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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-10-11 · Heft 42 (11.10.1852) · p. Seite 502

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 42 (11.10.1852)
Date
1852-10-11
Page
Seite 502 (sequence 6)
Language
German
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502 Demselben wurde allerhöchst die Advokatur in der Kreishauptstadt Baireuth verliehen. Bei der Quieszirung de- Präsidenten deS protestantischen Oberkonsistoriums in München, Herrn v. Arnold, und Ersetzung desselben durch den Oberhofprediger Herrn Dr. Harleß aus Sachsen, vor wenigen Jahren Professor in Erlangen und Oppositionsmitglied j unsrer II. Kammer, wollen wir hier niederlegen, wie Ersterer einer der sechs Mitglieder in der I. Kammer war, welche seiner Zeit für die Emanzipation stimmten, Dr. Harleß aberAn der sächsischen ihr größter GegnerMar. Allen Anzeichen nach gehen die Häupter der streng ionservativen^Partei damit um, die allerhöchste Genehmigung zu einem Lehrplan zu erhalten, wie ihn weiland Rabbiner Wechsler proponirt hatte. Unseren Religionslehrern fehlt weiter gar Nichts, als die Steigerung der Anforderungen an sie. K. Oesterreichischer Kaiserstaat. Aus Ostgalizien, 24. September. (Lloyd.) Ich beeile mich, um jeder VerunftaltünF durch falsche. Berichte oder Gerüchte vorzubeugen, Ihnen von einem schrecklichen Ereignisse, welches sich bei uns zutrug, Nachricht zu geben. In der Kreisstadt Kolomea gingen am gestrigen Abende nicht weniger als 36 Personen weiblichen Geschlechts und jüdischer Religion auf eine furchtbare Art zu Grunde. Es war der jüdische Versöhnungstag; Tausende von Juden und Jüdinnen waren in der durch die Lauheit der kolomeaer Judengemeinde noch nicht ganz ausgebauten Synagoge versammelt, als sich gegen sechs Uhr Abends bas Gerücht verbreitete, eS sei im obern Stockwerke, wo sich die Frauen befanden, Feuer ausgebrochen. Die Gefahr war um so größer, als die zur sogenannten Weiberschule führende Stiege sehr schmal, das ganze Gebäude noch keine Wölbungen hatte und der hölzerne Dachstuhl um so leichter Feuer fangen und Tausende unter seinen Trümmern begraben konnte. Die Löschanstalten wurden in Folge der schnellen Manipulation der Behörden rasch getroffen, doch eS stellte sich bald heraus, daß der Feuerlärm ein falscher und von einer Diebesbande absichtlich erzeugter gewesen, um im entstehenden Getümmel den Judenfrauen ihren mit Perlen und Diamanten besetzten Kopfputz (die sogenannten Sternbündel) zu rauben. Leider hatte ' sich aber bereits der gesummten Masse der Frauen Angst und Schrecken bemächtigt, ein großer Theil drängte sichdie Anderen über den Haufen werfend, sich gegenseitig drückend und stoßend, der Stiege und dem engen AuSgange zu, und auf diese Weise starben so viele Personen am Erstickungstode, der um so eher eintrat, als alle in Folge des Fasttages geschwächt, nicht hinreichende physische Kraft besaßen, um sich einen Weg in'S Freie zu bahnen. Es fehlte nicht, sobald man sich überzeugt hatte, daß eS ein falscher Feuerlärm sei, an der nöthigen Thätigkeit, um so viele zu retten als möglich war. ES wurden sogleich Leitern angelegt, um die Frauen auf diesem Wege : in'S Freie zu schaffen; der Herr Kreisvorsteher, Graf Borkowski, entwickelte einen höchst rühmenswerthen Eifer, und besonders haben eine großeZahl der Entschlossenheit und dem rastlosen Wirken deS Herrn FinanzwachkommiffärS Heruth ihr Leben zu verdanken. Die ohnmächtigen und erstickten Frauen wurden sogleich in Folge des umsichtigen Eingreifens des Herrn Kreisarztes Dr. Madejski der ärztlichen Behandlung übergeben, so daß doch einige, wenn auch nur wenige, dem Leben wieder geschenkt wurden. Es ist nicht zu zweifeln, daß die Behörden bei der einzuleitenden Untersuchung wegen Auffindung der Uebelthäter und der in nicht geringem Werthe vermißten Schmucksachen die nöthige Energie entwickeln, um Stadt und Umgegend von so schrecklichen Verbrechern zu säubern und die Synagoge nicht wieder dem allgemeinen Gebrauche überlassen werden, als bis sie. völlig ausgebaut und den vorgeschriebenen Sicherheitsmaßregeln gemäß eingerichtet ist, so daß für die Zukunft.einem ähnlichen tragischen Ereignisse, indem mehr als dreißig meistens junge, mitunter auch schwangere Frauen und drei kleine Kinder ihren Tod fanden, vorgebeugt werde. Pretzburg, Anfangs Oktober. A. Ungarische Briese. II. Zu den erfreulichen Errungenschaften, welche die neueste Zeit den ungarischen Israeliten brachte, gehört die im verflossenen Mai erfolgte Verordnung deS Justizministeriums, nach welcher der Eid more judaico — welcher den Schluß des verböczischen dreitheiligen Gesetzbuches bildet, und im IV. Jahr-: gange der A. Z. d. Jud. nachgelesen werden kann — abgeschafft wurde. Einzelne Richter haben zwar auch vor dem betreffenden Erlasse, von der: alten Formet

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