Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 41 (4.10.1852)
- Date
- 1852-10-04
- Page
- Seite 486 (sequence 2)
- Language
- German
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das, was in der Menschheit sich als Summe dessen, was mit Vernunft, und. Herz, mit gesunder Anschauung der Natur und Geschichte übereinstimmt, ergiebt, eben in der Leh re des Judenthums enthalten ist. Der Unterschied ist aber der: was sich so außerhalb deö Judenthums nur, als Resultat und Eigenthum einer Kulturstufe zeigt, ist ' innerhalb des Judenthums Resultat und Eigenthum aller Geschlechter Israels seit dessen Beginn) was außerhalb des Judenthums als Ergebniß des subjektiven Geistes sich darstellt^wird innerhalb deS Judenthums durch seine Geschichte hindurch auf eine höhere Quelle, auf die unmittelbare Einwirkung des göttlichen GeifteS, auf die Offenbarung zurückgeführt; was also außerhalb deS Judenthums nur nackter Rationalismus ist, den immerfortigen Schwankungen, Angriffen und Zerstörungen ausgesetzt ist, weil er der eigentlichen Grundlage der Geschichte und wirklichen Beweisführung ermangelt, das ist innerhalb des Judenthums auf den Felsengrund der vier Jahrtausende und der Offenbarung gebaut, und Überlieferung und Glaube vereinen sich mit Vernunft und Herz, um eS als unantastbares Eigenthum und unzweifelhaftes Resultat dem Israeliten zu übergeben; aber nur dem Israeliten zu übergeben, damit in den geistigen Kämpfen und Krämpfen der Menschheit diese in jenem immerfort ihren Anhalt, ihre Stütze, ihre niemals wankende Säule habe. Aber in der That ist alles Dies im Juden selbst erst noch zum Bewußtsein zu bringen. Eine lange Zeit hindurch stand das Judenthum wie bettelnd an den Pforten des Rationalismus, diesem gleichsam sein Dasein abbettelnd, statt daß es umgekehrt der Fall sein mußte. Man rief den Rationalisten zu: wir lehren ja nichts Anderes als ihr, laßt uns also bestehen! während die ganze Herrlichkeit dieser nur ein Saum des JudenthumS ist. Nun sich aber die trostlose Unsicherheit dieses Rationalismus gezeigt, und es zu Tage liegt, daß dieser gar nicht auf eigenen Füßen steht,; und dem Stoße der Kritik zum Atheismus und Pantheismus ebenso wenig, wie. dem Stoße der Kirche zum Glauben zu widerstehen vermag, jetzt kommt Ihr doch davon zurück, und suchet, Euch und Allen zum Heile, Euren eignen, unwandelbaren Boden wieder auf? — — Da ist also Vieles und Vieles zu thun, und eine große Mission zu vollbringen. II. Alsdann muß die Reform des Kultus auch fürderhin als eine allmälige, auf dem geschichtlichen Boden sich bewegende angestrebt werden. Wir verstehen hier unter Kultus nicht allein den öffentlichen Gottesdienst, sondern, wie für. unsre Zeit daS ganze noch bestehende jüdische Gesetz ein rein kultuelles ist,., so begreift Kultus auch: dieses ganze Gesetz. An eine radikale Reform, an eine - talnila ' rasa mit neuem Aufbau HU denken, verbietet PrariS und Theorie. 'Die Praxis, denn die Erfahrung hat eS nunmehr sattsam bewiesen, daß jede radikale Reform höchstens eine lokale Bedeutung gewinnen kann, da sie ja nicht einmal einer ganzen Lokalität sich zu bemächtigen die Kraft gehabt, sondern wo sie auftrat, nur einen Theil'der Lokalität fü^ sich gewann. Alle radikalen Reformbestrebungen sind für das große Ganze in's Wasser gefallen, und so ergiebt sich erfahrungsmäßig nur die allmälige Fortgestaltung als naturwüchsig auf unserm Gebiete. Aber auch theoretisch hat sie allein die volle Berechtigung anzusprechen, denn mehr als je haben unsere Tage uns die Lehre gegeben, daß die Religion ein geschichtliches Produkt ist, daS feine festeste Grundlage in der Geschichte hat, und daher allein auf dem Boden der Geschichte fortwachsen darf. Die^ geschichtlichen Fäden sind die stärksten, welche die Masse der Menschen an die Religion festhalten, nicht die Ergüsse der Sentimentalität und nicht die Operationen der Vernunft vermögen die geschichtliche Unterlage weder zu entwurzeln, noch zu ersetzen. So wenig aber diese Erfahrung für die bloße Stabilität spricht, so sehr fordert sie zur allmäligen Reform auf. Die Geschichte haut den Stamm nicht um, schneidet den Faden nicht ab: die Geschichte steht aber auch nicht still, sie verlangt Leben, fortschreitende Entwickelung, Verjüngung, Erneuerung der Lebenssäfte. III. Ganz besonders ist es aber das jüdische Schulwesen, welches wie zu aller Zeit, so unter den obwaltenden - Konjunkturen unsre ganze Regsamkeit und Strebsamkeit verlangt.—DaS Mindeste, mä wir hier erstreben müssen, ist die geregelte Religi.onsschule überall, deren Inhalt: Unterricht in der hebräischen Sprache und Bibel, Geschichte Israels, Lehre und Gesetz deS JudenthumS. , Aber darüber hinaus ist es höchstes Erfordern iß, so weit die Gelegenheit und die Mittel günstig, die jüdische Elementar- und Bürgerschule zu erkräftigen, herzustellen, mindestens überall, wo die allgemeine Schule wieder streng konfessionelle Schule geworden. Wir verweisen hier auf den Leitartikel der Nr. 40 und auf die in den folgenden Nummern erscheinenden Fortsetzungen. Wir werden hier des Nähern beleuchten, wie zu .diesem Zwecke vor Allem d ie Bildung und Besserstellung des jüdischen LehrstandeS zu erstreben und Nothwmdigkeit ist, eine Aufgabe, welche