Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 42 (11.10.1852)
- Date
- 1852-10-11
- Page
- Seite 505 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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505 gend einer Penälität oder Unfähigkeit wegen dieser religiösen Meinungsdifferenz zu unterwerfen. '-Der große leitende Grundsatz über diesen Gegenstand -'ging von einenr Monarchen aus, der ' über unser Land herrschte, denn William III. sagte: „„Das Gewissen ist die Provinz Gottes."^ Diese Maxime, meine ich,, enthalt das Ganze dessen, was Gerechtigkeit und Politik über diesen Gegenstand heischt. Kleine Berichte aus den Gemeinden. Glückstadt (Holstein), 2. September. Lasten Sie mich, insonderS mit Rücksicht auf den Leitartikel „Guter Rath" in No. 36 Folgendes berichten. Es besteht hier seit längerer Zeit 1) ein Handwerksverein, der zum Zwecke hat, Kinder unbemittelter Eltern, oder. arme. Waisen, nach vollendeten Schuljahren irgend ein Handwerk, welches entweder der Individualität des Lernenden oder seiner eignen Wahl entsprichtlehren zu lassen. Daß der Knabe oder Jüngling die nöthigen Schulkenntnisse beim Beginne der Lehrzeit haben muß, braucht nicht erst erwähnt zu werden; für die intellektuelle Ausbildung wird vorerst und ganz vorzüglich gesorgt; das Schulgeld, die nöthigen Schul- und Schreibbücher und Alles, was sonst in der Schule daS Kind haben muß, wird genannten Kindern gratis geliefert, und zeigen sich gute Anlagen und Fähigkeiten, so ist auch viel Aussicht zu freien Gymnasial- und Universitätsstudien vorhanden., — Ueberhaupt wird, beiläufig gesagt, für die Armen, sowol diejenigen, welche durch Alter oder Kränklichkeit zum Geschäfte unfähig geworden, als auch die von der Natur vernachlässigten, hier viel gethan, sie werden sehr kräftig unterstützt, für alle ihre Bedürfnisse wird gesorgt und einem Jeden auf eine überaus anständige Weise verabreicht, nicht als wäre eS eine Unterstützung, sondern eS hat den Schein als wäre es eine Besoldung. — Nach vollendeten Lehrjahren wird der Lehrling freigesprochen, anständig bekleidet, und mit Reisegeld versehen zu seiner Vervollkommnung und zur Begründung seiner Existenz in die Welt geschickt. Wir können berichten, daß von hiesigen Kindern schon Handwerker in den größten Städten Europa's arbeiten und sich als tüchtige Menschen bewähren. Sorgte eine jede Gemeinde so für ihre Armen und für deren Jugend, wahrlich! wir würden wenig Ländstrek cher oder schädliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft haben und - es würde ’alsdann viel besser in der Welt aussehen-'-ja dies muß zuletzt unausbleiblich zum großen Frommen der Gemeinde dienen! Denn sie wirdbei solchen Anstalten nicht leicht zu befürchten Habens daß - die - aufwachsende Jugend' ihr'einst zur Last fallen werde. Dies möge nun eine jede Gemeinde erwägen; es ist von großer Wichtigkeit und von unberechenbaren Folgen!- -• 2) In demselben Sinne, denselben Zweck verfolgend, besteht hier noch ein Verein unter dem Namen ,-Frauenverein". Was der Handwerksverein für -Kinder männlichen Geschlechts ist, ist der Frauenverein für Kinder weiblichen Geschlechts. Auch hier wird gesorgt für Schule, Kleidungsstücke, Schulbücher u. s. w. Wahrend der Schulzeit lernen die Mädchen schon alle nur möglichen und nöthigen Handarbeiten. Nach vollendeten Schuljahren wird für ihr künftiges Fortkommen auf eine sehr zweckmäßige Weise gesorgt. Entweder -sie genießen nach Entlassung auS der Bürgerschule den Unterricht in einer höher» Töchterschule und bilden sich so weit aus, daß sie als Lehrerinnen -die Leitung der JügendLildung in einer ErziehungS-- anstatt übernehmen können, oder bei einer ansehnlichen Familie als Gouvernante oder als Gesellschafterin fungiren können; oder sie erlernen auf Kosten deS' Vereins Kleiderverfertigen oder das Putzmachen, es steht'ihnen auch frei, wenn sie Lust haben, Beides zu erlernen. Nach beendeter Lehrzeit wird auch für ein paffendes Unterkommen gesorgt. ' -• 3) besteht hier ein Leseverekn, der zum Zwecke hat die Bildung der Gemeindeglieder, besonders der schulentwachsenen Jugend zu fördern. Zu diesem Behufe werden mehrere, die Interessen des JudenthumS behandelnde Zeitschriften gelesen; und sind auch schon vom Vereine eine Menge nützlicher Werke angeschafft worden, die bei dett Gliedern deS Vereins zirkuliren. Cohn, Lehren Korrespondenzen. Dessau, den 3. Juni 1852. Die Frauzschule. > Michaelis 1849 enthielt diese Zeitschrift die Nachricht von der 50jährigen Jubelfeier der hiesigen israelitischen F ra n z s ch ul e und ihres Direktors vr. David Frän» 42*