Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 43 (18.10.1852)
- Date
- 1852-10-18
- Page
- Seite 512 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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512 die größte Sorgfalt darauf verwenden werde. In No. 39 macht hingegen L. B> Stahl Nachfolger be-. kannt, daß er allein vom berliner Rabbinat autorisirt sei, die Bewachung des - Koscherweins zu vollziehen, wie eS in seiner Familie seit 1794 erblich gewesen. Hierzu ist nun jetzt ein Sendschreiben des hiesigen Gemeindevorstandes - in deutscher Sprache, aber hebräischen Lettern, am Schluffe mit einer hebräischen Ansprache des hiesigen Rabbiners Dr. Meist! versehen, gekommen, welches die Sache zur weitern Verhandlung bringt. In diesem Sendschreiben werden allere dingS zahlreiche Fakta herangebracht, die beweisen, daß die bisherige Bewachung des Koscherweins, mit dem von hieraus ein nicht unbeträchtlicher Handel getrieben wird, so gut wie keine, also der Koscherwein kein Koscherwein gewesen, indem nach den Bestellungen sofort jeder beliebige Wein genommen und mit dem üblichen Siegel versehen ward, oft durch den Weinhändler in eigner Person, ein Verfahren, das, den Personen gegenüber, welche wirklichen Koscherwein fordern und theurer bezahlen, immerhin als Betrug bezeichnet werden kann, der aber den christlichen Kaufleuten, die in gutem Glauben handelten, das Siegel des „KoschererS" genüge, um jeden Wein koscher zu machen, yicht zur Last fällt. Der hiesige Gemeindevorstand, wiederholt hierauf aufmerksam geworden, schickte eine Deputation en das berliner Rabbinat, welches seit früherer Zeit, wo noch keine Juden außer dem „Koscherer" in Stettin wohnen dursten, die Autorisation ertheilte, um dasselbe mit der Sachlage bekannt zu machen. Diese brachte beim berliner Rabbinate nichts weiter zuwege, als daß dasselbe dem „Koscherer" einen Substituten stellte, ohne daß dadurch die Sache irgend anders geworden, indem vor wie nach jeder beliebige, ohne -iwvn bezogene Wein vom „Koscherer" gesiegelt, und darauf als Koscherwein verkauft wird. Ein weiteres Anschreiben des Vorstandes wurde vom berliner Rabbinat ohne Weiteres abgewiesen: Der Vorstand hat daher die Sache selbstständig genommen, er hat die Errichtung eines Weinlagers vermittelt, in dem nur Koscherwein lagert, so daß es übersichtlich ist, ob Wein Mit richtigem bezogen, und der Wein nach den rituellen Vorschriften behandelt wird; er hat bei den Rabbinaten in Frankfurt am Main, Mainz, Paris und Bordeaux ungefragt, wo wirkliche Koscherweine zu haben sind, läßt. sie vom bestimmten Wächter auf dem Steueramte eröffnen u, s. w. Ebenso verfuhr er hinsichtlich deS Peßachzuckers. — Die Schlichtung des Streites liegt nun — dem Publikum ob, das bei Ankauf von Koschersachen am hiesigen Platze zu bemerken hat, wie diese gesiegelt sind, ob mit dem Siegel der Gemeinde, oder mit dem des berliner Rabbinats. —. Die berliner Gesellschaft zur Bekehrung der Juden beabsichtigt, Agenten nach Galizien, zu senden, welche zur Förderung der Gesellschaftszwecke thätig sein sollen.; (Die k. k. Regierung, welche die Proselytenmacherei nicht duldet, wird diese „Agenten", Sendlinge und Söldlinge, wol ebenso zurechtweisen, wie unlängst die englischen und schottischen Missionäre.) Bromberg, 5. Oktober. (Privatmitth.) Am 10. September 6 Uhr früh verschied zu einem bessern Leben, nach einem sechstägigen Krankenlager, an Altersschwäche, der um das Judenthum, insbesondere aber um die hiesige israelitische Jugend so hoch verdiente Lehrer, Herr Benedikt Löwenberg, in seinem 75sten Jahre. Sein inhaltsreiches Leben ist für Brombergs jüdische Gemeinde. zu wichtig, als daß wir nicht dasselbe in den kürzesten Umrissen hier zu schildern versuchen sollten. Im Jahre 1778 zu Erin geboren, erhielt er von seinen dem KaufmannSftande angehörenden Eltern eine sorgsame Erziehung. Die damaligen Bestrebungen MoseS Mendelssohns zur Bildung und Hebung seiner Glaubensbrüder wirkten auf den Geist Löwenbergs mächtig ein. Die Werke jenes Weltweisen ftudirte er fleißig; sie regten ihn an, sich zum Lehrer seines Volkes heranzubilden. Einen großen Theil seiner frühesten Jugend brachte er mit dem Studium des Talmuds und „der hebräischen Schriften zu und nachdem er sich durch unermüdlichen Fleiß und Ausdauer eine gründliche, vielseitige wissenschaftliche Bildung angeeignet, wurde er im Jahre 1808 von dem damaligen westphälischen israelitischen Konsistorium nach Kassel als Lehrer berufen, in welcher Eigenschaft er mehrere Jahre mit vielem Erfolge wirkte. Von dort folgte er im Jahre 1814 einem Rufe als Religions- und Elementarlehrer der jüdischen Gemeinde hierher, in welchem Berufe er bis zu seinem Lebensende mit dem erfreulichsten Erfolge wirkte. Unter seinen Augen erwuchs eine neue Generation, deren Jugendlehrer er war; durch ihn er-