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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-10-04 · Heft 41 (4.10.1852) · p. Seite 493

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 41 (4.10.1852)
Date
1852-10-04
Page
Seite 493 (sequence 9)
Language
German
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493 Essen und 31,372 Portionen unentgeldlich vertheilt hat. Diese Speiseanstalten sind von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde für Bekenner aller Konfessionen gestiftet und werden auch von ihnen unterhalten. Belletristisches. Jüdische Mährlein. . .. ’ (Fortsetzung.) 5. Die Vergeltung. - War einmal ein Rabbi, der die Kunst der Kabbala sehr, verstand; in Allem wußte er Bescheid, in Feuer, Wasser, Luft, und Erde. Hatte auch ein gar liebliches Töchterlein, die Freude Gottes und der Menschen. Böse Männer stellten ihr nach, denn es war damals eine schlimme Zeit der Schlechtigkeit und Gewaltchat, und Jeder verübte, was er mit seiner Faust vermochte; aber bis dato war ihr der Herr ein Beschützer gewesen, der „seinen Engel vor ihr hergesandt, vor Schaden an Seel' und Leib fl? zu wahren". Wohnte der Rabbi in einer großen Kaiserstadt, und der- Kaiser war selbst ein großer Freund der geheimen Kunst und'Deuterei, und hatte gar Manches vom Rabbi gehört, ihn selbst aber niemals gesehen. Hatte doch, der Kaiser gar Großes zu thun in seiner Mächtigkeit, daß er sich deS Rabbi nicht kümmern konnte, und der Rabbi war zu viel mit seinen Studien beschäftigt und zu demülhigen Sinnes , als daß er sich des Kaisers zu kümmern gewagt Hatte. Eines Sabbats fitzet der betagte Rabbi, in seinem Lehnstuhl und pflegt der Ruhe,, oder vielmehr des ruhigen, wohlbehaglichen Sinnens und Trachtens, nachdem er. den Schiur gehalten im Bet hamidrasch, das Minchagebet verrichtet und das dritte Sabbatmahl zu sich genommen — als mit einem Male ein herzzerreißendes Gekreisch auf der Flur des HauseS entsteht. Den Rabbi trifft es zum fürchterlichsten Schreckniß, denn es ist seiner Tochter, seiner Sara, des .einzigen Kindes seines früh verblichnen Weibes, Stimme. Er springt auf, die Treppe hinunter — da sieht er seine Tochter in den Armen eines feinen, ritterlichen Kavaliers sich winden, der ihr, der flüchtenden, nachgeeilt von der Straße in das HauS, und sie hier mit seinen unkeuschen Küssen überfallen. „Halt!" donnert d^r Greis, dem die Vaterliebe Riesenkräfte verleiht, und vor dem mächtigen Ruf und der erhabenen Gestalt des Rabbi stutzt der Ritter — mit dem einen Arm die Tochter aus den Händen deS Eindringlings reißen, mit dem andern den Letztem durch die noch offene Thüre aus dem Hause werfen, war daL Werk eines Augenblicks. Schnell schloß er die Pforte, verriegelte sie, und führte das noch zitternde Mädchen begütigend auf sein Zimmer, um sich ihr Begegniß genauer erzählen zu lassen. Der Ritter aber erhob sich aus dem Schmutze, in den er gefahren, und entfernte sich, vom Gelächter der Nachbaren verfolgt, in seinem unreinen Herzen Rache dem Rabbi und seiner Tochter, ja allen Juden gelobend. War der Ritter ein Höfling, ja ein Günstling des Kaisers, und benutzte die erste günstige Stunde, um dem Kaiser viel Schlimmes von den Juden des Landes, insonders von den Juden der Residenz, und darunter wieder insonders von dem Rabbi in's Ohr zu raunen, viele erdichtete Geschichten, in denen der Letztere als ein boshafter Hexenmeister, der die Christen durch Zauberkünste zu Grunde richte, erschien, und die Juden als Skorpionen und Schlangen, welche Land und Leute verdürben, insonderS dm hohen Adel aussaugten. Der Kaiser horchte wol zu, aber als ein. erfahrener Herrscher glaubte er dm Reden deS Höflings doch nur halb; er beschloß, die Juden aus dem Lande zu jagen und den Rabbi ewigem Kerker zu übergeben, doch vorher die Sache noch einmal zu prüfen. -Ohne daß er dem Höfling ein Wörtchen sagte, als die Nacht hereingebrochen, hüllte er sich in gewöhnliche Gewänder, und ging, begleitet von einem verschwiegenen Manne, in die Judenstadt, nach dem Hause des Rabbi. Pochte er, ward ihm aufgethan, und auf sein Begehren führte man ihn zum Rabbi. Dieser erkannte den Kaiser wol, aber da er einsah, daß der Kaiser unerkannt bleiben wolle , that er, als kenne er ihn nicht, und bemeisterte schnell den Schrecken, den er vor der Majestät in diesem plötzlichen Begegnen empfand. Sprach der Kaiser erst viele Dinge, darin ihm der Rabbi mit Weisheit Bescheid gab, ernst und würdig und nach bestem Wissen, so daß der Kaiser, in daö schöne Greisenantlitz und das klare, große, Auge schauend, viel Achtung vor dem Rabbi bekam und ihn als eine» Andern erkannte, als der Ritter geschildert. Endlich hob er an, daß er viel von der tiefen Kunst des Rabbi gehört, und einen Beweis verlange, um selbst ein Urtheil über die 41*

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