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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-10-11 · Heft 42 (11.10.1852) · p. Seite 504

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 42 (11.10.1852)
Date
1852-10-11
Page
Seite 504 (sequence 8)
Language
German
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504 gelegenheiten einholte, haben Letzteren, auch in dieser - Rücksicht viele Sorgen gemacht-, und Jsak Aron Landsi berger, Rabbiner zu Freistadt, sagte in seinem Gut-: achten, man muffe das Germanisiren den Lehrern über-! laffen, der Rabbiner solle nur hebraisiren und moralisiren!! Mit jenem sieht es aber sehr traurig aus, da sich die orthodoxen Rabbinen nicht auf hebräische' Grammatik verstehen; mit diesem noch trauriger, da die zwei Derascho'S, die im Laufe des Jahres gehalten, werden, sich nur. sehr wenig auf dem Gebiete des Moralisirens bewegen! Preußen. Berlin, 3. Oktober. Die Provinziallandtage Brandenburg, Schlesien und Pommern verlangen für die Ausübung des Stimmrechts in den Gemeinden und auf den Kreistagen die Angehörigkeit zu einer der vom Staate anerkannten christlichen Kirchen. (Man sieht, wie weit der Rückgang über alles Ziel hinausführt—auch das Gemeinderecht' wollen diese Stände den Juden wieder nehmen!. Nur immer zu. Solche Forderungen sprechen über ihre Urheber das Urtheil von selbst.) Münster, 1. Oktober. (Privatmitth.) Wir haben in voriger Nummer die äußeren Verhältnisse des hiesigen Vereins nach den Zahlen bezeichnet, und Jedermann wird nach denselben die Leistungen deS Vereins für sehr tüchtig erkennen*). Und doch, wer sollte es glauben , steht daS Institut auf sehr schwachen Füßen, und droht den Untergang, wenn die Gemeinden nicht noch zur rechten Zeit erwachen! Der Schwiegervater des 1)r. Haindorf hat bekanntlich eine große Summe zum Opfer gebracht, Haindorf selbst hat dem Institut nicht bloS seines Lebens beste Kräfte gewidmet, sondern selbst bedeutende Geldopfer alljährlich getragen, aber das Institut bedarf circa l500—2000 Thlr. jährlich, soll es erweitert werden, 2500 Thlr. außer den Fondszinsen und siehe, diese sind nicht mehr von den Gemeinden und Individuen aufzubringen 1 *) Wir bemerken gern, daß bei unserm neulichen Besuche ln Westphalen, als zur Synagogenweihe in Lippstadt sich eine Anzahl dortiger, in Münster gebildeter Lehrer eingefunden, uns diese Männer von einer wirklich anerkennenswerthen Tüchtigkeit erschienen. Dr. L. PH. Eine Zeit lang entschuldigte man sich damit, daS Jnftitut habe sich in religiöser Beziehung zu weit linM gewandt — was allerdings ein Fehler, da daS Institut Gemeindelehrer und Vorbeter bilden sollte. Man hat diesen Borwand aus dem Wege geräumt; man hat eine Anzahl Vertrauensmänner zusammenberufen, .welches Hand in Hand mit dem Konsistorialrabbinen Bodenheimer, ein neues Programm aufstellten, auS dem wir hervorheben, daß der Aufzunehmende erst in hebraicis. von einem Oberrabbiner geprüft, mehr Aufmerksamkeit auf daS Hebräische und die Ausbildung als )in verwendet, der Seminargottesdienst zu einem Mittlern Standpunkt zurückgeführt werden sollte, auch fand ein Lehrerwechsel statt; und dennoch haben nur sehr wenige Gemeinden sich zu einer dauernden Unterstützung bereit erklärt. Da sollte man fürwahr! den Muth verlieren, und nur Ausdauer und Konsequenz, wie sie jetzt bei Allen, die mit jüdischen Angelegenheiten zu thun haben, die nothwendigsten Erfordernisse sind, können auf eine Abhilfe und die Erhaltung des Instituts hoffen lassen. Wir aber, außerdem daß wir die Existenz desselben — des einzigen in ganz Preußen — für eine Notwendigkeit halten, wünschen dem Gründer diesen Kranz auf sein verdientes Greisenhaupt, daß er die Sicherung des Bestandes der Anstalt noch erlebe. Mögen daher die 'vielen Gemeinden Westphalens und der Rheinprovinz, welche mit ihren Erklärungen noch zurück sind, nicht anstehen, sobald als möglich jährliche Beiträge mindestens auf zehn Jahre zuzustchern! Großbritanieu. London, 25. September. Der Gemeinderath von Stirling hat Lord Ruffel das Ehrenbürgerrecht der Stadt verliehen, bei welcher Feierlichkeit Lord Russell eine Rede hielt, aus welcher wir einige Punkte erwähnen. „Sie haben," redete er den Lord Prevost der Stadt an, „auf einige Dienste angespielt, die ich so glücklich war, in der Sache der religiösen Freiheit zu leisten. Ich schließe mich vollkommen der Ansicht an, die Sie berührt: daß nämlich religiöse Verfolgung nur die Sekte stärkt, die sie unterdrücken soll. Allein außer diesem großen politischen Motive halte ich es für unsre Pflicht, nicht wegen religiöser Meinungsdifferenzen unsere Mitunterthanen, die ein ebenso großes Recht haben, dem Lande zu dienen, wie wir, ir-

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