Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 40 (27.9.1852)
- Date
- 1852-09-27
- Page
- Seite 479 (sequence 7)
- Language
- German
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479 Frankreich. Paris, im September. (Nach den Arch. isr. de Fr.) Sonnabend den 21. August, Abends 11 Uhr starb, kaum 60 Jahre alt, der Großrabbiner des Zentralkonsistoriums, Ritter der Ehrenlegion, früher Großrabbine des Seinebezirks, Herr Marchand Ennery, und ward den 25. August feierlichst zur Erde bestattet. Geboren zu Nancy 1792 hatte derselbe unter dem weiland Großrabbinen von Nancy, Gugenheim, den Talmud studirt und linguistische Studien bei einem gelehrten preußischen Israeliten, Namens Louis, in Nancy gemacht, besuchte zugleich die Zentralschule dieser Stadt. Er setzte später seine rabbinischen Studien in Mainz unter Rabbi Hirtz Scheuer fort. Nach Frankreich zurückgekehrt, war er zuerst Hauslehrer zu Paris bei einem namhaften Mitglieds des Konsistoriums, ward bald Direktor der israelitischen Schule zu Nancy, 1829 Großrabbine von Paris, 1846 des Zentralkonsistoriums. Ihm werden die schönsten Tugenden nachgerühmt, Herzensgüte, Sanftmuth, Wohlthätigkeit. Er überlebte mit Resignation seine Gattin und seinen einzigen Sohn, und sah mit Schmerz seinen Bruder, Er-Reprasentant in der gesetzgebenden Versammlung, aus Frankreich verbannt. Vermögen hat er nicht hinterlassen, vielmehr die in Bedrängniß, welche ihm theuer waren. Herausgegeben hat er ein hebräisch-französischeS Lexikon. Er war gemäßigt in seinen Ansichten, gewissermaßen eingenommen gegen alle Neuerungen im Kultus.. Im Konsistorialtempel fand am 24. eine einfache Trauerfeierlichkeit über seine dahin gebrachte Leiche statt. Der Tempel war gänzlich schwarz behängen, die Fenster verhüllt, zahlreiche Kerzen brannten. Der Leichnam des Verstorbenen lag auf einem prächtigen Katafalk, schwarz behängen und von Kerzen umgeben. Die Chöre erekutirten einige Psalmen. Der Großrabbine von Paris, Herr Isidor, hielt eine ergreifende Rede, in der er die Tugenden des Verewigten schilderte. Der Tempel war völlig gefüllt, und die Menge derer, die nicht eintreten konnten, füllte die Straße an, so daß deren Zugang durch Garden zu Pferde geschlossen worden. Der Trauerwagen, als er sich nach dem Gottesacker deS Päre la Chaise in Bewegung setzte, war von 20 Trauerwagen, zahlreichen Equipagen und bei 6000 Israeliten gefolgt. Unter dem Gefolge befanden sich der Oberst Cersbeer, Präsident des Zentralkonsistoriums, der am Grabe eine Rede hielt, Franck, A. Halphen, Alphons v. Rothschild u. s. w. Man bemerkte insonders den Herrn Hillel, Bankier des Sultans zu Bucharest, dessen männliche Physiognomie, rothes Feß mit Goldstickereien und drei Ordensdekorationen die Blicke auf sich zogen. Herr Contencin, Generaldirektor der Kulte im Ministerium der Kulte, und Herr Ried, Büreauchef der akatholischen Kulte, begleiteten den Sarg bis zum Gottesacker. — Herr Furtado, Präs, des Konsistoriums von Saint-Esprit, ist zum Maire von Bayonye ernannt worden. — Der Präsident des Konsistoriums von Marseille, Herr Delpuger, Richter am Handelstribunal u. f. w. hat die Ehrenlegion erhalten. — Zum ersten Male finden wir in diesem Jahre einen israelitischen Namen unter den für „tugendhafte Handlungen" Belohnten. In dem Berichte des Herrn Vitet an die französische Akademie vom 20. August c. wird eine Medaille von 5.00 Fr. der Wittwe Jeannette Weil, wohnhaft zu Lauterburg, ertheilt. Holland. Groningen, 9. September.- (Privatmitth.) Wir vernehmen, daß den 7. September die Wahl des Oberrabbiners für den Ressort Groningen stattgefunden hat und daß 12 von 15 Stimmen (eS waren 15 Mitglieder der Wahlkommission anwesend) der Herr Dr. Jakob Rosenberg, Distriktsrabbiner in Fulda (Kurheffen), gewählt haben. Man hofft, daß sobald der Gewählte die Wahl wird angenommen haben, die königl. Bestätigung erfolgen wird, damit die so lange bestandene Vakanz noch zum Herbst ausgefüllt werde. Schweden. Stockholm, 7. September. Unerfreuliche Nachrichten von hier. Die Arretirung einiger Betrunkenen gab dem Pöbel Gelegenheit zu rumoren, und ehe man eS sich versah, und ohne irgend eine Veranlassung wandte sich der, durch einen scheußlichen Artikel in der Zeitschrift „die VolkSstimme" aufgehetzte Pöbel gegen die Juden, warf an der Synagoge Scheiben ein, demolirte an dem Hause eines der geachtetsten und wohlthatigsten Israeliten und machte sich noch zu Aergerem bereit. Festes Auftreten der exekutiven