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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-10-18 · Heft 43 (18.10.1852) · p. Seite 516

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 43 (18.10.1852)
Date
1852-10-18
Page
Seite 516 (sequence 8)
Language
German
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Israelitischer Religionsunterricht für Volksschulen, von B. F o g e S > ReligionSlehrer aw der Mädchenschule in Prag. Prag, 1851. DirprageM^üdischeHauptschule hat zur jüdischen uSchulliteratur bisher das größte Kontingent ge. liefert. Ich erwähne hier LloS -den Verfasser des Bne Ziorr, Herz! Homberg, den. vielschreibenden; P et er Beer, die MathematikercS.; Ganz und Klabevr. Wessely, dessen.biblischerKatechismus- Netib-Emüna, bereits in dritter Auflage erschienen^ -4- Herr FogeS hat nun auch den. dringenden Bitten feiner Kollegen nachgegeben und seine vieljährigen Vorträge an der Mädchenschule herausgegebenund M. Lanvau hat die Dedikation angenommen. - Alles -dieses spricht sehr zu Gunsten deS vorliegenden Merkchens,' das erst nach langjähriger Erfahrung an der.'Präger Schuleden --weiteren Kreisen übergeben wurde. Die Form ist : katechetifch und an die biblische Geschichte (1 und 2 B. Mos.)' anknüpfend, wäSHewiß -zu-ibilligen ist, da der erste Unterricht in Religion mit den biblischen, in.: kindlicher Sprache mitgetheilten Erzählungen! beginnen soll. Allein plötzlich scheint Herr FogeS seine Mädchenschule auS den Augen verloren zu haben , und einStückaus der ungemein weitläufigen Vorrede muß ihm in daSBuch hineingerathen sein. Möglich daß Herr FogeS ein Mitkämpfer der Emanzipation der Frauen und er Amazonen für die: Reformgenoffenschaft bilden will..!Doch ich mag die Geduld deS LeftrS und der freundlichen Leserin nicht länger auf die Probe stellen; fie mögen , fich aus folgendem §. 69, Seite. 48, selbst überzeugen. — „Erkenntniß der Gotteslehre? Tradition. ES ist Sünde, derGotteslehre geheime Deutuygen zu unterschieben — an eine geheime Gotteslehre zu glauben (5 B. M. 30, 11. 14.) — Es. ist Sünde, die Lehren Gottes in frommer Absicht durch Zusätze für Oehre und Leben? zuerschweren - und. diese als Gottes Gebote aufzudringen' (3er.- 23, 36.) Zur Erläuterung der Gotteslehre haben sich im israelitischen Volke durch lange Zeit mündliche Üeberlieferungen (Traditionen) erhalten, diese heißen:' die mündliche u. s: w. Durch die in früherer Zeit! geschehene Verbreitung der Traditionen entstanden M i d e r sp rü chein denselben. — ^Diese.Widersprüche und Zusätze beweisen^ daß; die Weisen in der Auslegung der. GotteSlehre!nicht einig! und .Einzelne sogar irrig waren. — Die Tradition hatte "deswegen niemals für die Bekenner des ewigen Bünpnjsses in allen Aussprüchen unbedingte Geltung. — Viele Stücke der mündlichen Lehresind? für uns ,rnu<r ssän dDMchorW'. WM3rrthümemM der GotteSlehre auszuweichendie -durchs eine verfehlte Qlu8.1 egung entstehen.könnte, haben,uns die Propheten (??) drei Grundsätze gelehrt: .1) Wenn die Gotteslehre verstanden und erklärt.wird, daß zwischen ihr und dem ewigen Bündnisse Widerspruch entsteht, ist die Erklärung und Auslegung ein Irrthum. Was hilft'S daß r du zählest meiste Gesetze und meine Bündnisse im Munde führst, wenn du hassest Sittlichkeit und mein Wort verwirfst (Ps. 50, 16. 17.). 2) Wenn man glaubt, durch Vermehrung oder Verminderung? die GotteSlehre zube> festigen (5 B. M. 4, 2.). 3) Wenn; die Gotteslehre so verstanden und angewendet wird, daß der-Mensch in der Erfüllung seiner leiblichen, geistigen und gesellschaftlichen Bestimmung gehindert wird. Ihr sollt u. s w., daß der Mensch fie übe und bei ihnen den Lebenszweck; erreiche (3 B. M. 18, 5.)/' — Schade, daß Herr Foges der Vollständigkeit zu Liebe nicht noch zur ästhetischen Bildung feiner Schülerinnen die 13 -M i d otdes Rabbi Jischmael und die 32 Mid ot zur Auslegung der Agada deS R. Eliefer ben Ri Joße Hagalili angeführt hat, er hätte sie auch leicht aus den Propheten-deduziren können! I Der selige Landau hat die Widmung angenommen, an der Präger Mädchenschule wird das ewige Bünd* . niß, wenn Ich nicht irre, 17 Jahre vorgetragen mit einem Beifalle, daß viele Lehrer sich dadurch bewogen fanden, Herrn Foges inständigst zu bitten, der Schule diesen. Schatz nicht länger vorzuenthalten — Herr FogeS soll sich dadurch ermuthigt gesehen haben, sein OpuS der Regierung' als Religionsbuch für die osserreichische Volksschule .vorzuschlagen — und nun urtheile nach der mitgetheilten Probe der Leser selbst!! Was würde da nicht : alles zum Vorschein kommen, wenn alle Lehrer ihre Hefte der Oeffentlichkeit (bei einer Prüfung, wenn noch so streng, läßt sich kein Urtheil fällen) übergeben möchten! Ich bin recht neugierig, einen kleinen Pilpul über kasuistische Fragen mit den liebenswürdigen Schülerinnen des Herrn Foges anstellen zu sehen. Herr FogeS wird doch beim Unterrichte, und vorzüglich bei der Prüfung, die trockenen Paragraphen durch Beispiele erläutern oder erläutern lassen, und was sagen die Herren Rabbinen, Juristen, Prediger, Schulinspektoren zu dem gelehrten Scharfsinn der Prüflinge?! Möge einer Ihrer geehrten Korrespondenten auS Prag als Augenzeuge, darüber berichten. D: O.

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