Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 42 (11.10.1852)
- Date
- 1852-10-11
- Page
- Seite 500 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225768-3225811--12697-3242889- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
500 Hauptgrund für seine schwerere - lang dauernde, schmerzhafte und gefahrvolle Geburt, wie die Schrift gerade dem Menschen zuruft^-mit Schmerzen sollst du Kinder gebären." Wie aber die Geistigkeit den Grund des schweren Gebarens abgiebt, so hat das menschliche Weib zugleich ein Mittel, kraft dessen eS nicht nur mit Hingebung und Ruhe erträgt, sondern auch Einflüssen, die störend und nachtheilig auf jenen Akt einwirken können, begegnen kann, die Religion, durch welche wiederum der Mensch erhaben über den Thieren steht. Wenn nun die geistige Superiontät des Menschen mit den davon abhängenden körperlichen Eigenthümlichkeiten jene Bedingungen der Geburt enthält, so muß die Geburt des ThiereS leichter, schnellerweniger schmerzhaft und gefahrvoll sein, als die deS Menschen, und unter den Menschen müssen wieder die Weiber unkultivirter Völker leichter gebären, als die der kultivirten, und unter diesen wieder die Frauen der minder geistig entwickelten Stände leichter als die der höheren." Diese letzteren Sätze erweist Hohl nun als unzweifelhafte ErfahrungSfätze. Daß aber die geistige Prävalenz des Menschen die Ursache dessen ist, erörtert er in folgen-. den Sätzen: 1) „Bei den Thieren ist die Verbindung zwischen Mutter und Frucht nicht so innig als bei dem Men-" schen, bei dem zu der innigem physischen auch die psychische kommt. Es ist daher auch die Trennung Beider von einander leichter und weniger einflußreich bei den Thieren als bei den Menschen." 2) „Bei der Geburt der Thiere bestehen günstigere Verhältnisse als bei dem Menschen, und treten auch geringere Hindernisse ein, indem bei diesem zu seinen besonderen, durch seine Geistigkeit bedingten körperlichen Eigenthümlichkeiten auch die tief eingreifenden psychischen Einflüsse kommen." (Er führt hier besonders aus, daß die Bildung des Schädels beim Menschen besondere Schwierigkeiten bei der Geburt bewirkt, die beim Thiere wegfallen.) Mit gleicher Gründlichkeit erweist Hohl nun weitläuflg, wie die Ursache der ungleich leichtern Geburt bei unkultivirten Völkern, so wie bei geistig minder entwickelten Menschen vorzugsweise in der Geistigkeit, deren Wirkungen und Erfordernissen liegt. So liegt also schon in der Geburt deS Menschen der Erweis, daß der Schwerpunkt seines Lebens im Geiste liegt. Zeitungsnachrichten. Deutschland. - Frankfurt am Main, 24. September. (F. P.-Z.) Der Senat hat dem gesetzgebenden Körper mitgetheilt, däß auf Grund der jüngsten BundeSbeschlüffe bei der im Oktober bevorstehenden Neuwahl des gesetzgebenden Körpers nur die christliche Bürgerschaft Mitwirken werde. —. 25/September. (F. P.-Z.) Die gesetzgebende Versammlung soll gegen diesen Beschluß des Senates Protest eingelegt haben. (Anderen Nachrichten zufolge soll dies nicht der Fall fein.) . Die „Kreuzzeitung" insinuirt, daß von einflußreichen Juden, namentlich den Rothschilds, Schritte gethan worden, um beim Bundestage Milderung seiner Forderungen an den frankfurter Senat zu erwirken. Sie deutet dabei auf so niedrige Hebel hin, daß dies nur abermals sie selbst charakteristrt. Wer die Geschichte der neuern Zeit kennt, weiß, daß die Rothschilds ihre geschäftlichen Thaten nie nach der politischen Lage ihrer Glaubensgenossen bemessen haben. Aus Barern, Ende September. (Privatmitth.) Gegen die in meinem letzten Berichte enthaltene Regierungsentschließung, welche dem Anschluß Schivabachs rc. an das außer dem Regierungsbezirke belegene Rabbinat Oettingen die Genehmigung versagt, Haben die treffenden Gemeinden den Rekurs ergriffen. Vielleicht bringt die deSfallsige allerhöchste Entscheidung etwas Normatives in das Tohu Webohu unserer Rabbinatsangelegenheiten, in denen Niemand weiß, waS und m ist, und das durch den frommen opferfähigen Sinn unserer Landgemeinden täglich mehr in Verwirrung gerath. Zum thatsächlichen Beweis führe ich die bereits amtlich konstatirten Intentionen der Gemeinden bei Wiederbesetzung zweier in unsrer Nähe erledigten Rabbinate an. Eine will sich's ein schönes Geld kosten lassen, aber natürlich mit Behaltung des Rabbinatssitzes, die zweite bei dem Rabbinate^ bleiben, aber stch'S nicht mehr als etliche Gulden kosten lassen, die dritte unter keinem Umstande bei demselben verbleiben, sondern sich an ein andres Rabbinat anschließen, die vierte braucht eigentlich gar keinen Rabbiner, behält sich jedoch den Anschluß nach Konstituirung des RabbinatS bevor, die