichtes, - anspruchsloses Leben hat/ er sich die Liebe und die Achtung Aller, die ihn gekannt, erworben; durch seine stille Wohlthätigkeit hat er so manchem Unglücklichen Trost und Hilfe gebracht, so manche Roth gelindertso manche Thräne getrocknet, und sein Andenken wird noch lange in hiesiger Gemeinde erhalten bleiben. Als wahrhaft frommer Israelit dem orthodoxen Judenthume treu, war er dennoch kein Eiferer für dasselbe, sondern huldigte vielmehr jedem zeitgemäßen Fortschritte. Als Familienvater war er ein treuer Versorger des Hauses, ein guter Erzieher seiner Kinder, die er zu braven und nützlichen Menschen herangebildet , hat, und schon "bei seinem Leben - wurde sein Sohn ihm im Amte beigegeben und zu seinem Nachfolger ernannt. ' Möge er nun auSruhen von den Sorgen und Beschwerden seines langen, mühevollen Lebens und dort oben den wahren Lohn für seine Tugenden ernten. U. Oesterreichischer Kaiserstaat. . Wien, 11. Oktober. (Privatmitth.) Ich habe Ihnen in einem meiner letzten Briefe berichtet, daß die „polnische Schule" autonom gestellt wurde. Ich erlaube mir heute in Kurzem darauf zurückzukommen und muß dabei ein Stück Chronique scandaleuse erzählen. ' - Die polnische Schule führt diesen Namen jetzt nicht der Polen wegen, die sie erhaltenda die jetzt hier lebenden Polen dem größten Theile nach sehr arm sind und dieselbe zumeist, von Deutschen erhalten wird, sondern weil der sogenannte polnische Minhag in der Liturgie ist. Zu den Zeiten, als der.hiesige Tempel erbaut wurdehat der selige Biedermann darauf - gedrungen, daß die -Verwaltung^überhaup^ sv/wie - die Vorsteher unter Kontrolle der Vertreter.stehen., ES war den Polen: freigestellt, nach innen ihre-Synagoge zu ordnen wie es ihnen beliebt. ESwardieseine Maßregel, dir gewissermaßen nothwendig war,- um einerseits der Ruhmsucht und Eitelkeit, andererseits der. Schwindelei Grenzen zu setzen. / - - In neuester Zeit nun hat ein Mann, ein Pole von Geburt, der der früheren politischen Verhältnisse wegen sich einen Paß auö der Türkei verschaffte, um als türkischer Unterthan den. hiesigen Aufenthalt genießen zu dürfen, beim Ministerium des; Kultus ein Gesuch eingebracht/ versehen mit falschen Unterschristen, um die gänzliche Autonomie.der polnischen Schule. In diesem Gesuche verlangt derselbe, ihn selber zum lebenslänglichen Obmann der polnischen Schule zu machen. Zu näherer .Charakteristik sei mir nur noch erlaubt, zu bemerken, daß derselbe jüngst wegen maßlosen Wuchers von hier ausgewiesen wurde, und nur nach vielen Vorstellungen von Seite, seiner Familie durfte eS ihm gestattet werden wieder zurückzukehren. — Während diese Angelegenheit beim Ministerium verhandelt wurde, war der hiesige BethauSvorstand des Tempels, dem es zur Aeußerung zukam, auf dem Lande, und so hatte derselbe, gut im Trüben zu fischen, und das Ministerium bewilligte die Eingabe. Dadurch dürften jetzt bedeutende Spaltungen hervorgehen. Die Polen pochen aus ihr Recht, und die Deutschen, die dem polnischen Ritus anhangen, wollen sich mit denselben nicht vereinigen, da sie nicht für ihr Geld als „Aschenbrödel" behandelt werden wollen. Zu Ende dieses Monats findet auch die Neuwahl der Herren Vertreter, statt.; ES wird dies sehr im Interesse der Gemeinde sein, wenn die Neuwahl vor sich gegangen sein wird und die jetzigen auf's Neue bestätigt — waS von den Meisten wahrscheinlich .der Fall' sein wird — oder glücklichere Neuwahlen getroffen werden. Es gäbe so manche Dinge zu schlichten und doch.wollen die Herrn Vertreter.in den letzten Momenten ihrer Wirksamkeit nichts Durchgreifendes vornehmen. So ist die Frage um einen neuen Tempel eine sehr brennende und gewärtigt noch die-Lösung. Der Tempel faßt an Feiertagen nur einen sehr geringen Theil deö andächtigen Publikums, und'