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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-09-27 · Heft 40 (27.9.1852) · p. Seite 478

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 40 (27.9.1852)
Date
1852-09-27
Page
Seite 478 (sequence 6)
Language
German
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478 in Folge eines Mißgriffes deS zweiten ReligionSlehrers Herrn Dr. Mandel, der aus dem ersten Jahre zwei Jahre machte, wodurch die Mütter mißmuthig wurden, andererseits sich aber keine Schülerin vorfand, die in die zweite zum Herrn Breuer hätte aufsteigen können. Bei Herrn Mannheimer, der noch die Privatprüfungen mit Mädchen vornimmt, waren außer den Schülerinnen deS Szanto'fchen Mädcheninstituts blos 13 Mädchen zur Prüfung aus beiden Klaffen, die übrigen hiesigen israelitischen Mädchen sind entschieden ohne Religionsunterricht. Wenn man bedenkt, welche Anstrengungen der Katholizismus macht zur Befestigung des Glaubens, so ist die Nachlässigkeit von unserer Seite um so mehr zu bedauern. Noch muß ich dabei eines Umstandes erwähnen. ES bestehen hier seit zwei Jahren beiläufig Arbeitsschulen für Mädchen, die zunächst von Sr. Erz. dem Herrn Feldzeugmeister Freiherrn v. Melden, dem ehemaligen Zivil- und Militärgouverneur, gegründet worden. In diese Schulen kommen auch jüdische Mädchen, aber da ist förmliche Propaganda für's Christenthum, da kein eigentlicher Unterricht ist und blos ein Geistlicher täglich kommt und den Kindern vorliest und Erhörten hält. Da müßte ein Ausweg getroffen werden, wenn man nicht das Judenthum untergraben lassen will. Nächst diesen Instituten ist daS Wienerische Knabeninstitut. Es ist entfernt von der Stadt gelegen und zeichnet sich besonders durch Eleganz aus. Es sind manche tüchtige Kräfte bei dem Institute thätig. Wenn es nicht so stark dasteht wie das Knabeninstitut der Brüder Szanto, so mag dies einerseits darin liegen, daß es zu weit entfernt, anderseits aber, daß die Kräfte nicht ganz harmonisch wirken. Jedenfalls ist die Tüchtigkeit und Strebsamkeit des Herrn Wiener auf dem Gebiete der Erziehung besonders anzuerkenn.cn, und wir würden es von Herzen wünschen, es möge das Institut gedeihen und Gedeihen bringen. Herr Brisker hat eine '„Bildungsanstalt". Er hat sich außerhalb jedes Schulzwanges gestellt. Er läßt nicht, wie es hier üblich ist, seine Schüler öffentliche Prüfung ablegen und verfolgt seinen eignen Gang. Herr Brisker hat Namen und Ruf als Mann von tiefer Bildung; inwiefern aber das Institut wirksam ist, läßt sich vor der Hand noch nicht bestimmen. Es besteht erst seit einem Jahre und der Weg ist ein eigenthümlicher. Es muß daher abgewartet werden. So. viel sei bemerkt: während in sonstigen israelitischen Instituten' das Zeremonialgesetz beobachtet wird, wird in diesem Institute am Samstag geschrietzen rc. Noch will ich dabei einer segensreichen Anstalt gedenken, die zum Theil privat ist. Wir meinen die Kleinkinderbewahranstalt, gegründet von dem in der hiesigen Gemeinde vielverdienten Herrn Jos. Wertheimer. Es ist in neuester Zeit ein neuer Lehrer angestellt worden, Herr Bidersdorf. Ihm zur Seite steht seine Frau, die in Fröbels Kindergarten gebildet wurde. Es ist da ein ehrliches Streben vorhanden, und wir wünschen, eS möge gedeihen. Die Anzahl der Kinder hat sich bedeutend vermehrt, wahrend früher 50—60 waren, sind jetzt bereits 120. Mögen eS die Mittel gestatten, eine größere Lokalität mit einem größern Garten zu miethen; an dem Willen der vielverehrten Vorsteherinnen fehlt eS nicht. Leipnik in Mähren, 14. September. (Tagsb. a. B.) Gestern Mittags um 12 Uhr brach Plötzlich, während eben ein furchtbarer Sturmwind über die Stadt hinbrauste, im Hause eines Fleischhauers, gegenüber der Kirche, Feuer aus, und schon binnen einer Stunde war die ganze obere Judenstadt ein Schutt- und Aschenhaufen geworden. Der rasende Wind jagte die Flammen vor sich her und trieb ganze Feuerbrände bis in die entlegensten Gaffen, wo dann plötzlich, ohne daß man fast das Woher? errathen konnte, von den Dächern der Hauser die Flammen emporloderten. So brannte es plötzlich im WirthShause zur Krone am entferntesten Ende der Stadt, und nur durch eiliges Herabreißen der Dächer konnte hier die Gaffe gerettet werden. DaS Feuer schritt eiligst und in gerader Linie mit dem Winde voran. Die Habseligkeiten konnten nur mit Mühe gerettet werden. Der Brand hatte von einem Thore der Stadt bis zum andern gewüthet. Der Schrecken, daS Geheul und die Verwirrung konnten nur mit der Größe des Elends selbst verglichen werden. Die Juden, die eS zumeist und fast allein betroffen, sind Bettler geworden, und die Wenigen, die das Brandunglück zum Theil verschont, werden jetzt von ihren unglücklicheren Genossen so sehr in Anspruch genommen/ daß ihre Hilfsquellen, wenn nicht von auswärts bald Hilfe kommt, bald erschöpft sein müssen.

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