Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 40 (27.9.1852)
- Date
- 1852-09-27
- Page
- Seite 477 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3225768-3225809--12672-3242862- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
477 Preußen. Berlin, 18. September. (Privatmitth.) Die Donnerstagsnummer der „Kreuzzeitung" enthält wieder einen Artikel, der, nicht „Feuer und Flamme", sondern Gift und Geifer gegen die Juden speit. Und auf welche Veranlassung? Weil die österreichischen Blätter allerdings sehr harte Worte gegen Preußen enthalten. Die „Kreuzzeitung" weiß nichts Anderes daraus zu erwidern, als 'diese Worte aus der Feder „bezahlter Juden" geflossen zu bezeichnen. Man muß gestehen, eine sehr schwache und sehr wohlfeile Erwiderung — indeß wir wollen diese Blätter weder mit dem Schmutz der Kreuzzeitung, noch mit Erpektoratio.nen über .diesen besudeln. Sicher muß es nur auffallen, wie die berliner Juden feige, oder fahrlässig genug sind, um dergleichen Beschimpfungen einer vom Staate anerkannten Religionsgenossenschaft nicht vor daS allein zuständige Forum der Gerichte zu ziehen; allein zuständig, da eS eine vergebliche Mühe wäre, dieses Blatt etwa vor daS Forum der Vernunft, des Rechts und deS Geschmacks zu ziehen, eine höchst eitle Mühe, es widerlegen oder bestreiten zu wollen, da eS selbst noch niemals auf Widerlegung oder Bestreitung anders geachtet hat, als um noch mehr zu schimpfen und zu lästern. Glücklicherweise hat die neueste Zeit hinlänglich dargethan, daß diese Partei nicht ist, wofür sie sich lange ausgegeben, „eine kleine, aber mächtige", und daß die preußische Regierung wol kräftig und selbstständig genug ist, um ihr auf die Finger zu schlagen. Daß sie, waS sie sonst noch vorgiebt zu sein, nämlich fromm-und gottselig, nicht ist, dafür hat es freilich von Anfang ankeines Beweises bedurft. —. In der jüngst erflossenen königl. Verordnung über provisorische Bildung der ersten Kammer ist nirgends die betreffende Wählbarkeit von einem religiösen Bekenntniß abhängig gemacht worden. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 10. September. (Privatmitth.) Zu Ende des Jahres, wo man die Häupter seiner Lieben nachzählt, dürfte es wol nicht am Unrechten Orte sein, nachzusehen, wie es mit der Jugend bestellt ist. Denn nach wie vor ist es die Jugend, auf die wir rechnen und zählen, daß sie das Werk vollenden werde, was die Vorhergehenden begonnen. Ich will Ihnen die Bildungsmittel angeben, die die israelitische Jugend auf jüdischem Boden hat. Ich muß da gleich bemerken, es giebt hier keine öffentliche jüdische Schule. Die h. Vertreter der hiesigen Kultusgemeinde haben eine Scheu eine israelitische Volksschule — denn um die wäre wol zunächst die Frage — zu begründen, trotzdem es vom Unterrichtsministerium sehr gewünscht wird. Sie sehen darin nur einen Akt des Separatismus, eine neue Auflage des alten „gelben Fleckes". Ich habe daher nur von Privatinstituten zu sprechen. Ich fange mit dem ältesten dieser Institute an, das zugleich auch das größte und bedeutendste ist. Ich meine das Lehr- und Erziehungsinstitut der Brüder Szanto für^israelitische Knaben. Die Vorsteher .dieser Anstalt zeichnen sich besonders durch ihre pädagogische Befähigung aus und haben so manches Wertvolle auf dem Gebiete der Literatur geleistet. Diese Anstalt besteht erst seit 4 Jahren und zählt bereits an 50 Pensionäre, so nützlich hat sich dieses Institut bewiesen. Auch wird da für das religiöse Bedürfniß der Kinder insbesondere Sorge getragen, indem ein geregelter Gottesdienst an Feier- und Festtagen gehalten wird, wobei Herr Simon Szanto die belehrenden Erhörten hält. Ad vocem Szanto knüpfe ich sogleich daran das Mädcheninftitut der Frau Karol. Szanto. ES ist das daS einzige von der h. Negierung konzessionirte Mädcheninstitut. Die Vorsteherin deS Instituts ist eine vortreffliche gebildete Frau, der es wahrhaft am Herzen liegt, die ihr anvertrauten Mädchen mit aller möglichen Fürsorge groß zu ziehen. Sie spart und scheuet keine Opfer, um tüchtige Meister zu engagiren und das Institut in jener Weise zu erhalten, daß es ehrenhaft dastehe mitten unter den vielen christlichen Instituten, die hier bestehen, worunter auch zwei kaiserliche sind. Auch das Aeußere des Instituts, die Räumlichkeiten, ist sehr lobenswerth. Es sind weite geräumige Zimmer, die an der.Donauseite liegen. Bei dieser Gelegenheit erlauben Sie mir eines Uebelstandes zu erwähnen. Der Religionsunterricht bei den Mädchen ist hier in letzter Zeit sehr in Verfall. Es ist notorisch, daß sich hier an 200 bis 300 schulfähige israelitische Mädchen befinden und von diesen erhalten nur sehr wenige den Religionsunterricht. An der öffentlichen israelitischen Religionsschule war Heuer nicht Eine Schülerin und zwar war dies