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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-10-11 · Heft 42 (11.10.1852) · p. Seite 506

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 42 (11.10.1852)
Date
1852-10-11
Page
Seite 506 (sequence 10)
Language
German
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506 fei, verbunden mit der Anzeige, daß diese Anstatt zur Anerkennung ihrer bisherigen Verdienste in eine herzogliche Handelsschule umgewandrlt worden sei, deren Räume nunmehr quch christlichen Kindern deS In- und Auslandes geöffnet wären. Zwei und ein halb Jahr find seitdem verflossen und eS lohnt sich wol der Mühe, wieder einmal einen Blick auf diese Anstatt zu werfen, um ihr Gedeihen und ihre Leistungen in's Auge zu fassen. Bei ihrer Eröffnung als Handelsschule enthielt dieselbe im Ganzen 58 Schüler, darunter 39 Inländer und 17 Ausländer,'18 Schüler christlichen und 38 mosaischen Glaubens; Michaelis 1851 ward fie dagegen von 114 Schülern besucht, von denen 79 dem Jnlande, 35 dem Au-lande, 63 dem christlichen und 51 dem mosaischen Glauben angehörten. Die Zahl ihrer Schüler hatte sich mehr als verdoppelt und das Verhältniß der Inländer zu den Ausländern war in gleicher Weift fortgeschritten. Beim Beginne degegenwärtigen Schuljahres enthielten die 4 Klaffen 125 Schüler, darunter 50 Ausländer: gewiß ein so glänzendes Ergebniß, als in so kurzer Zeit von irgend einer ähnlichen Anstalt erzielt worden ist. Die leipziger und berliner Handelsschule, die Beide länger bestehen als die Franzschule in ihrer gegenwärtigen Gestalt, können sich hinsichtlich der Schülerzahl kaum mit der letztem messen; keine von Beiden hat so viel auswärtige Schüler nachzuweiftn; keine bezieht dieselben aus einem großem Umkreise. Wenn nun diese Blüthe allerdings dem guten Ruft beizumeffen ist, den fich die israelitische Franzschule in den 50 Jahren ihres Bestehens erworben hatte, so darf doch auch nicht verkannt werden, daß die Leistungen dieser Schule in ihrer gegenwärtigen Gestalt diesem Ruft das Gleichgewicht halten. Von den 63 Schülern, die in dem verfloffnen kurzen Zeiträume die Franzschule verließen, ist eine nicht unbedeutende Anzahl in den ersten Handelshäusern als Lehrlinge placirt, und dieselben füllen ihre Stellung, wie wir hören, zur vollen Zufriedenheit ihrer Prinzipale aus. Die Anstatt hat sich die wissenschaftliche wie die Charakterbildung ihrer Zöglinge zur Aufgabe gestellt, eine Aufgabe, die in ihrer zweiten Hälfte in einer Stadt wie Dessau sich mit größerer Annäherung an ihr Ziel lösen läßt, als in einer großen Stadt. Unterstützt wird sie darin durch ihre Stellung als Staatsanstalt, die als Solche den pekuniären Vortheilen keine maßgebende Rücksicht zu tragen hat und mit durchgreifender Energie die Zucht der Schüler handhaben kann. Die sichre Stellung ihrer Lehrers als Staatsdiener muß den Eifer1 und ' die Dhätigkeit der Letzteren erhöhen, daher beschränkt sich der Wirkungskreis derselben nicht auf die Schule, sondern dehnt sich auch außerhalb derselben auf daS Betragen und den Fleiß der Schüler aus, und ist nicht, wie daS sonst häufig der Fall ist, nur im Programme, sondern auch in der That vorhanden. Bei dem innigen kollegialischen Zusammenwirken sämmt« licher Lehrer ist der Geist, der die Schüler belebt, nicht minder strebsam, als harmonisch. Der Unterschied deS Glaubens ist im Zusammenleben der Schüler nicht im Mindesten störend, ja nicht einmal bemerkbar, und in dieser Beziehung möchte wol keine einzige Schule im ganzen deutschen Vaterlande gefunden werden, die fich mit der Franzschule zusammenstellen ließe.*) Die Freistellen der Anstalt werden natürlich ohne Unterschied deS Glaubens und nur nach dem Grade der Dürftigkeit und der Fähigkeiten verliehen, so daß die hiesigen ärmeren Israeliten durch die Umwandlung der Franzschule die Bildungsstätte nicht ganz verloren haben, die sie früher stets für ihre Kinder war. Mastricht, den 30. August 1852. Die jüdische Kircheuverfassung in den Niederlanden. (Fortsetzung aus No. 33.) Nachdem diese Angelegenheit wegen der verschiedenen sich kund gegebenen Meinungen eine lange Zeit beim Oberkonsistorkum (Hauptkommission für die Verwaltung der israelitischen Angelegenheiten) anhängig gewesen war, erschien endlich vom darauf folgenden Minister, dem Herrn Nedermeyer van Rosenthal, Justizminister, zugleich beauftragt mit dem Ministerium deS Kultus, die hier folgenden zwei Zirkulare, welche an alle Kirchenvorstände, Kollegien re. rc. gesandt worden find: s. Zweites ministerielles Zirkular. No. 12. Gravenhage, den 14. Juni 1850. Zufolge eines von meinem Departement auSgegangenen Zirkulars hat das Oberkonsistorium (Hauptkommisfion) für die Verwaltung deS israelitischen KultuS durch Zu- -:- ' ' | *) Doch wol, die Jakobsonsschule in Seesen steht dem nicht nach. . Rednkt.

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