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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-10-04 · Heft 41 (4.10.1852) · p. Seite 490

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 41 (4.10.1852)
Date
1852-10-04
Page
Seite 490 (sequence 6)
Language
German
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Hier haben Sie im Kleinen ein Bild von den mährischen Verhältnissen, das mir tief in der Seele wehe thut. Darum wünsche ich aus vollem Herzen, Gott möge Ihnen die Kraft verleihen, ferner mit Ihren warmen beredten Worten für die heilige Sache einzustehen und möge das Wort Eingang in die Herzen finden. Preußen. Lifsa, 15. September. (Eingesandt.) Heute in der dritten Nachmittagsstunde bewegte stch durch die Straßen nach dem hiesigen jüdischen Friedhöfe zu ein Leichenkondukt, wie wir ihn in solcher Feierlichkeit und Ausdehnung hier noch nicht gesehen. Männerund Frauen, Greise und Kinder jeden Standes und Vermögens sah man mit der größten Rührung und Theilnahme dem Wagen folgen, der -die irdischen Ueberreste einer etwa 65jährigen, unter den anderen Konfessionen der hiesigen Einwohnerschaft kaum gekannten, Frau ihrer letzten Ruhestätte zuführte. Ohne Uebertreibung mochten wol an 3000 Menschen in dem Zuge sich befunden haben. Und wer war die Verstorbene? hörten wir von allen Seiten die, über den Umfang der sich kundgebenden Theilnahme mit Recht verwunderten christlichen Bewohner fragen. Es war eine schlichte, anspruchslose, streng religiöse Frau, die verwittwete Eva Bieberfeld, ohne Vermögen, ohne weit verzweigte Verwandtschaft, ja selbst ohne Kinder, aber so voll Menschenliebe und so unermüdlich in der Theilnahme und dem Wohlthun für ihre Nächsten, daß sie ihr Leben, ihre Kräfte, die Ruhe ihrer Tage und Nächte ganz jenem edeln Zwecke gewidmet. Keine Anstrengung war ihr zu schwer, keine Gefahr zu groß, der sie sich nicht Preis gegeben. Seit mehr denn 40 Jahren gab es weder Freud' noch Leid in irgend einer Familie der ansehnlichen hiesigen jüdischen Gemeinde, das sie nicht getheilt und bei der ihr offenes, liebevolles Herz nicht mit dankbarer Rührung begrüßt worden wäre. Fast keine Entbindung in einer reichen oder armen Familie durfte erfolgen, ohne daß ihre Anwesenheit und ihr Beistand erfordert wurde. Hunderten, ja Tausenden von armen Frauen und Familien ward sie ein rettender Engel in Krankheit und Roth. Geld, Kleidung und Wäsche, hinnnlischen Trost und irdische Erquickung und Hilfe ihnen zu verschaffen, bildete die Grundlage ihres menschenfreundlichen Wirkens. Voll Milde und Sanftmuth, strömte aus einer Quelle des reinsten Herzens ihre Hilfe. So groß und so allgemein war die Verehrung für sie und das Vertrauen zu ihrer uneigennützigen Hingebung, daß sie jederzeit über die ausgedehntesten Mittel der begüterten jüdischen Einwohner zur Unterstützung der Armen und Leidenden gebieten konnte. Nichts ward ihr versagt. Von ihrer Uneigennützigkeit und ihrem Redlichkeitsstnn dürfen wir nur die einfache Thatsache anführen, daß, ungeachtet der vielen Tausende, die durch sie verwendet worden, und des häuslichen Wohlstandes, in dem sie bis zum Ableben ihres vor etwa 9 Monaten in die Ewigkeit ihr vorangegangenen Ehegatten gelebt, sie nur geringfügiges Eigenthum hinterlaffen. DaS Glück des Besitzes eigener Kinder war ihr nicht zu Theil geworden, wol aber das viel seltnere himmlische Verdienst, daß wir Hunderte von Frauen und Kindern, Wittwen und Waisen, denen sie lebend mütterliche Pflegerin und Wohlthäterin im vollsten Sinne des Wortes gewesen, an ihrem Grabe jammern und schmerzvoll die Hände ringen sehen. — Gönnen Sie Tausenden aus der Mitte der hiesigen Einwohnerschaft diesen schwachen Ausdruck der dankbaren Empfindung in den Spalten Ihrer geschätzten Zeitung. Um das Andenken der Verklärten bleibend zu ehren, soll ihr, wie wir hören, aus den freiwilligen Spenden der Liebe und Dankbarkeit ein Grabeödenkmal errichtet werden. _ Münster, 26. September. (Privatmitth.) Der durch die Kränklichkeit des sehr verdienten Prof. Dr. Haindorf verzögerte 19te Bericht über den „Verein für Westfalen und Rheinprovinz zur Bildung von Elementarlehrern und Beförderung von Handwerken und Künsten unter den Juden" ist im Druck erschienen. Die äußeren Ergebnisse sind bald angeführt. ES wurden seit dem letzten Bericht 25 Schulamtspräparanden ausgenommen, 23 entlassen und im Cramen vor der königl. Seminarprüfungskommission bestanden. Zur Erlernung von Handwerken und Künsten sind 18 Knaben untergebracht worden, so daß die Anstalt seit ihrem 27jährigen Bestehen 278 Knaben zur Ausbildung als Handwerker unterstützt hat. Die Einnahmen aus Westfalen betrugen 7680 Thaler, die Ausgaben 6604 Thaler, also Bestand

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