Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 44 (25.10.1852)
- Date
- 1852-10-25
- Page
- Seite 522 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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auszuüben vermögen? Sollten nicht, schließt man endlich,, öffentliche Prüfungen genügende Bürgschaftengeben? Um die>letzte Frage gleich abzuweisen.; .so halten --'wir öffentliche^ Prsifunhen für"sehr zweckmäßig; Solche zwingen immerhin die Lehrer sich an gewisse Maße zu halten, den Unterricht zu konzentrirm, und auch den Sonntagsstaat einmal anzulegen ist förderliche Aber. Bürgschaften, oder gar genügende Bürgschaften gelben sie nicht im Entferntesten; denn der beste Lehrer, der mit den schönsten Erfolgen arbeitet, muß bei öffentlichen Prüfungen mehr auf den Schein, als das Sein sehen, muß sich vielmehr auf Auswendiggelerntes und Einstudirtes als auf wirkliches Wissen und Verstandenhaben verlassen. DaS Beste, was er leistet, ' fällt nicht in die Äugen und kann daher bei öffentlichen Prüfungen nicht zum Vorschein gebracht werden. Die beständige Beaufsichtigung von Seiten solcher Personen, die der Schule im engem Sinne nicht angehören, ist aber gar nicht zu ersetzen sowol hinsichtlich des Unterrichts als auch der Disziplin. Zuerst: eS liegt in der Statur des Menschen sich gehen zu lassen; der beste; einsichtsvollste, gewissenhafteste Lehrer läßt sich; Falls er sich unbeobachtet sieht, gehen; erhebt sich seltner zu der Höhe, zu dem Eifer, zu der Gemessenheit, die ihm-wie von selbsten kommen, wenn er auch Andere gegenwärtig sieht, Andere zu erwarten hat, außer seinen Schülern; wird weniger fest an Methode und Lehrgang sich halten; wird weniger -sparsam mit der Zeit umgehen. In allen diesen Punkten ist es für den Lehrer ein ungeheurer Sporn, Falls er recht oft Mitglieder der Schulvorstände in der Schule zum Besuche steht und zu erwarten hat, Falls sie sich häufig in Konferenz mit ihm befinden, ihn um das Geschehene und zu- Geschehende befragen u. s. f. Wir sagen ein Sporn, sowol um nicht in Lässigkeit zu verfallen, als auch um vorwärts zu gehen. Alsdann: Lehrer und Schüler leben in und mit einander, sie bilden sich zu zwei Parteien, wo Liebe, Furcht, Haß und Nichtfürchten ihre Rollespielen, um-das Betragen zu bestimmen. Kommen nun recht häufig andere Personen zum Besuche der Schule, so ist dies eine sehr wesentliche .Unterstützung, um die Disziplin zu erhöhen; der Schüler nimmt sich mehr zusammen, der Lehrer strengt alle Kraft an, um die Disziplin zu erhalten, und es ist noch eine Instanz mehr da für Lohn und Strafe. Wie willkommen für den Lehrer, wie wohlthätig für den Schüler! Ferner: es giebt der Schulanstalt außen, und innen ein höheres Ansehen, wenn Männer der Gemeinde eifrig sich um sie bekümmern; es verleiht ihr ein - lebendigeres Interessesie, sieht 'nicht so isolirt; ffo sern hon Her Gemeinde, indewr zwisshen^jenen, den Lehrern'und denSchülern upbewußt ein neues Band geknüpft wird. — Alles dies schon indem wir vorauSsetzen, daß die Mitglieder der Schulvorstände keine sehr einsichtsvolle, mehr wohlwollende als sachkundige' Männer j sind;: Nüst aber setzen wir den Fall, daß ein und der andere höher begabte Mann darin sitze: welche unabsehbare Vorthekle bietet dann die fortgesetzte Beachsichtigüngt durch den 'Schulvorstand! Gerade weil ein Solcher mit, aber nicht in der Schule lebt, ist er im Stande auf Methode und Lehrgang den segensreichsten Einfluß zu üben, er wird die Lehrer anhalten, immer fortzustreben, er wird die Schule zur Fortbildung anleiten, weil er leichter neue Ideen fassen Und heranbringen kann, als der in seinen einmaligen. Gang eingewohnte Lehrer. In der That hierzu braucht er kein stndirter Pädagoge zu sein. Meine Leser sehen, wir sprechen hier gar nicht von der Gründung und Konstituirung einer Schule, nicht von der Wahl der Lehrer, nicht von der ersten Einrichtung und. den Mitteln der Schule, Dinge, auf welche die Schulvorstände so bestimmend und für lange Zeit entscheidend einwirken, sondern nur von der fortgesetzten, steten Beaufsichtigung der Schule. WaS wir oben hierüber gesagt haben, weiß jeder einsichtsvolle Lehrer zu schätzen, ja wir glauben, ohne den geringsten Widerspruch zu erwarten, behaupten zu können: daß gerade der gute. Lehrer eine solche Beaufsichtigung erwünscht; und eS kann Euch das sicherste Zeichen sein, daß Ihr einen tüchtigen Lehrer habet, wenn er sich darum bemüht, eine solche Beaufsichtigung der Schule zu erhalten. Er weiß die güte Wirkung auf Schule und Schüler zu würdigen, und findet einen Lohn in der Zufriedenheit seines Vorstandes; er hat in diesem einen Schild gegen die steten verkehrten Urtheile der meisten Eltern, die dem Lehrer zuschreiben, was ihre Kinder, und noch mehr sie selbst verschulden. Was wir gesagt haben, soll dazu dienen klar zu machen, wie zur Blüthe einer Schülanstält eine eifrige Schulkommission nothwendig gehört, soll den Gemeindevorständen als Pflicht auferlegen, für einen eifrigen Schulvorstand zu sorgen, soll den Schulvorständen zum dringendsten Gebote machen, eine pünktliche, fortgesetzte Beaufsichtigung, einen immer wiederholten Besuch der Schule, regelmäßig und außerordentlich, herzustellem Wo keine