Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 42 (11.10.1852)
- Date
- 1852-10-11
- Page
- Seite 498 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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498 findet Ihr eine angemessene Stellung? wie viele Gemeinden lassen sich zu definitiven Anstellungen heran? wie viele Gemeinden gehalten e inen Lehrer nur zehn Jahre hiinbuvchp Zahlet sie. Mid viele Gemeinden lassen dem Lehrer die gebührende Achtung widerfahren?... So in Argem liegt Alles was den jüdischen Lehrerstand betrifft; eS ist Hier in den meisten Staaten Alles in vollem Chaos, darum eigentlich im Chaos, weil den Juden noch immer das rechte Herz für ihre Lehrer fehlt.... Wir müssen eine Organisation von oben herab erwünschen,' weil unsre Glaubensgenossenschaft sich völlig unbefähigt gezeigt hat, eine Solche durch sich selbst zu schaffen — — nicht aus Mangel an Opferfälligkeit, also Mitteln — denn wer bedenkt, wie viel ein jüdischer Hausvater jährlich für religiöse Zwecke, ja nur für die Gemeinde, von der er meist so wenig Genuß hat, opfert, der wird den Juden die Opferbereitwilligkeit nicht absprechen — sondern aus Mangel an Einsicht, und noch mehr an Eintracht.... U nd d en n o ch, Ihr Lehrer, muß ungleich mehr von Euch verlangt werden, als Ihr bis jetzt leistet.«. . Ja, was Euch geleistet wird, ist sehr wenig, aber Ihr müsset um so mehr leisten.,., Es ist dies ein Ariom, das jedem jüdischen Lehrerleben zum Fundament und zur Aufschrift, zur Parole und zur Devise dienen muß; wer sich einmal zu diesem Berufe bestimmt und in ihm sein Leben, sei eS noch so kümmerlich, verbringt, der muß sich von vorn herein und alle Tage sagen: „Beanspruche wenig, erwarte noch weniger, aber leiste desto mehr!" Wenn die jüdische Schule im Interesse der Religion, das ist im Interesse des religiösen Lebens, der religiösen Erziehung unsrer Jugend, eine Nothwendigkeit ist.— an Euch, Lehrer, ist es, diese Schule den Eltern zur Nothwendigkeit zw machen! Lernen Eure Schüler viel bei Euch, bildet Ihr sie im besten und vollsten Sinne — dann wissen die Eltern diese Nothwendigkelt zu schätzen, dann werden sie sie nicht schwinden lassen, dann wird das Verlangen nach ihr wieder weiter und weiter greifen, dann werden die Eltern zu immer größeren Opfern für sie'bereit sein. Dies ist so gewiß,' wie das Einmal Eins.,.. Denn — zweierlei müssen wir stets vermeidelt, erstens den Wahn, als ob alle, ja nur die meisten Menschen Prinzipienmenschen wären, und zweitens die Sache nur von einem, ja nur von seinem Standpunkte, aus anzusehen. Die jüdischen Eltern, gehen iiicht von der Frage auS: soll , eine jüdische Schule erisiiren oder nicht? sie fragen vielmehr nur: lernen unsere Kinder da was.oder nicht? Nun beantworten die Meisten sich die Frage oft auf sehr ungerechte Weife, denn die Wenigsten verstehen Schule und Lehrer zu würdigen, aber über kurz oder lang dringt die Wahrheit doch durch. Die Schule ist nicht um des Lehrers willen, sondern der Lehrer um der Schule willen da. Das vergessen die Herren Lehrer gar zu oft, und . schätzen die Sache nur nach dem Gehalt und sonstigen Annehmlichkeiten. Ja, gerade weil wir aus der Sachlage es sehr erklärlich finden, .scheuen wir uns nicht, gerade heraus zu sagen: daß.Konsequenz, Ausdauer, Eifer, Lust und Berufsausopferung unter den jüdischen Lehrern im Ganzen noch sehr wenig vorhanden ist; die Meisten ziehen die Ruhe der Arbeit, den Wechsel der Ausdauer, den Stillstand der Fortbildung vor; den Meisten schwebt die Frage immerfort auf der Zunge: was habe ich davon? Wir haben dies erst jüngst erfahren, in der Sache der Schulbibliotheken, wo im großen deutschen Vaterlande mit allem Anhängsel sich kaum ein Dutzend Lehrer zur Verwirklichung fanden, nachdem mindestens 50 Anfragen gehalten.... Soll die jüdische Schule einen neuen, kräftigen Aufschwung erlangen: so muß dies zunächst von den Lehrern ausgehen, in ihnen muß ein neuer Geist die Schwingen lüften, sie muffen arbeiten und arbeiten, rastlos, unermüdlich, ausharrend. Sonst, hilft doch Alles nicht, sonst wird alles Theoretistren, alles Mahnen und Vorstellen erfolglos sein, denn selbst da, wo man ans Grundsätzen heraus die jüdische Schule erhält oder neu begründet, wird mau sie nach einiger Zeit fallen lassen, wenn die Lehrer keine Erfolge hervorgebracht haben. Der jüdische Lehrer ganz besonders muß um der Zukunft willen arbeiten. Die gegenwärtige Zeit ist eine Solche, in welcher es dem Längstbestehenden in vielen Beziehungen noch einmal vergönnt ist, seine ganze Kraft noch einmal zu entwickeln, und dadurch für lange, lange Zeit seine Würdigkeit und Befähigung zum Leben zu erweisen. Geht diese Zeit unbenutzt vorüber, dann wird Das, was sich nicht als nützlich und lebenskräftig erweist, auf immer fallen. Dies infonders mit der jüdischen Schule. Ja, noch einmal sind die Bedingungen in der Weltlage solche, daß die jüdische Schule eine gerechte und nothwmdige Berechtigung hat — auf, benutzet diese Konstellation, rafft Euch auf, und wirket mit so beispielloser Kraft und Energie, daß Euch die Krone nicht fehlen kann und wird! Jetzt ist die Zeit, wo der jüdische Lehrerstand die jüdische Schule neu begründen kann, es gilt die Zukunft der jüdischen Schule, und, offen gesagt,