Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 40 (27.9.1852)
- Date
- 1852-09-27
- Page
- Seite 483 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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488 „Na, lassen wir es gut sein, der Sched eines Schlemiehls ist einmal übel daran, denn so klüg ist jeder Mensch, daß er kein Schlemiehl sein will, und dann muß es unser einer tragen ... doch lassen wir das, wie ist Dir zu helfen?" „Das frag' ich Dich...." „Wolan, ich habe einen Plan, und.,in den mußt Du einwilligen, dann wird Dir geholfen sein — und mir auch ..." fügte der Sched seufzend hinzu. „Und was wäre dies für ein Plan?..." „Nichts weiter, als morgen begiebst Du Dich zu Rabbi Meyer; er wird in einer gewissen Verlegenheit sein, wenn er Dich empfängt; Du sagst ihm aber gar Nichts weiter, als: „Rabbi, wollt ihr mir eure Tochter zur Frau geben?" Und wenn er dann stutzt, so fügst Du Nichts weiter hinzu, als: „Denkt an Das, was euch heute Nacht'begegnet ist." Er wird dann sicherlich einwilligen...." Der.Bachur fuhr in die Höhe: ,,Wie? was? er wird einwilligen ... was sagst Du da? wer bist Du?..." „Thue, waS ich Dir sage, und es wird geschehen — aber unter einer Bedingung: gieb mir das Versprechen, nach Deiner Heirath mit der schönen Rebekka jeden Tag zwei Stunden zu „lernen" ... wehe Dir, wenn Du es nicht hältst...." „Ja, ich versprech' es, und sicher werd' ich eS halten, aber sag' nur, wie hängt das zusammen.!.." „Wie es zusammenhängt, brauchst Du nicht zu wissen, aber Eines will ich Dir sagen, waS Du wissen mußt, der Rabbi wird Dich für einen großen Baal Schem und Kabbalisten halten, und das mußt Du zu erhalten wissen, bis Du verhekrathet bist; was er darüber sagt, müßt Du mit bedeutungsvollem Achselzucken beantworten, und auf Alles eingehen ... nach der Hochzeit kannst Du thun was Du willst.. >Sagt' eS und war verschwunden. Ueberlassen wir den Bochur seinen Träumereien. Selbige Nacht war die Nacht des ersten Slichostages. Rabbi Meyer lag sinnend im Bette. Er hatte immer gehört, daß in , dieser Nacht viel bei den Geistern und Tobten vor sich gehe, aber noch niemals selbst Etwas erfahren. Als er so hierüber nachdachte, da hörte er plötzlich durch die Stille der Nacht ein Summen und Rauschen. Er hörte, wie es mit einem Male in der nachbarlichen Syn-' agoge, die freilich durch dicke Mauern und einen großen Hofraum von ihm getrennt war, lebendig ward; er ver- . nahm die bekannten Melodieen beim Ausheben der Tora aus der h. Lade; er vernahm, wie man ein, zwei Männer, die längst verstorben waren, Männer von höchster Frömmigkeit, zur Tora auftief, ihre Segenssprüche und die Abschnitte, die man ihnen vorlas; plötzlich — sein Herz stockte ihm in der Brust — hörte er zum dritten seinen eigenen Namen ... er hörte ihn so laut, so deutlich, so klangvoll, daß er nicht irren konnte-ach, er wußte, was das zu bedeuten habe, seinen — Tod im kommenden Jahre, und ob er auch wußte, daß ihm hiermit von den Tobten eine große Ehre erwiesen und ein testimonium pietatis ausgestellt werde, so bebte und zitterte er doch ... schon wollte er sich erheben, Kittel, Tallis und Tephillim nehmen, um sich in der Synagoge den ihn berufenden Tobten zu stellen ... da sah er unfern wohlbekannten Sched vor sich, uud der rief ihm zu: „Halt, geh noch nicht; Du weißt, was dies zu bedeuten hat; aber Du kannst noch leben, bei Deiner Rebekka, Deinen Büchern und Deiner Gemeinde bleiben, wenn. . ." „Nun, wenn. . ." rief der Rabbi in großer Erregtheit. „In den Mauern unsrer Stadt lebt ein großer Baal Schem und Kabbalist, der kann es bewirken,- daß die Meißim einen Andern berufen, und Dich in Ruhe lassen.,..." „Wer ist das?" „Das ist der Bochur Mendel, den Du so sehr verachtet hast, daß er voll Verzweiflung Deinen Unterricht verließ, er ist heimlich in die tiefsten Tiefen der Kabbala gedrungen, die Dir verschlossen sind; ihm gieb Deine Tochter Rebekka, wenn er morgen zu Dir kommt, sie zu verlangen, und Du bist gerettet...." „DaS soll ich? Dem meine Rebekka geben?..." „Ja ...hörst Du, die Meißim werden ungeduldig, sie rufen: nun, nun! geh', oder thu', was ich Dir sage...." Ich will es..." rief der Rabbi, und sank in die Kissen zurück. Der Sched war verschwunden, und der Rabbi hörte deutlich in der Synagoge einen andern, ihm bekannten, sehr frommen und gelehrten Mann aufrufen. Am andern Morgen, als, mit allen Schrecken der vergangnen Nacht im Herzen, der Rabbi zögernd die Synagoge zu den Slickos betrat: da war die erste Nachricht,' die er empfing, daß gegen Morgen der Mann verschieden seiMen er statt seiner hatte aufrufen hören. Der Rabbi schlug sich an die Brust, und wer verrichtete heute die Gebete inbrünstiger?... Es war ihm daher kaum auffallend, als im Laufe des Vormittags unser Mendel in sein Zimmer trat, unb^um die Hand seiner Tochter anhielt. Sofort sagte er sie ihm zu. Wer war glücklicher als Mendel und Rebekka? Der Rabbi Meyer spielte öfter auf die Ereignisse jener verhängnißvollen Nacht an, und unser Bochur zuckte sofort bedeutungsvoll die Achsel, was er um so besser konnte,