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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-09-27 · Heft 40 (27.9.1852) · p. Seite 482

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 40 (27.9.1852)
Date
1852-09-27
Page
Seite 482 (sequence 10)
Language
German
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482 „Nun, die Probe wird sie nicht zu bestehen haben, aber wie wenn ihr Vater sie zwingen will?..." „DaS fürcht' ich nicht, denn sie wird nicht nachgeben." „Wenn sie aber älter und älter wird, und ein andrer Werbender erscheint. .. „Halt ein, wer Du auch bist, und mach' mich nicht wahnsinnig... „Nun, nun, dazu gehört schon nicht viel mehr...." „Was soll ich anfangen, rathe, rathe mir...." „Nun, mit. dem „Lernen" wird's wol vor's Erste Nichts mehr," erwiderte der Sched seufzend, „das müssen wir unS auf spätere Jahre aufheben —* weißt Du was, Mendel, werd' ein Szaucher (Kaufmann)...." „Was, ich, der Bochur, ein Szaucher? Nimmermehr ... doch ich will'S mir überlegen ... wenn ich Glück hätte, und würd' ein/reicher Mann, und träte vor Rabbi Meyer, und spräche: hört„ ich habe so und so viel, gebt mir eure Tochter zum Weibe, wahrhaftig, er thut's.... Ein gescheidter Einfall — morgen werf' ich die Bücher in den Winkel — sie find mir so zum Ueberdruß, und die Bochrim kann ich nicht Husstehen — und geh' zum Ohm, der soll mir zu was verhelfen...." Der Sched verschwand, und Mendel warf sich auf's Bett, und entschlummerte süß in den Bildern der großen Beutel Geldes, die er erwerben wollte,''und auf denen seine Rebekka thronen sollte.... — „Also mit dem „Lernen" ist's Nicht's, und Du willst ein Handelsmann werden, Mendel . . ." sprach bedächtig Onkel Jossef zu unsetE^ Bochur. „Ja, Ohm..." erwiderte Mendel und hing mit den Augen an dessen Lippen, der Vatersstelle bei dem früh verwaisten vertrat. : „Was verstehst Du vom Handel ... geh, Mendel, und lern' weiter, Du kannst Dein Lebtage kein Szaucher werden...." „Was werd' ich nicht, Ohm, aus einem Bochur kann man Alles machen." ,,Za, wenn's kein verdobner Bochur ist...." „Onkelchen.. .." Mendel verstand zu schmeicheln, und Onkel Joffes war gutmüthig, er gab ihm ein hundert Thäl^rchen, und Mendel begann zu handeln. Freilich schmerzte es ihn sehr, wenn seine ehemaligen Genossen ihm begegneten und den Handelsmann verhöhnten, der früher so groß vor ihnen, gethan — denn er hatte als Bochur wirklich gut angefangen— aber der Gedanke, was er erringen wolle als höchsten Preis tröstete ihn. Er begann in der That mit Glück, und der Onkel Joffes fing schon an zu schmunzeln, wenn er ihm seine Erfolge erzählte. Zwei Jahre waren in die Welt gegangen, zwei Jahre voll Mühsale und Arbeit — und Mendel war noch da, wo er vorher gewesen, nein! eS stand schlimmer um ihn? Wie so? Das Blättchen hatte sich gewendet; kühn gemacht durch sein anfängliches Glück, spekulirtdUr weiter, denn es brannte in seiner Seele vorwärts zu kommen — aber Verlust auf Verlust, Täuschung nach Täuschung. Eine Zeit lang hielt ihn sein gutmüthiger Ohm aufrecht, aber der starb, und seine geringe Hinterlaffenschaft ward auch verhandelt. Zwei Jahre waren dahin, und Mendel immer noch im Dachstübchen, jetzt aber keine Bücher und auch keine Waare mehr darin, Alles war fort. Verzweiflungsvoll ließ er den Kopf hängen. „AuS dem verdorbnen Bochur ist ein verdorbner Szaucher geworden —" das klang wie ein Sterbeglöckchen in seiner Seele wieder. ES galt nicht mehr allein Rebekka erringen, sondern das tägliche Brod erwerben, der Hunger drängte sogar schon die Liebe zurück, was anfangen?... Der Vollmond schien wieder zum Fensterchen herein, da erblickte Mendel wieder eine Gestalt zwischen sich und dem Lichtstrom des Mondes. Ach, wie war der Sched zusammengehutzelt, so klein, so breit geworden, man hätt' ihn fast für das Bild eines alten Kastens gehalten. Mendel fuhr zuerst mit der Hand über die Stirn: „Halt," rief er aus, ,,hab' ich Dich nicht schon einmal gesehen, es war mein Unglück, Du riethest mir zum Handel, Du bist Schuld ... hinweg, verdammter Satan ..." und er schlug mit der Faust nach dem Sched, und traf natürlich die Ecke des Tisches, daß ihm die Hand sehr wehe that. „Du bist sehr undankbar^- erwiederte der Sched, „ich bemühe mich um Deinetwillen hierher und Du verfluchst mich."..." „Ja, das thu' ich, und bleib' wo Du Herzekommen." $ „Nun, nur gemach, ich will Dir helfen...." „Du? ... und wie?..." „Ein verdorbner Bocherbist Du ..." „Da bist Du daran Schuld..." „Und ein verdorbner Szaucher auch..." *■ „Da bist Du auch daran Schuld...." „Was werd' ich nicht an Allem Schuld sein ... daß Du Nichts gelernt hast, als Du Bochur warst, und daß Du schlecht gehandelt hast, wie Du Szaucher warst, wie könntest Du selbst daran Schuld sein ... das muß ein Andrer...." . „Willst Du mich noch verhöhnen?..."

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